Wettstreit um Leitungen birgt für Städtische Werke und Kommunen auch Risiken

Netze ohne Gewinngarantie

Kassel / Grossalmerode. Wenn die Gemeinden in der Region ihre Netze ab 2011 nicht mehr von Eon Mitte betreiben lassen, biete das viele Vorteile, betonen die Städtischen Werke Kassel. Sie buhlen wie auch andere Stadtwerke um die Gunst der Kommunen, die derzeit nach der besten Lösung suchen.

„Die deutschen Stromnetze sind in den nächsten Jahren auch Investitionsobjekte und müssen nicht zwingend reine Renditeobjekte sein.“

Frank Brachvogel, BDEW

Durch die Gründung von eigenen Stadtwerken bleibe die Wertschöpfung in der Region und fließe nicht in ferne Konzernzentralen ab, werben die Städtischen Werke. Großalmerode hat das überzeugt. Die Stadt im Werra-Meißner-Kreis will sich von Eon Mitte lossagen und wartet, dass die Kasseler Stadtverordneten die Werke ermächtigen, eine neue Stadtwerke-Gesellschaft in Großalmerode zu gründen. Doch der Netzbetrieb birgt auch Risiken. Ebenso wie Gewinne würden Verluste in der Region bleiben.

„Unternehmen und Kommunen müssen vor Ort individuell prüfen, wie die Ausgangslage konkret ist, um die Chancen und Risiken für einen Netzbetrieb abzuwägen“, erklärt Frank Brachvogel, Sprecher des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW). Den Investitionsbedarf in die deutschen Stromnetze schätzt der BDEW für die kommenden zehn Jahre auf 40 Milliarden Euro.

Einen großen Teil davon machen überregionale Hochspannungsnetze aus, Übertragungsnetze genannt. Bei der Bundesnetzagentur haben deren Betreiber einen Bedarf von 6,2 Milliarden Euro angemeldet, die sie zwischen 2008 und 2016 investieren wollen. Über den Zustand der Netze in den Kommunen, den Verteilnetzen, hat die Bundesbehörde keine Informationen.

Steigende Anforderungen

Grund für die Investitionen sind gestiegene Anforderungen, die auch auf neu zu gründende Netzbetreiber zukommen, sagt Brachvogel. Weil in einigen Landesteilen immer mehr Verbraucher zum Beispiel mit Solarzellen und Windanlagen selbst Strom einspeisen, müssen die Netze bei Bedarf zweispurig ausgebaut werden.

Ein heißes Zukunftsthema sind intelligente Netze. Gemeint sind zum Beispiel Haushaltsgeräte, die mit den Netzen kommunizieren und ihre Energie so anfordern, dass die Netze möglichst gleichmäßig ausgelastet sind. Ein Beispiel wäre eine Waschmaschine, die sich nachts automatisch einschaltet, weil zu dieser Zeit ausreichend Strom zu günstigeren Preisen vorhanden ist.

Vielerorts sei die technische Infrastruktur für all das noch nicht ausreichend. Kosten lassen sich laut Brachvogel nur schwer abschätzen, „aber das kann je nach Versorgungsgebiet in die Millionen gehen“.

Von Claas Michaelis

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