Neue Dienstwaffen für die Polizei: "P 30" ersetzt "Sig Sauer P6"

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Alte Pistole wird ausgemustert: Kriminaloberrat Wolfgang Jungnitsch, Sprecher der Polizei, zeigt seine in die Jahre gekommene „Sig Sauer P 6“.

Kassel. Nach über 30 Jahren sollen mehr als 16 000 hessische Polizisten neue Dienstwaffen bekommen. In Frankfurt wurden einige Beamte bereits mit den neuen Pistolen aus dem Haus Heckler & Koch ausgerüstet, die Nordhessen sind im nächsten Jahr dran.

Alle Polizeivollzugsbeamten und Wachpolizisten des Polizeipräsidiums Nordhessen werden im ersten Halbjahr 2011 mit neuen Dienstpistolen der Marke Heckler & Koch, Modell P 30 V2, ausgestattet, sagt Polizeisprecher Wolfgang Jungnitsch.

„Wir bekommen rund 1600 neue Pistolen dieses Modells und werden im Gegenzug die gleiche Menge alter Dienstwaffen aussondern.“ Die bisherige Dienstwaffe „Sig Sauer P6“ wurde im Jahr 1979 bei der Polizei eingeführt und werde heute nicht mehr produziert.

Entsprechend schwierig gestalte sich auch die Ersatzteilbeschaffung, sagt Jungnitsch. „Nach rund 30 Jahren gelangen diese Waffen auch langsam in den Bereich ihrer Maximalbelastung. Außerdem wurde der Reparaturbedarf mit der Zeit immer höher.“ Die Waffen würden nach sehr scharfen Kriterien regelmäßig kontrolliert. Würden auch nur kleinste Mängel erkannt, werde die Waffe sofort eingezogen.

Die neue Pistole verfüge als wesentliche Verbesserung über zwei Magazine mit jeweils 15 Schuss und eine moderne Visiereinrichtung mit nachleuchtenden Kontrastpunkten. Das alte Modell hatte ebenfalls zwei Magazine, allerdings mit jeweils nur acht Schuss, erklärt Jungnitsch.

Die neuen Dienstpistolen sollen noch in diesem Jahr nach Nordhessen geliefert werden, sodass sie Anfang 2011 genutzt werden können. Natürlich müssten die Polizisten zunächst im Umgang mit den neuen Waffen geschult werden. „Daher wird sich die komplette Einführung über vier bis fünf Monate hinziehen“, sagt Jungnitsch. Wenn ein Beamter die neue Dienstwaffe bekommen habe, werde er zunächst theoretisch und dann auch praktisch in den Umgang mit der Waffe eingewiesen.

Anschließend stehe ein Übungsschießen mit sogenannten Kontrollübungen auf dem Programm. Erst wenn dies alles erfolgreich abgeschlossen sei, erhalte er die Munition für seine neue Dienstwaffe und dürfe sie im Dienst führen. „Da wird nichts dem Zufall überlassen“, sagt Jungnitsch. Und was passiert mit den alten Waffen? Die sollen alle numerisch erfasst und in Transportkisten verpackt werden. Diese würden versiegelt und zu einer Firma nach Mannheim gebracht, wo diese vernichtet werden. Auch diese Prozedur in der Firma sei genau festgelegt. „Die Waffen werden in einer videoüberwachten Anlage genau gezählt, nochmals erfasst und anschließend geschreddert“, sagt Jungnitsch.

Aus dem Altmetall der Pistolen könnten beispielsweise Gullydeckel gegossen werden. (use)

Hintergrund:

Die HK P30 ist eine speziell für die Polizei konzipierte Selbstladepistole vom deutschen Waffenhersteller Heckler & Koch. Die P 30, die eine Länge von gut 18 Zentimetern, eine Breite von knapp 3,5 Zentimetern und eine Höhe von gut 14 Zentimetern hat, wiegt ungeladen 740 Gramm.

Die Neuausrüstung kostet das Land Hessen rund acht Millionen Euro, sagt Robert Schmitt, Sprecher des Innenministeriums. Finanziert werden die Waffen aus Steuermitteln. (use)

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