Streng geschützte Tierart

Neubaugebiet in Kassel: Neue Heimat auch für die Zauneidechse

Steiniges Heim: In dem Geröllhaufen sollen sich Zauneidechsen wohlfühlen. In dem Sandhaufen daneben sollen sie ihre Eier ablegen.

Im nächsten Jahr sollen die ersten Häuser im Neubaugebiet „Zum Feldlager“ in Harleshausen entstehen. In dessen unmittelbarer Nachbarschaft hat Kasselwasser mit einigem Aufwand bereits große Stein- und Sandhaufen aufgetürmt, neben denen junge Bäume gepflanzt wurden.

Was für den unbedarften Passanten erst mal merkwürdig aussieht, ist ein Lebensraum, in dem sich vor allem Zauneidechsen wohlfühlen sollen. Aber warum?

Für die Erschließung des Neubaugebietes wurde eine bislang landwirtschaftlich genutzte Fläche umgewidmet. Weil aber auf dem Lehm- und Tonboden das Regenwasser kaum versickert, muss es in den Geilebach abgeleitet werden. Doch dessen Kapazitäten sind begrenzt und so musste Kasselwasser zunächst ein Rückhaltebecken bauen, in dem 1200 Kubikmeter Wasser Platz finden.

Sowohl für die Wohnsiedlung wie das Regenrückhaltebecken sind sogenannte Ausgleichsmaßnahmen nötig. Diese sollen den Eingriff in die Natur ausgleichen. Während die Stadt Kassel für die Versiegelung des Baugebietes den Geilebach renaturiert, hat Kasselwasser für den Bau des Beckens der Zauneidechse ein neues Zuhause geschaffen. Denn die naturschutzrechtlich streng geschützten Reptilien haben sich bislang gerne in dem Gebiet getummelt, wo nun das Becken entstanden ist.

Am Geilebach zu Hause: Die Zauneidechse. Foto: Jerzy Strzelecki/NH

Auf mehreren großen Steinhaufen, die in Blickweite der späteren Siedlung liegen, können sich nun die wechselwarmen Reptilien sonnen und aufhalten. Aber das ist nicht alles: Wenige Schritte weiter erreichen sie einen Sandberg, in dem die Tiere ihre Eier ablegen können. Neu gepflanzte Bäume vor ihrer Haustür sollen sie vor zu starker Sonneneinstrahlung schützen. Kasselwasser sorgt am Feldlager quasi für ein „All inclusive“-Angebot für die Zauneidechse.

Aber auch für Vögel und Insekten wurde etwas getan. So wurden Eichen, Ahorne, Eschen und Hainbuchen gepflanzt, in denen die Vögel nisten können. Zahlreiche Wildrosenarten bieten Nahrung für Bienen (Blüten) und Vögel (Hagebutten).

Bei der Auswahl der Pflanzen wurde darauf geachtet, dass sie im Frühling, Sommer und Herbst ein Nahrungsangebot für Bienen, Hummeln, Wespen, Schwebfliegen und Schmetterlinge bieten. Für die Vögel gibt es Gehölze, die auch noch im Herbst Beeren tragen.

In das 12 Hektar große Neubaugebiet (etwa 16 Fußballfelder) sollen 400 Menschen ziehen. 180 Wohneinheiten in Ein- und Mehrfamilienhäuser sind geplant.

Die Kanalerschließung des Baugebietes hat 2,3 Millionen Euro gekostet. Davon flossen 141.000 Euro in das Regenrückhaltebecken sowie die Habitate für die Tierarten.

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