Stadt erläutert Kritikern ihre Pläne

Neubau am Kulturbahnhof: Kreative müssen weichen

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Der ehemalige Güterbahnhof .

Kassel. Auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs, wo das Fraunhofer-Institut einen Neubau plant, soll es keinen Platz für Künstler und Kulturschaffende geben.

Das haben Oberbürgermeister Bertram Hilgen (SPD) und Baudezernent Christof Nolda (Grüne) bei einem Treffen mit den Initiatoren einer Petition „gegen ein zweites Salzmann am Kulturbahnhof Kassel“ deutlich gemacht.

„Fraunhofer hat für uns absolute Priorität. Dem wollen wir uns nicht in den Weg stellen“, sagte Nolda gegenüber der HNA. Anfang 2014 soll mit dem Abriss begonnen werden. Die Unterzeichner der Petition, darunter die ehemalige documenta-Leiterin Carolyn Christov-Bakargiev und der Kunsthochschulrektor Christian Philipp Müller, hatten eine Koexistenz von Wirtschaft und Kultur auf dem Gelände an der Joseph-Beuys-Straße gefordert. Ein Dutzend Künstler, Designer und der Club Batterie hatten dort ihr Zuhause. Bis auf drei sind alle ausgezogen – wie das Atelier Schweißperlen, das seinen Standort nach Bettenhausen verlegt.

Christof Nolda

Über die Petition, die mehr als 1800 Menschen unterzeichnet haben, war man im Rathaus überrascht. „Denn wir sind ständig mit den Akteuren im Gespräch“, sagt Kulturamtsleiterin Dorothée Rhiemeier. Dagegen hatten Kulturschaffende wie Sebastian Fleiter von der Kreativschmiede Nachrichtenmeisterei die Informationspolitik der Stadt kritisiert.

Abhilfe schaffen soll ein Bürgerforum, das Nolda für den November ankündigte und bei dem er Fragen rund um den Neubau beantworten will. Ein Termin steht noch nicht fest. Was dort nicht mehr diskutiert werden muss, ist die Frage, ob Fraunhofer gut ist für die Stadt. Da sind sich beide Seiten einig. 500 Mitarbeiter sollen im Neubau des Iwes-Instituts Platz finden.

Gila Kolb

Auch die Bedeutung der Kreativwirtschaft für die Stadt ist unstrittig. Rhiemeier findet es „total erfreulich, dass die junge Kultur in Kassel so lebendig ist“.

Ein Ausweichort für die Kreativen könnte die direkt an die Gleise angrenzende Gebäudezeile sein, wo die Batterie-Betreiber demnächst ihren Club namens „Unten“ eröffnen wollen. Für Gila Kolb, eine der Initiatorinnen der Petition, ist das keine gute Alternative, weil die Gebäude der Bahn gehören und nur Drei-Monats-Verträge möglich sind. Auch deshalb soll die Petition weitergehen.

Von Matthias Lohr

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