RAF und Neonazis: Terror in unserer Region

+
Doppelschlag in Kassel: Die Hessische Allgemeine berichtete am 16. Januar 1971 ausführlich über die Banküberfälle der Terroristen.

Kassel. Die Mordserie an neun Türken und einem Griechen geht mit großer Wahrscheinlichkeit auf das Konto von drei Neonazis aus Thüringen. Dieser Fall hat eine neue Debatte über rechtsextremistischen Terror in Deutschland ausgelöst. Hier dokumentieren wir rechts- und linksextremistisch motivierte Gewalt in der Region.

RAF überfiel zwei Banken

Auch die aus Kassel stammende Terroristin Astrid Proll wurde verdächtigt

Kassel. Am 15. Januar 1971 um 9.33 Uhr kam der Doppelschlag: Neun Mitglieder der Roten Armee Fraktion (RAF) überfielen zwei Zweigstellen der Stadtsparkasse in Kassel. Mit Pistolen bedrohten die Terroristen Angestellte und Kunden in der Filiale am Georg-Stock-Platz (Wehlheiden) und in der Filiale an der Akademiestraße (Südstadt). Um ihre Drohung zu untermauern, feuerten die linksradikalen Täter auch Schüsse ab.

Insgesamt erbeuteten sie 114 715 DM. „Masken-Bande raubte in 2 Minuten 2 Banken aus“ titelte damals die Bild-Zeitung. Kurze Zeit später tauchten bereits Gerüchte auf, dass es sich bei den Tätern um die linksradikale Gruppe um den Berliner Apo-Anwalt Horst Mahler und den Kaufhausbrandstifter Andreas Baader handeln könnte. Zudem wurde die damals 23-jährige Astrid Proll aus Kassel gesucht. Die Studentin wurde beschuldigt, an der gewaltsamen Befreiung von Andreas Baader beteiligt zu sein. Ob Proll wirklich an den Banküberfällen in Kassel beteiligt war, konnte später nicht mehr festgestellt werden. (use/bal/bli/vbs)

Den vollständigen Text lesen Sie in der gedruckten Kasseler Ausgabe der HNA von Freitag

Der alte Mann der Rechten

Der heute 82-jährige Manfred Roeder wurde in Hann. Münden verhaftet

Vor über 30 Jahren galt der Rechtsanwalt Manfred Roeder als der große Anführer der rechtsradikalen Szene in der Bundesrepublik. Der heute 82-Jährige war Anwalt von Hitler-Stellvertreter Rudolf Heß, veranstaltete „Reichstage“, bezeichnete Auschwitz als „Lüge“. Nach Deutschland, dieser „Lumpendemokratie“, würde er erst zurückkehren, wenn es andere Gesetze gebe, ließ er damals aus Südamerika verlauten. Als Manfred Roeder im Jahr 1980 dennoch heimkam, wurde er sofort verhaftet. Und zwar in Hann. Münden (Landkreis Göttingen), was damals für Furore sorgte. Denn gleichzeitig wurden mit Roeder weitere Top-Rechte in ganz Deutschland dingfest gemacht. (tho)

Den vollständigen Text lesen Sie in der gedruckten Kasseler Ausgabe der HNA von Freitag

Thorsten Heises Spur der Gewalt

Südniedersachsen ist seit zwei Jahrzehnten ein Zentrum des Rechtsextremismus

Südniedersachsen ist bereits seit mehr als zwei Jahrzehnten ein Zentrum der rechtsextremistischen Szene. Ziehvater der Neonazis war der Vorsitzende der 1995 verbotenen Freiheitlichen Arbeiterpartei (FAP), Karl Polacek. Einer seiner Zöglinge war der spätere Anführer der „Kameradschaft Northeim“, Thorsten Heise. Der heute 42-Jährige, der in den vergangenen Jahren dem Bundesvorstand der NPD angehörte, ist vielfach vorbestraft und hat mehrfach in Haft gesessen.

1989 wurde er wegen versuchten Totschlags angeklagt, weil er in Nörten-Hardenberg mit einem Kübelwagen auf einen libanesischen Asylbewerber losgefahren war. Im Dezember 1989 führte er einen gewalttätigen Angriff von 80 FAP-Anhängern gegen das Göttinger Jugendzentrum Innenstadt (Juzi) an.

Den vollständigen Text lesen Sie in der gedruckten Kasseler Ausgabe der HNA von Freitag

Rädelsführer bekam eine Gefängnisstrafe

Rechte Gewalttaten finden vor allem im Schwalm-Eder-Kreis statt - Anführer soll auch Kontakte nach Thüringen haben

In Nordhessen gab es in den vergangenen Jahren unter anderem folgende rechte Gewalttaten:

Schwalm-Eder-Kreis

Juli 2008: Überfall auf ein linkes Zeltlager am Neuenhainer See, bei dem ein 13 Jahre altes Mädchen verletzt wird. Erstmals traten damit die Freien Kräfte Schwalm-Eder als rechtsextreme Gruppierung an die Öffentlichkeit. Der Rädelsführer Kevin S. wurde 2009 vom Kasseler Landgericht wegen schwerer Körperverletzung zu zwei Jahren und drei Monaten Haft verurteilt. Kevin S. soll häufig in Jena gewesen ein. Er pflegte dort offensichtlich Kontakte zum Thüringer Heimatschutz. Das ist die Gruppe, zu der die toten Rechtsextremisten Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt ebenfalls eine enge Bindung gehabt haben sollen. Die rechte Szene aus dem Schwalm-Eder-Kreis hat scheinbar auch Kontakte zum Freien Widerstand Kassel geknüpft. Diese Gruppe setzt aber mehr auf Meinungsmache und nicht auf Gewalt.

Bereits im Juni 2008 gab es einen Überfall auf Jugendliche in Frielendorf-Todenhausen. Drei Verletzte. Im Nachhinein stellt sich heraus, dass auch hier die Freien Kräfte am Werk waren.

November 2009: Überfall auf die Kirmes in Schwalmstadt-Dittershausen. Ein Polizist wurde verletzt.

Waldeck-Frankenberg

Im Jahr 2009 gab es hier 36 politisch motivierte Straftaten aus der rechten Szene, im Jahr 2010 waren es 22. In diesem Jahr gab es elf Fälle. Der Großteil der Taten betrifft das Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen, ein kleiner Teil bezieht sich auf Volksverhetzung. Der Schwerpunkt liegt im Bereich Bad Wildungen. (tho)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.