Täter operieren vermutlich aus Türkei

Neue Betrugsmasche bei Facebook: So schützen Nutzer ihr Profil

Rainer Franke

Kassel. Vorsicht bei merkwürdigen Nachrichten von vermeintlichen Facebook-Freunden Kriminelle Banden manipulieren derzeit im großen Stil Facebook-Profile, um so ihren Opfern Geld abzuknöpfen.

Weil die Spur zu den Tätern in die Türkei führt und die Ermittlungen im anonymen Internet sich schwierig gestalten, ist es unwahrscheinlich, dass die Polizei den Tätern zügig das Handwerk legen kann. Daher setzen die Ermittler auf Aufklärung, damit möglichst wenige Facebook-Nutzer auf die Masche hereinfallen. Wir beantworten mit Hilfe von Kriminalhauptkommissar Rainer Franke von der Kasseler Kripo Fragen zum Thema.

Wie gehen die Täter genau vor? 

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Sie hacken zunächst das Facebook-Profil eines Nutzers. Dann schreiben sie im Namen dieses Nutzers dessen Freunde an und bitten sie um ihre Handynummer. Oder aber sie holen sich aus öffentlich einsehbaren Profilen die Nummer des Nutzers. Mit den Handynummern benutzen die Täter dann das SMS-Bezahlsystem „Zong“, das dem Online-Bezahlsystem PayPal des Internetkaufhauses Ebay angegliedert wurde. Darüber werden dann auf Rechnung des Opfers Einkäufe im Internet gemacht.

Was hat es mit den Bezahlcodes auf sich? 

Um über „Zong“ im Netz zu bezahlen zu können, bekommt man eine SMS mit einem Zahlencode auf das Handy. Auf diese Codes haben es die Betrüger, die sich hinter der Maske des echten Facebook-Freunds verstecken, abgesehen. Nur wenn sie diese und die Hanynummer haben, können sie die Käufe im Netz abschließen. Daher fordern sie das Opfer auf, den Bezahlcodes aus der Zong-SMS an sie weiterzugeben. Wenn der Betroffene darauf eingeht, wird seine Mobilfunkrechnung mit der jeweiligen Summe belastet. Oft fliegt der Betrug erst bei der nächsten Handyrechnung auf. Vorher schöpfen die Opfer laut Ermittler Franke meist keinen Verdacht. Falls sie nachfragen, wird ihnen vorgegaukelt, der vermeintliche Freund sei in einer Notsituation. Oder es wird versichert, der Betroffene bekommen das Geld bald zurück.

Was weiß man über die Täter? 

Rainer Franke

Sie kommen offenbar aus der Türkei. Das können die Ermittler an der IP-Adresse erkennen - das ist sozusagen die Telefonnummer des Computers. Die Bezahlcodes verkaufen sie vermutlich an Dritte weiter, sagt Kriminalhauptkommissar Rainer Franke. Die Bezahlcodes werden meisten in Portalen für Onlinespiele eingelöst.

Wie kann man sich schützen? 

Facebook-Nutzer sollten ihr Profil vor Fremden schützen und nicht komplett öffentlich machen - insbesondere, wenn dort die eigene Handynummer hinterlegt ist. Unter den Privatsphäre-Einstellungen kann man einstellen, wer das Profil sehen kann (zum Beispiel nur Freunde).

• Wer bei Facebook Nachrichten von vermeintlichen Freunden bekommt und aufgefordert wird, Zahlencodes oder andere persönliche Daten weiterzugeben, sollte argwöhnisch werden. Immer direkten Kontakt zu der Person aufnehmen, zum Beispiel über Telefon oder persönlich. Dann stellt sich heraus, dass sie die Nachrichten nicht verfasst hat.

• Auf die SMS mit dem Bezahlcode nicht reagieren.

• Den betroffenen Facebook-Freund, dessen Profil missbraucht wird, informieren.

• Opfer der Betrugsmasche sollten die Polizei einschalten.

Von Katja Rudolph

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