Ehemalige Druckerei an der Kohlenstraße verwahrlost - Künftige Nutzung noch unklar

Neue Chance für Schanze

Verfall: Die Türen und Fenster zu der brachliegenden Immobilie stehen offen. Das herumliegende Papier ist bereits angesteckt worden. Das Feuer hat seine Spuren hinterlassen. Fotos:  Koch

Wehlheiden. „Hurra Deutschland, hier wird alles kaputt gekloppt“, sagt Bernhard Lilienfeld, als er auf dem Bürgersteig an der Virchowstraße in Wehlheiden stehen bleibt. Der Spaziergänger ist erschüttert, wie die ehemalige Druckerei Schanze mittlerweile aussieht. Die Scheiben im Erdgeschoss sind alle eingeschlagen.

Angst vor Rattenburg

Auch Wehlheidens Ortsvorsteher Norbert Sprafke macht sich Gedanken über das Areal. Im Jahr 2005 musste die Druckerei Insolvenz anmelden. „Wir müssen aufpassen, dass dieses Gelände nicht zu einer Rattenburg verkommt“, sagt Sprafke. Zudem sei es gefährlich, wenn Kinder in dem brachliegenden Industriegebäude spielten.

Die Türen im Hinterhof der Druckerei stehen offen. Im Gebäude liegen überall Scherben. In einem Raum ist offensichtlich schon mal ein Feuer gelegt worden. Angekokeltes Papier türmt sich.

Die Stadt habe bereits den Eigentümer des Areals angeschrieben und auf seine Pflicht hingewiesen, das Gelände zu sichern, sagt Heinz Spangenberg, Leiter des Amtes für Stadtplanung und Bauaufsicht. Darüber hinaus liege eine positiv entschiedene Bauvoranfrage für das Gelände vor. Es gebe einen Interessenten, der die Druckerei zu einem Verwaltungsgebäude umbauen wolle, sagt Spangenberg. Solch einer Nutzung würde die Stadt zustimmen. Mit einem Verwaltungsgebäude wäre auch Ortsvorsteher Sprafke zufrieden. Es habe allerdings Gerüchte im Stadtteil gegeben, dass hier eine weitere Tankstelle gebaut werden soll.

Es existiere in der Tat ein Investor, der auf dem Areal gern eine Tankstelle mit Waschstraße und Automobilservice errichten würde, sagt Makler Hans Kössinger (HK Immobilienmanagement). Eine entsprechende Bauvoranfrage sei in dem Gewerbegebiet auch genehmigt worden. Allerdings werden sich diese Pläne in der Praxis kaum umsetzen lassen. Denn laut Amtsleiter Spangenberg könne die Erschließung einer Tankstelle auf dem Gelände nicht gewährleistet werden.

Ein „wirtschaftlich vernünftiges Konzept“, sagt Kössinger, an diesem Ort einen Lebensmittelmarkt mit Büroflächen zu errichten, sei laut Bebauungsplan „leider nicht machbar“.

Doch der Makler zaubert eine weitere Idee aus dem Hut. Es gebe einen russischen Staatsbürger, der in Kassel lebt, und der das Schanze-Gelände gern zu einer Brüder-Grimm-Service-Station umbauen wolle. Darunter habe man sich einen ersten Anlaufpunkt für Touristen vorzustellen, die am IC-Bahnhof in Kassel ankommen. Ein Hotel, Restaurants, Ateliers und Ausstellungsräume gehörten zu diesem Konzept. In dieser Woche werde es ein Gespräch darüber mit dem Regionalmanagement geben, sagt der Makler. Laut Kössinger gibt es wahrscheinlich die Möglichkeit, die alte Druckerei abzureißen und neu zu bauen. „Das Gebäude ist eine Leiche.“

Von Ulrike Pflüger-Scherb

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.