1. Startseite
  2. Kassel

Neue Chance für Eisfläche in Kassel

Erstellt:

Von: Andreas Hermann, Björn Friedrichs

Kommentare

So könnte das Parkhaus aus Blickrichtung Am Auestadion stadteinwärts aussehen: Links (in klein) ist die Eissporthalle angedeutet, der bräunliche Bereich daneben markiert die zweite Eisfläche. Vorne rechts: ein möglicher Fahrradverleih.
So könnte das Parkhaus aus Blickrichtung Am Auestadion stadteinwärts aussehen: Links (in klein) ist die Eissporthalle angedeutet, der bräunliche Bereich daneben markiert die zweite Eisfläche. Vorne rechts: ein möglicher Fahrradverleih. © Privat

Investor will Eissporthalle erweitern, kein Bau in Giesewiesen. Entwürfe für Parkhaus und zweite Eisfläche liegen vor.

Kassel – Eine Tür schließt sich, eine andere geht womöglich auf: Über den seit Jahren geplanten und bereits beschlossenen Bau einer zweiten Eisfläche herrscht in Kassel erneut Ungewissheit. Offenbar eröffnen sich aktuell aber ganz neue Perspektiven für das Vorhaben.

Mit großer Mehrheit hat die Stadtverordnetenversammlung am Montagabend die Pläne zum Bau der Eisfläche in den Giesewiesen (Am Sportpark) abgelehnt. Dieser Standort ist damit vom Tisch. Die Ablehnung hatte die neue politische Mehrheit aus Grünen, CDU und FDP in Kassel bereits in ihrem Koalitionsvertrag angekündigt (Bericht rechts). Die angehenden Jamaika-Koalitionäre setzen dafür wieder eine Multifunktionshalle für Kassel auf die Tagesordnung. Zu dieser könne die bisherige Eissporthalle – erweitert durch ein Parkhaus inklusive zweiter Eisfläche – auf dem benachbarten Parkplatz ausgebaut werden, meinten Norbert Wett (CDU) und FDP-Fraktionschef Matthias Nölke. Einen privaten Investor gebe es bereits.

Damit ist Paul Sinizin gemeint. Der Vellmarer Geschäftsführer der Bikeleasing-Service GmbH hatte mit seinen Investitionen bereits den Umbau und die Modernisierung der Eissporthalle angestoßen, die seit 2021 läuft. Seit einigen Monaten arbeitet er nun an Entwürfen eines Parkhauses sowie einer zweiten Eis- und Trainingsfläche für die Eishockey-Jugend Kassel sowie den ambitionierten Eishockey-Zweitligisten Kassel Huskies.

Wie Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD) betonte, sei mit der Ablehnung der Bebauungsplanung in den Giesewiesen nicht gleich das gesamte Projekt zweite Eisfläche abgehakt. Vielmehr hätten die Stadtverordneten bereits im Jahr 2020 den Bau der zweiten Eisfläche beschlossen. Und dieser Beschluss gelte fort, stellte Geselle in der Sitzung klar.

Sinn einer zweiten Eisfläche ist laut Sinizin, dass man die modernisierte Eissporthalle dann besser als Mehrzweckhalle für Kulturveranstaltungen nutzen könne, ohne den Trainingsbetrieb von Jugend und Profis einschränken zu müssen. Seine Entwürfe habe er der Politik bereits vorgelegt, erste Gespräche hätten stattgefunden.

Die Pläne zur Bebauung des Grundstücks neben der Eissporthalle durch einen privaten Investor werden nach Angaben von Oberbürgermeister Geselle nicht einfach umzusetzen sein. Auf dem bisherigen Parkplatz Baurecht zu schaffen, sei „kein Selbstläufer“, meinte der OB.

„Die Kinder und die Kassel Huskies brauchen eine zweite Trainingsfläche, wenn Kulturveranstaltungen in der Eissporthalle stattfinden sollen.“ Das sagt Paul Sinizin. Der Vellmarer ist Geschäftsführer der Bikeleasing-Service GmbH, darüber hinaus Geschäftsführer bei den Huskies, dem Eishockey-Zweitligisten. Im Gespräch mit der HNA stellt er die Entwürfe für eine zweite Eisfläche und ein Parkhaus auf dem bisherigen Parkplatz an der Eissporthalle vor.

