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Neue Fläche für Fackelteich-Kleingärtner ist übersät von Kampfmitteln

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Von: Anna Lischper

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Sperrung für den Kampfmittelräumdienst: Experten hatten bei Untersuchungen des künftigen Kleingartenareals vor einigen Wochen erneut metallische Gegenstände gefunden – vermutlich Kampfmittel aus dem Zweiten Weltkrieg. Archi
Sperrung für den Kampfmittelräumdienst: Experten hatten bei Untersuchungen des künftigen Kleingartenareals vor einigen Wochen erneut metallische Gegenstände gefunden – vermutlich Kampfmittel aus dem Zweiten Weltkrieg. Archi © Alia Shuhaiber

Von belastetem Boden will Michael Zaun nichts mehr hören. Dennoch ist der Vorsitzende des Kleingartenvereins Fackelteich in der Unterneustadt erneut mit einer Belastungssituation konfrontiert.

Kassel – Auf dem Areal in Wolfsanger, wo die Kleingartenanlage hinziehen soll, wurden bei Bodenuntersuchungen Kampfmittel gefunden. Das teilte jetzt das Liegenschaftsamt der Stadt Kassel mit. Die Konsequenz für die Kleingärtner ist, dass sie nun noch länger warten müssen, bis sie ihre neuen Parzellen beziehen können.

Wie mehrfach berichtet, ist der Boden ihrer aktuellen Anlage mit Blei und Kohlenwasserstoffen verunreinigt. Empfohlen wird daher die Bepflanzung in Hochbeeten und eine Vermeidung des Mensch-Boden-Kontakts.

Wer derzeit durch die Wege der Gartenanlage streift, sieht von der Bodenbelastung nichts: viele Gärten sind sehr gepflegt, Beete blühen, Gemüse wächst. „Etwa die Hälfte der Pächter nutzen ihre Gärten trotz der Bodensituation ganz normal, nur ganz wenige kommen gar nicht mehr“, sagt Zaun, der seit 2010 Vereinsvorsitzender ist.

Weil die Anlage wegen des Bodens keine Zukunft hat, bekommen die Pächter eine Abfindung. „Allerdings erst dann, wenn die neue Anlage zur Nutzung bereitsteht.“ Und das kann nun noch länger dauern. Einige Pächter der Kleingartenanlage würden langsam ungeduldig, berichtet er. „Doch da kann ich dann nur dazu raten, die Parzelle zu verkaufen.“ Wer seinen Garten jetzt an einen neuen Pächter verkaufe, vererbe damit auch die Entschädigung.

Im Vorfeld der Planung für die neue Kleingartenanlage im Bereich Grenzweg/Höheweg in Wolfsanger wurden bereits im vergangenen Jahr Verdachtspunkte auf Bombenblindgänger untersucht. Eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg wurde unschädlich gemacht, teilt ein Sprecher der Stadt mit.

Vor Kurzem habe es dann noch einmal eine „flächendeckende Sondierung auf Kampfmittel“ gegeben. „Dabei wurden unerwartet viele Unregelmäßigkeiten metallischer Art im Boden festgestellt.“ Der Verdacht liege nahe, dass es sich dabei um eine Vielzahl kleinerer Kampfmittel handle. „Der Kampfmittelräumdienst des Landes Hessen hat mitgeteilt, dass die Situation vor Ort nicht dem Normalfall entspricht und empfiehlt die Absuche der gesamten Fläche mittels konventioneller Beräumung.“ Der Boden muss also komplett überprüft werden, was Monate in Anspruch nehmen kann. Mit einer genauen Zeitangabe hält sich die Stadt zurück, weil der Auftrag zunächst vergeben werden müsse. Michael Zaun hofft auf den Einsatz von mehreren Spezialtruppen, damit die Sache umso schneller vonstattengehe.

Bis der Umzug in die neue Anlage möglich ist, soll die alte Anlage nun noch genutzt werden dürfen. Das für die Genehmigung zuständige Regierungspräsidium Kassel bestätigt, dass ein Antrag auf Verlängerung der Nutzungsdauer vorliegt und aktuell bearbeitet wird. „Laut aktuellem Sachstand ist eine positive Entscheidung wahrscheinlich“, so ein Sprecher. Die Verlängerung der Nutzungsdauer orientiere sich daran, wie schnell die neue Fläche in Wolfsanger bereitgestellt werden könne.

Interessenten für die neue Anlage gebe es schon jetzt, sagt Zaun. „Es gab einen Wandel. Das zunehmende Interesse junger Leute an einer Parzelle hat die Pandemie noch einmal verstärkt.“ Um die Anlage zu planen, habe er zwei Architekten beauftragt. 150 je 300 Quadratmeter große Gärten sollen entstehen.

Die aktuelle Situation nimmt er gelassen. „Zurücklehnen und eingeschnappt sein bringt ja nichts.“ Auch deshalb soll am Wochenende 23./24. Juli am Rande der Unterneustadt ein großes Sommerfest gefeiert werden. „Wahrscheinlich ist es das letzte auf unserer Anlage, wie es sie jetzt noch gibt.“

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