„Kameradschaftsführer“ Bernd T. scheitert vor dem Bundesgerichtshof mit Revision

Bedrohung und Beleidigung: Kasseler Neonazi muss jetzt hinter Gitter

Pose vor dem Rathaus: Neonazi Bernd T. Foto: nh

Kassel. Der Gründer der Kasseler Neonazi-Kameradschaft „Sturm 18“ muss hinter Gitter – möglicherweise für mehrere Jahre. Bernd T. ist mit einem Revisionsantrag gegen seine jüngste Verurteilung vor dem Bundesgerichtshof gescheitert.

Damit wurde die zehnmonatige Gefängnisstrafe rechtskräftig, die der 37-Jährige im März vom Landgericht kassiert hatte – wegen Bedrohung und Beleidigung einer Frau, deren minderjährige Tochter unter seinen Einfluss geraten war.

Darüber hinaus droht dem Neonazi nun auch das Verbüßen einer anderthalbjährigen Freiheitsstrafe, die bislang noch zur Bewährung ausgesetzt ist. Auch bei dieser Verurteilung ging es um Bedrohung und Beleidigung. „Der Widerruf der Bewährung kommt in Betracht“, sagt Staatsanwältin Kerstin Nedwed, das werde derzeit geprüft. Zudem sind weitere Verfahren, in denen Bernd T. das Verwenden verbotener Nazi-Symbole vorgeworfen wird, noch anhängig.

Nachfolger steht bereit

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Es könnte also ein langer Knastaufenthalt werden für den 37-Jährigen. Doch für „Sturm 18“ wäre das wohl nicht das Ende: Mit Dirk W. aus Nordrhein-Westfalen steht schon ein Nachfolger bereit, der aus dem gleichen tiefbraunen Holz geschnitzt ist wie der Kameradschaftsgründer. Der mehrfach vorbestrafte Neonazi gab auf seinem Facebook-Profil noch vor Kurzem Hitlers „Mein Kampf“ als Lieblingsbuch an. Und obwohl der 40-Jährige erst seit wenigen Monaten in Kassel lebt, wird auch hier bereits wegen zweier Gewalttaten gegen ihn ermittelt: Unter anderem soll er vor dem Kulturbahnhof einem Obdachlosen mehrfach ins Gesicht getreten haben. Auch darin folgt er dem Vorbild des „Sturm 18“-Gründers: Bernd T. prügelte 1993 in Bad Segeberg einen Obdachlosen sogar zu Tode.

In der rechten Szene ist das Ansehen der Kasseler Kameraden eher gering – sie gelten als Säufer und werden in rechtsextremen Internetforen als „Schande für die Bewegung“ kritisiert. „Dass sich daraus eine effektive rechtsextreme Organisation entwickelt, glaube ich nicht“, sagt der Kasseler Rechtsextremismus-Experte Helge von Horn. Was „Sturm 18“ trotzdem so gefährlich mache, sei vor allem die Gewaltbereitschaft.

Auch gegen Melanie T., die 23 Jahre alte Ehefrau des Kameradschaftsgründers, laufen derzeit vier Ermittlungsverfahren wegen Körperverletzung. Und „Sturm 18“-Aktivist Thorsten K., der vor einem Jahr wegen eines versuchten Brandanschlags auf eine Korbacher Moschee zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden war, wartet ebenfalls auf seinen nächsten Prozess: Der 32-Jährige ist angeklagt, weil er im Kommunalwahlkampf an einem Stand der Linkspartei gepöbelt und den Hitler-Gruß gezeigt haben soll.

Von Joachim Tornau

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