Schulzeitverkürzung: Kasseler Hochschule rechnet mit jüngeren Studierenden

Nesthäkchen an der Uni

Gerade noch rechtzeitig volljährig geworden: Janina Jaensch, Kassels jüngste Studierende, hat drei Tage vor Semesterbeginn ihren 18. Geburtstag gefeiert. Sie studiert jetzt im ersten Semester Architektur. Foto: Koch

Kassel. Um ein Haar hätte die Uni Kassel schon in diesem Semester eine minderjährige Studierende gehabt. Janina Jaensch ist am 14. Oktober und damit drei Tage vor Semesterbeginn volljährig geworden und damit Kassels jüngste Studierende.

Sie wurde bereits mit fünf Jahren eingeschult und hat ihr Fachabitur nach der zwölften Klasse abgelegt.

Mit der Verkürzung der gymnasialen Oberstufe (G8) und der Abschaffung der Wehrpflicht ist es nur eine Frage der Zeit, bis die ersten unter 18-jährigen Erstsemester an der Uni Kassel aufschlagen. Das stellt die Hochschule vor juristische Probleme. Denn mit 17 Jahren ist man noch nicht voll geschäftsfähig.

Dr. Nikolaj Fischer

Schon beim Antrag auf Einschreibung müsse deshalb bei Minderjährigen die Zustimmung der Eltern schriftlich vorliegen, erklärt Dr. Nikolaj Fischer, Leiter des Justiziariats der Uni Kassel. Doch auch für den Bibliotheksausweis, die Teilnahme am Hochschulsport und an Studienexkursionen mit Übernachtung wäre die Erlaubnis der Eltern notwendig. Auch muss man bei Studiengängen wie Chemie genau hinschauen, wo schon in den ersten Semestern mit Gefahrstoffen wie Lösungsmitteln hantiert wird.

In puncto Jugendschutz muss man sich auf einmal auch Gedanken über den Ausschank von Alkohol auf Uni-Veranstaltungen machen. Und über die Nutzung der IT-Dienste der Hochschule. Schließlich gibt es über den Uni-Account freien Zugang zum Internet, womit theoretisch auch der Zugriff auf jugendgefährdende Seiten möglich ist. Auch hier muss sich die Hochschule rechtlich absichern.

„Es gibt eine Fülle von Rechtsakten an der Hochschule, für die bei Minderjährigen die Elterneinwilligung vorliegen muss“, sagt Fischer. Derzeit arbeite man an einer „pragmatischen, aber rechtlich sicheren“ Lösung für die Uni.

In Göttingen, wo zum Wintersemester bereits 17-Jährige ihr Studium aufgenommen haben, hat sich die Hochschule mit einer von den Eltern zu unterzeichnenden „Generaleinwilligung“ beholfen. Diese umfasst alle Rechte und Pflichten, die mit dem Studium verbunden sind. Eine ähnliche Lösung kann sich Fischer auch für Kassel vorstellen. „Es wäre sicher nicht praktikabel, sich für alles eine Unterschrift einzuholen.“ Andererseits dürfe das Schriftstück nicht zu allgemein gefasst sein, sondern müsse besonders die kritischen Bereiche genau aufführen, um dem Schutz Minderjähriger Rechnung zu tragen.

Bis zum nächsten Wintersemester will man rechtlich für die U18-Studenten gewappnet sein. Theoretisch hätten aus Niedersachsen, wo der doppelte Abi-Jahrgang bereits fertig geworden ist, auch schon minderjährige Erstsemester an die benachbarte hessische Hochschule strömen können. Die Doppeljahrgänge in Hessen werden 2013 und 2014 an die Unis drängen. Artikel rechts

Von Katja Rudolph

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