Gezieltes Unterwandern von Vereinen gehört zur Strategie

Neonazis wollen in die Mitte der Gesellschaft

Kassel. Der Fall des Kasseler Neonazis Daniel B., der es im CDU-Stadtbezirksverband Nord zum Vorstandsmitglied gebracht hat, sorgt bundesweit für Aufsehen. Der Vorfall entspricht einer Strategie der rechten Szene, sich in Vereine, Verbände und auch Feuerwehren einzuschleichen.

Der 25-Jährige, der zur rechtsradikalen Gruppe „Freier Widerstand Kassel“ gezählt wird, soll jetzt aus der CDU ausgeschlossen werden. Mit extremistischem Gedankengut ist er weder in der Partei noch an der Universität, wo er Politikwissenschaften studiert, auffällig geworden. Nur im Internet tobte er sich in einem rechten Forum aus und schrieb dort von „Untermenschen“.

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In seiner Funktion hatte sich auch der Vorsitzende der Freiwilligen Feuerwehr Bettenhausen-Forstfeld nichts zuschulden kommen lassen, der im Mai zurückgetreten war (wir berichteten). Es war herausgekommen, dass der früher offen agierende Neonazi nach wie vor Kontakt ins rechte Umfeld unterhielt.

Hinter der Strategie der Rechten stehe der Versuch, sich in der Gesellschaft zu verankern, sagt der Kasseler Soziologe Helge von Horn, Autor zahlreicher Fachpublikationen zum Rechtsextremismus und Kenner der Szene. Dabei verhielten sich die Neonazis in der Regel unauffällig und legten Engagement an den Tag. „Falls ihr rechtsextremer Hintergrund rauskommt, hoffen sie, dass es heißt: Er war immer ein netter Kerl.“ Das längerfristige Ziel der Unterwanderung etablierter Gruppen und Institutionen sei, Einfluss auf die öffentliche Meinung zu bekommen.

Nach von Horns Einschätzung umfasst die Kasseler Neonazi-Szene derzeit 20 bis 25 Aktive. Während die Mitglieder der Vereinigung „Sturm 18“ martialisch und in typischem Nazi-Outfit aufträten, pöbelten und gewalttätig würden, verhielten sich die Mitglieder des Freien Widerstands eher unauffällig. Unter ihnen gebe es auch Studenten. Dem Freien Widerstand, der eher strategisch agiere, sei zuzutrauen, dass er eine gezielte Unterwanderungsstrategie verfolge, sagt von Horn. (rud/tho)

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