Industriepartnerschaft

Neubau für Aufbereitung von OP-Bestecken am Klinikum Kassel

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Müssen aufwendig und sicher aufbereitet werden: Moderne Operationsbestecke haben mitunter nur einen millimeterkleinen Durchmesser und verfügen zum Teil über elektronische Teile.

Kassel. Bei der Aufbereitung von Operationsbestecken geht das Klinikum Kassel neue Wege: Auf dem Gelände neben dem derzeitigen Hubschrauberlandeplatz entsteht bis voraussichtlich Mitte nächsten Jahres der Neubau für die zentrale Aufbereitung von Operationsbestecken.

Die Baugenehmigung ist erteilt, und gestern erfolgte der erste Spatenstich.

Die neue Zentralsterilisation wird mit rund 1800 Quadratmetern Nutzfläche etwa doppelt so groß wie die bisherige Abteilung, die derzeit noch im Keller eines Klinikum-Gebäudes angesiedelt ist. Auch die Kapazität soll verdoppelt werden. Zusätzlich werde eine moderne Niedrigtemperatur-Sterilisation installiert, die empfindliche Instrumente mithilfe von Formaldehyd unter 60 Grad Celsius keimfrei aufbereiten kann. Die derzeit 29 Beschäftigten sollen mit der Abteilung in den Neubau wechseln.

Hintergrund: Täglich über 100 Operationen am Klinikum Kassel

 Am Klinikum Kassel an der Mönchebergstraße wird täglich im Schnitt über 100-mal operiert. Rund 900 Siebe (Metallkörbe zur Aufbewahrung der Operationssets) mit bis zu 80 Instrumenten werden laut Klinikum-Geschäftsführer Dr. Gerhard M. Sontheimer täglich benötigt. Allein im ersten Quartal dieses Jahres seien 27.000 Artikel aufbereitet worden. Großkunden seien die Unfallchirurgie, die Herzchirurgie und die Hautklinik. Dafür stehen 50.000 Instrumente, einsortiert und aufbewahrt in rund 2000 Sieben, zur Verfügung.

Anfang 2011 war die Zentralsterilisation des Klinikums kurzzeitig stillgelegt worden, weil es Beanstandungen bei einigen Operationsbestecken gab. Damals war die Abteilung zur Reinigung, Sterilisation und Aufbereitung von Operationsbestecken umgebaut und zum Teil erneuert worden.

Die mittelfristige Planung für eine neue Zentralsterilisation habe es schon damals gegeben, erläutert eine Klinikum-Sprecherin. (hei)

Das Besondere: Hier wird nicht nur in eine hochmoderne Anlage investiert, das Klinikum ist für dieses Projekt abermals eine Industriepartnerschaft eingegangen. Dazu hat man einen erfahrenen Systempartner ins Boot geholt: Das Berliner Unternehmen Vamed, das unter anderem mit dem Universitätsklinikum Charité zusammenarbeitet, finanziert und errichtet den Neubau für rund 5,4 Millionen Euro über ein Leasingmodell und stattet die neue Zentralsterilisation auch technisch komplett neu aus. Anschließend wird das Gebäude an die gemeinsame Tochtergesellschaft von Klinikum und Vamed, die Casalis Facility Services GmbH, vermietet. Diese betreibt bereits seit Anfang des Jahres die bestehende Zentralsterilisation am Klinikum.

Mit diesem Modell sei das Klinikum Vorreiter auf dem bundesdeutschen Markt, sagte Vamed-Geschäftsführer Frank-Michael Frede gestern bei einer kleinen Feierstunde: „Die zuverlässige und pünktliche Lieferung von einwandfrei aufbereiteten medizinischen Instrumenten ist Grundvoraussetzung für jede Operation.“

Mehr zum Klinikum Kassel erfahren Sie im Regiowiki der HNA.

„Mit dieser neuen Industriepartnerschaft steht uns auch langfristig Expertenwissen in der Sterilgut-Aufbereitung zur Verfügung“, sagte Dr. Gerhard M. Sontheimer, Vorstandsvorsitzender der Gesundheit Nordhessen und Geschäftsführer des Klinikums Kassel. Dies sei wichtig, weil für komplexere und feinere Geräte beispielsweise für die Schlüssellochchirurgie eine anspruchsvollere Aufbereitung nötig sei. Und so werde man auch in Zukunft in der Lage sein, die Krankenhäuser der Gesundheit Nordhessen Holding sowie von Fremdkunden zu versorgen.

Gute Erfahrungen hat das Klinikum bereits mit der Industriepartnerschaft mit dem Medizingerätehersteller Dräger gemacht. Dafür gab es bundesweit Anerkennung und einen Innovationspreis.

Von Martina Heise-Thonicke

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