Mit seinen Investitionen ist Sinizin maßgeblich daran beteiligt, dass seit vergangenem Jahr aus der baufälligen Eissporthalle, die in diesem Jahr 45-jähriges Bestehen feiert, eine hochmoderne Multifunktionshalle wird. Im letzten halben Jahr haben Sinizin und sein Team sowie die Kasseler Emmeluth Baugesellschaft nun Entwürfe ausgearbeitet, wie eine zweite Eisfläche samt Parkhaus neben der Eissporthalle aussehen soll. „Die Investitionen in die Halle im zweistelligen Millionenbereich lohnen sich nur, wenn sie auch ausgelastet wird. Allein mit Eishockey geht das nicht“, sagt Sinizin. Mit den Entwürfen sei nun erst einmal groß geplant worden, so könne das Projekt nach Fertigstellung aber durchaus aussehen.

Vorgesehen ist, dass der Parkplatz an der Eissporthalle, der teils in städtischer Hand ist und teils zur Halle gehört, für den Neubau genutzt wird. Dort soll das Parkhaus entstehen, in das auch die zweite Eisfläche in direkter Nähe zur Halle eingebunden ist. „Die Parkplätze sind bei Spielen der Huskies jetzt schon immer knapp, obwohl die Halle nicht ausverkauft ist. Wenn man mehr Parkplätze schaffen möchte, geht das nur nach oben“, erklärt Sinizin. Ähnliche Pläne für Multifunktionshalle und Parkhaus hatte es bereits 2007 gegeben, diese kamen damals jedoch nicht zur Umsetzung.

Das jetzt geplante Parkhaus solle über die Damaschkestraße zu erreichen sein, zudem ist eine direkte Verbindung für Besucher zur Eissporthalle geplant. Auf dem Dach sollen großflächig Photovoltaikanlagen installiert und auf sowie um das Gebäude herum viel Grünfläche angelegt werden. Denkbar ist zudem ein Fahrradverleih, der beispielsweise Touristen schnellen Zugang zur Aue verschaffen würde. Auch da habe Sinizin schon positive Gespräche mit mehreren Fahrradhändlern geführt.

Um den Standort einer zweiten Eisfläche, für die es auch in der Politik parteiübergreifend Zustimmung gibt, hatte es in der Vergangenheit immer wieder Streit gegeben. Die Eishockey-Jugend Kassel sowie die Huskies hatten sich stets für einen Standort in direkter Nachbarschaft zur Eissporthalle ausgesprochen. „Das ist ein besonderer und auch der beste Standort“, sagte Sinizin gestern und betont, dass nicht der Bau einer zweiten Eishalle im Raum steht.

Der Vellmarer hofft nun, dass Baurecht geschaffen werden kann: „Wir haben geplant, was zu planen ist. Ich hoffe nun auch auf ein wenig Wohlwollen der Politik.“

Da es sich nicht um einen städtischen Bau handele, müsse er nicht durch so viele Sitzungen. Das würde das Projekt beschleunigen. Dass es jedoch in Windeseile umzusetzen sei, glaubt Sinizin nicht: „Das ist kein sauberes Baugrundstück, auf das man einfach eine Platte legt und losbaut.“

Was gestern noch nicht zur Sprache kam: Mit Handball-Bundesligist MT Melsungen gibt es in Kassel noch einen weiteren Profiklub, der in Zukunft Nutzer einer Multifunktionshalle werden könnte. In diesem Jahr hat die MT ihren Vertrag mit der Messe Kassel für die Rothenbach-Halle erst einmal bis 2027 verlängert. (Björn Friedrichs, Andreas Hermann)

Links ist die Eissporthalle, die einen Durchgang zum Parkhaus haben soll. Der braune Bereich links am Parkhaus stellt die zweite Eisfläche dar. Grafiken: Emmeluth Baugesellschaft/nh
Links ist die Eissporthalle, die einen Durchgang zum Parkhaus haben soll. Der braune Bereich links am Parkhaus stellt die zweite Eisfläche dar. Grafiken: Emmeluth Baugesellschaft/nh © Privat
So sieht der Entwurf des Parkhauses von oben mit vielen Photovoltaikanlagen und Grünflächen aus.
So sieht der Entwurf des Parkhauses von oben mit vielen Photovoltaikanlagen und Grünflächen aus. © Privat

Auch interessant

Kommentare