Neue Forschungsambulanz: Zur Therapie an die Uni

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Cord Benecke

Kassel. An der Uni Kassel wird jetzt auch therapiert: In einer neu eingerichteten Psychotherapeutischen Hochschulambulanz an der Moritzstraße werden bereits die ersten Menschen mit seelischen Problemen oder Verhaltensstörungen behandelt.

Aus Patientensicht ist es eine ganz normale Therapie, die auch regulär mit den Kassen abgerechnet wird. Der Unterschied: Die Therapiegespräche werden zu Forschungszwecken aufgezeichnet. Denn aus den unter realistischen Bedingungen gewonnenen Daten wollen die Wissenschaftler des Instituts für Psychologie Erkenntnisse über die Wirkungsweisen von Therapien erhalten.

„Heilen und Forschen“ - so könnte man das Konzept auf eine kurze Formel bringen, sagt Cord Benecke, Leiter der Ambulanz und Professor für Klinische Pyschologie und Psychotherapie an der Uni Kassel. „Dass Therapien wirken, ist erwiesen – man weiß aber nicht im Detail, wie sie eigentlich wirken.“

In einem ersten großen Forschungsprojekt sollen zwei unterschiedliche Therapiemethoden für Menschen mit Panikattacken in Verbindung mit Persönlichkeitsproblemen verglichen werden. Dafür werden in den Hochschulambulanzen Kassel, Heidelberg, München und Berlin 260 Patienten mit dieser Diagnose behandelt - ein Teil mit einer Verhaltenstherapie, ein Teil mit Psychoanalyse. „Beides sind etablierte Therapieverfahren, deren Erfolge belegt sind“, betont Benecke. Sie seien vom Ansatz, der Dauer und entsprechend den Kosten aber unterschiedlich. Während eine Analytische Psychotherapie sich auf oftmals aus der Kindheit rührende, teils unbewusste Konflikte konzentriert, die den Angst- und Persönlichkeitsproblemen zugrunde liegen könnten, zielt die Verhaltenstherapie stärker darauf, konkrete Verhaltensweisen und die dahinterliegenden Denkmuster zu ändern. Eine Analyse umfasse in der Regel mehr Stunden und dauere länger als Verhaltenstherapie.

Aber wie unterschiedlich ist das Vorgehen in den Therapiestunden tatsächlich? Benecke vermutet, dass sich die beiden Behandlungsformen verändert haben und in der Realität nicht so stark unterscheiden, wie vielfach angenommen.

Besonders interessiert ist der Psychologieprofessor, der selbst Psychoanalytiker ist, an den Langzeitwirkungen der Therapien. Deshalb werden die Studienteilnehmer insgesamt sechs Jahre lang einmal im Jahr zu ihrem Befinden befragt.

„Über die langfristigen Effekte von Therapien wissen wir bisher viel zu wenig“, sagt Benecke. In Studien seien – um schnell Forschungsergebnisse vorlegen zu können – bisher überwiegend Kurzzeittherapien untersucht. In Wirklichkeit seien aber längere Behandlungen üblich.

Das auf zehn Jahre angelegte Forschungsprojekt, dessen Gesamtleitung die Uni Kassel hat, wird mit 770.000 Euro von der Psychotherapie-Gesellschaft DGPT gefördert.

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