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Neue Dokumente der Zerstörung aus Kassel im Zweiten Weltkrieg

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Von: Thomas Siemon

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Erneut sind private Fotos aus Kassel nach der Bombennacht von 1943 aufgetaucht. Sie zeigen unter anderem die Ruinenlandschaft an der Kölnischen Straße und rund um den Königsplatz.

Kassel – Sie hätte noch einige Fragen an ihren Opa, der damals die Zerstörung Kassels mit seinen Aufnahmen dokumentiert hat. Doch das geht schon lange nicht mehr. Als Albert Götte 1959 starb, war seine Enkelin Eva-Maria Bonn (geborene Götte) gerade mal acht Jahre alt.

„Zum Glück sind die meisten Fotos hinten beschriftet, so kann man sie zuordnen“, sagt die Enkelin, die lange als Zahnärztin in Grebenstein gearbeitet hat. Hier hatte die ausgebombte Familie im Zweiten Weltkrieg ein Dach über dem Kopf gefunden.

Die Göttes lebten bis zur Bombennacht vom 22. Oktober 1943 in einem stattlichen Haus an der Klosterstraße 8 mitten in der Kasseler Altstadt. Das Haus gibt es nicht mehr, auch die Straße in der Nähe des Pferdemarktes ging beim Wiederaufbau verloren.

Nach der Berichterstattung rund um den Jahrestag der Bombennacht hat sich Eva-Maria Bonn bei der HNA gemeldet. Die Fotos aus dem Familienalbum seien bislang noch nicht veröffentlicht worden und vielleicht ja auch für andere interessant. So kam der Kontakt zustande.

Das einzige Foto auf dieser Seite mit einem intakten Gebäude zeigt das Haus, in dem Urgroßvater Heinrich Götte seine Metzgerei betrieb. Wenn man mal genau hinsieht, erkennt man in den Fenstern Menschen. Ob das Bewohner, Familienmitglieder oder Mitarbeiter waren, ist nicht bekannt. Das Haus wurde jedenfalls in der Bombennacht komplett zerstört.

Die Ruinen seiner Heimatstadt hat Albert Götte fotografiert. Unter anderem an der Kölnischen Straße, wo man noch die Straßenbahnschienen vor der Trümmerlandschaft sieht. An einem regnerischen Tag sind hier mehrere Zivilisten sowie ein Soldat unterwegs. Eine düstere Stimmung vermittelt auch eine Aufnahme, die mit dem Stichwort „Königsplatz“ beschriftet ist. Hier fährt bereits wieder die Straßenbahn. Im Hintergrund dürfte der beschädigte Druselturm zu sehen sein.

Wahrscheinlich stammen die Aufnahmen aus einer Serie, die an einem Tag entstanden ist. Denn auch ein weiteres Motiv zeigt die Kasseler Ruinenlandschaft an einem düsteren Regentag. Hier ergibt sich aus der Beschriftung, dass das Foto in der Nähe des Hauptbahnhofs gemacht wurde.

Den Wiederaufbau hat Albert Götte noch weitgehend erlebt. Seine Fotos von der Zerstörung sind Zeitdokumente. Ebenso wie andere Aufnahmen machen sie deutlich, wie gewaltig die Schäden waren. Sie prägen Kassel bis heute, denn statt schmaler Verbindungen wie der Klosterstraße gibt es jenseits der Martinskirche breite und autogerechte Trassen wie die Kurt-Schumacher-Straße und die Weserstraße. (Thomas Siemon)

Das Haus der Familie Götte an der Klosterstraße: Im Erdgeschoss war die Metzgerei.
Das Haus der Familie Götte an der Klosterstraße: Im Erdgeschoss war die Metzgerei. © Privat
Alltag zwischen Trümmern: Das genaue Aufnahmedatum ist nicht bekannt. Auf jeden Fall hat Albert Götte das
Alltag zwischen Trümmern: Das genaue Aufnahmedatum ist nicht bekannt. Auf jeden Fall hat Albert Götte das © nach der Bombennacht vom 22. Oktober 1943 gemacht. Beschriftet ist es mit „Kölnische Straße“. Repros: HNA-Grafik
Am Königsplatz: Die Straßenbahn fährt wieder zwischen den Ruinen.
Am Königsplatz: Die Straßenbahn fährt wieder zwischen den Ruinen. © Privat
Wege durch den Schutt: Auch dieses
Wege durch den Schutt: Auch dieses © ist mit „Kölnische Straße“ beschriftet.

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