Möglicherweise wurden Kundendaten gestohlen – seit zehn Tagen technische Probleme

Netcom wurde von Hackern erpresst

Trojaner treiben nicht nur in Kassel ihr Unwesen: IT Security-Wissenschaftler trainieren im neuen Cybersicherheitszentrum „Athene“ in Darmstadt.
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Trojaner treiben nicht nur in Kassel ihr Unwesen: IT Security-Wissenschaftler trainieren im neuen Cybersicherheitszentrum „Athene“ in Darmstadt.

Die Netcom Kassel wurde im Zuge eines groß angelegten Hacker-Angriffs erpresst. Dies räumte Geschäftsführer Ralph Jäger im HNA-Gespräch ein.

Kassel - Seit vergangener Woche Montag ist wegen eines Trojaners nicht nur die E-Mail-Kommunikation des Unternehmens gestört, sondern es ist auch möglich, dass Daten der etwa 32 000 nordhessischen Kunden gestohlen wurden.

Derzeit laufen die Ermittlungen bei der Polizei und beim Innenministerium. Die Bundesnetzagentur und der Datenschutzbeauftragte wurden eingeschaltet.

Auch zehn Tage nach dem Angriff hat die Netcom mit den Folgen zu kämpfen. Geschäftsführer Jäger hofft, dass zumindest im Laufe der Woche wieder alle Mitarbeiter per E-Mail erreichbar sind. Es habe etliche Beschwerden von Kunden gegeben. „Wir tun unser Möglichstes, damit bald wieder alles läuft“, so Jäger. Die Internetanschlüsse der Bestandskunden seien nicht von dem Trojaner betroffen. Bei Telefonanschlüssen gebe es nur in Einzelfällen Störungen. Doch wer ab dem 18. Januar als Neukunde oder Wechselkunde dazu gekommen sei, habe größere Probleme.

„Unsere technischen Systeme wurden nicht gehackt, aber unsere Kunden- und Kommunikationssysteme“, sagt Jäger. Es sei zudem nicht auszuschließen, dass dabei Kundendaten gestohlen worden seien. Auf den mit dem Trojaner verbundenen Erpressungsversuch habe sich das Unternehmen nicht eingelassen, erklärt Jäger.

Woher der Trojaner kam, ist noch unklar. Jäger vermutet aber, dass es sich um das osteuropäische Netzwerk gehandelt habe, gegen das dem Bundeskriminalamt (BKA) in dieser Woche ein entscheidender Schlag gelungen ist. Die Spuren führten dabei bis in die Ukraine. Der von etlichen Fachleuten als „gefährlichste Schadsoftware der Welt“ bezeichnete Trojaner „Emotet“ hatte zuletzt viel Behörden und Krankenhäuser befallen.

Das Polizeipräsidium Nordhessen bestätigt die Ermittlungen im Zusammenhang mit dem Hacker-Angriff bei der Netcom. Dabei werde derzeit auch geprüft, welche Schadsoftware zum Einsatz kam und ob es Verbindungen zu dem jüngsten Verfahren des BKA gibt, so ein Sprecher. Nähere Einzelheiten könnten momentan noch nicht mitgeteilt werden, da die Ermittlungen noch andauerten. In der nächsten Woche könnten aber eventuell bereits weitere Details bekannt gegeben werden.

Die Netcom bittet ihre Kunden, besonders vorsichtig zu sein, sofern Sie per E-Mail Nachrichten mit Links oder Anhängen im Namen der Netcom Kassel erhalten haben. Bisher habe das Unternehmen aber keine Informationen dazu erhalten, dass solche Angriffe tatsächlich erfolgt sind. (Bastian Ludwig)

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