Stromversorgung mit Solarzellen

Neue Abfallbehälter mit Presse in Kassel fassen siebenfache Menge Müll

Stadtreiniger Kassel haben fünf neuartige Abfallbehälter aufgestellt, die den Müll mit einer solarbetriebenen Presse verdichten. Stadtreiniger-Mitarbeiterin Heike Kiefer zeigt eines der Geräte am Scheidemannplatz.
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Tägliche Leerung oft nicht mehr nötig: Stadtreinigerin Heike Kiefer zeigt am Scheidemannplatz das Innenleben eines der neuen Abfallgefäße.

An fünf Stellen in Kassels Zentrum haben die Stadtreiniger neuartige Abfallgefäße mit solarbetriebenen Pressen aufgestellt. Sie melden per Funk, wenn sie geleert werden müssen.

Kassel – An fünf Stellen im Stadtgebiet wird es für Passanten interessanter, ihren Abfall korrekt loszuwerden: Die Stadtreiniger haben für viel frequentierte Bereiche besondere Müllbehälter angeschafft, die den Abfall mittels einer solarbetriebenen Presse verdichten. Damit soll mehr Raum in den Behältern geschaffen werden für die vielen Essensverpackungen und Getränkebecher, die in Lockdown-Zeiten normale Mülleimer schnell überquellen lassen. Und auch die Abfuhr soll effizienter werden, versprechen sich die städtischen Müllentsorger.

Am Scheidemannplatz vor der Volksbank, wo eines der kühlschrankgroßen Geräte steht, gewährt Stadtreiniger-Mitarbeiterin Heike Kiefer einen Blick ins technische Innenleben. Kaum einen Tag aufgestellt, hat sich in dem 110-Liter-Behälter schon allerlei angesammelt. „Fast alles Essensverpackungen“, bilanziert Kiefer nach prüfendem Blick: „Es gibt ja nur To-go momentan. Der kleine Papierkorb, der hier vorher hing, wäre längst übergequollen.“

Die normalen Straßenpapierkörbe im Stadtgebiet fassen je nach Modell 48 oder 100 Liter Müll. Das neue Gerät hat nicht nur einen größeren Behälter, es kann bis zur siebenfachen Menge von dessen Volumen aufnehmen. Ein Sensor an der Seitenwand registriert die Füllhöhe und löst dann in regelmäßigen Abständen die Presse aus, die den Inhalt mit bis zu 780 Kilogramm Druck verdichtet. „Das ist so leise, das hört man kaum“, berichtet Stadtreinigerin Kiefer, die mit ihren Kolleginnen und Kollegen jeden Tag im Zentrum unterwegs ist, um die Müllgefäße zu leeren.

Ein Solarmodul auf der Oberseite liefert die 12-Volt-Spannung für den Elektroantrieb. Laut dem Hersteller soll bereits eine Stunde normales Tageslicht genügen, um das Gerät einen Monat lang mit Strom zu versorgen.

Kühlschrankgroßer Kasten mit Klappe: Der Einwurf der neuen Müllgefäße lässt sich alternativ auch per Fußpedal öffnen.

Damit wird in Sachen Müllabfuhr-Mangement aber noch mehr möglich, wie Stadtreiniger-Sprecherin Birgit Knebel erläutert: Über eine Funkverbindung meldet das Gerät stets aktuell seinen Füllstand an die Zentrale der Stadtreiniger. Somit müssten die neuen Behälter jeweils nur bei Bedarf angefahren und geleert werden. „Dies führt zu geringeren Betriebskosten, weniger Fahrbewegungen, einer optimierten Tourenplanung und wirkt sich positiv auf die CO2-Bilanz aus“, sagt Knebel.

Einen offenen Einwurf haben die neuen Müllgefäße nicht, so dass auch nichts herumfliegen oder von Tieren herausgezerrt werden kann. Man wirft den Müll nach Öffnen einer Klappe ein, so wie von Altkleidercontainern bekannt. Dass man nicht ins Innere greifen und mit der Technik in Berührung kommen kann, hat hier Sicherheitsgründe.

Ein Vorteil in Pandemiezeiten ist, dass man zum Öffnen nicht zwingend den Handgriff benutzen muss, sondern die Einwurfklappe alternativ auch mit einem Fußpedal bedienen kann. Für Zigarettenkippen gibt es ein Einwurf-Löchlein an der Vorderseite. Sie werden in einem Auffangbehälter getrennt vom Press-Müll gesammelt.

Nachdem die anthrazitfarbenen Geräte Anfang der Woche aufgestellt wurden, wollen die Stadtreiniger laut Sprecherin Knebel demnächst noch Info-Material an den Geräteseiten anbringen.

Hier stehen die neuen Abfallbehälter

Neue solarbetriebene Pressen-Mülleimer vom Typ „Bigbelly Solar“ stehen an diesen Standorten im Stadtgebiet:

  • am Friedrichsplatz vor dem Fridericianum nahe dem Steinweg
  • an der Kurfürstenstraße in Höhe vom Scheidemannplatz vor der Volksbank
  • an der Drahtbrücke kurz hinter dem Zugang der Unterneustädter Seite
  • bei der Grimmwelt am Weinberg, sowie
  • bei der Alten Hauptpost an der Friedrich-Ebert-Straße

Die fünf Geräte, bei denen es nach Angaben der Stadtreiniger erst mal bleiben soll, kosten pro Stück etwa 6000 Euro. Sie seien mit Klimaschutz-Fördermitteln der Stadt Kassel angeschafft worden, sagt Stadtreiniger-Sprecherin Birgit Knebel: „Wir werden jetzt Erfahrungen damit sammeln und hoffen auch, dass sich das amortisieren wird.“

Es seien Standorte ausgewählt worden, „an denen viel Bewegung ist, wo wir viele To-Go-Verpackungen vorfinden und die von unseren Fahrzeugen gut anfahrbar sind“. Vor der Anschaffung haben sich die Stadtreiniger laut Knebel bei anderen Kommunen erkundigt, die die Pressen-Mülleimer bereits im Einsatz haben. Die Erfahrungen dort seien durchweg positiv gewesen. (Axel Schwarz)

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