Auf Liste des BKA und Verfassungsschutzes taucht Name eines nordhessischen Neonazis und V-Manns auf

Neue Fragen im Mordfall Yozgat

Tatort an der Holländischen Straße: Halit Yozgat wurde am 6. April 2006 in seinem Internetcafé getötet. Dort soll sich auch der Verfassungsschützer Andreas T. aufgehalten haben. Archivfoto: Fischer

Kassel. Welche Rolle spielte der frühere Verfassungsschützer Andreas T. beim Mord an Halit Yozgat? Mit dieser Frage hat sich bereits der Untersuchungsausschuss des Deutschen Bundestages zum „Nationalsozialistischen Untergrund“ (NSU) beschäftigt. Als Halit Yozgat am 6. April 2006 in seinem Internetcafé an der Holländischen Straße erschossen wurde - mutmaßlich von den NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos - war Andreas T. dort. Rein zufällig, wie der Verfassungsschützer bis heute immer wieder beteuert hat. Er habe im Internet Frauenbekannschaften knüpfen wollen. Von dem Mord habe er nichts mitbekommen.

Verbindung zu Andreas T.

Allerdings gibt es jetzt eine neue Verbindung zwischen den NSU-Morden und Andreas T. Berichten der Berliner Zeitung (BZ) und der Frankfurter Rundschau (FR) zufolge taucht der Name des nordhessischen Neonazis Benjamin G. auf einer neuen Liste des Bundeskriminalamts und des Bundesamts für Verfassungsschutz auf. Seit dem Tod von Mundlos und Böhnhardt am 4. November 2011 wurden bereits dreimal sogenannte Listen relevanter Personen zusammengestellt, die in Kontakt zu den mutmaßlichen Terroristen des NSU und deren Unterstützern gestanden haben könnten.

Benjamin G., der neben 128 weiteren Personen auf dieser neuen Liste steht, soll als V-Mann (Informant des Verfassungsschutzes) gearbeitet und von Verfassungsschützer Andreas T. geführt worden sein. Den Berichten zufolge soll Andreas T. mit seinem Informanten Benjamin G. am Tag der Ermordung von Halit Yozgat zweimal telefoniert haben. Benjamin G. hatte offenbar über seinen Stiefbruder, der in der Kasseler Szene ein bekannter Rechtsextremist gewesen sein soll, Zugang zu Neonazigruppen. Ob die Verbindung zwischen Neonazi Benjamin G. und Verfassungsschützer Andres T. zu neuen Ermittlungen im Mordfall Yozgat führt, dazu will man sich bei der Generalbundesanwaltschaft, Herrin des Ermittlungsverfahren, nicht äußern.

Bereits seit Übernahme der Ermittlungen im „NSU-Verfahrenskomplex“ am 11. November 2011 hätten die Bundesanwaltschaft und das BKA intensiv das Umfeld der mutmaßlichen NSU-Mitglieder und deren Verbindungen in rechtsextremistische Kreise durchleuchtet, um das mögliche Unterstützerumfeld der terroristischen Vereinigung zu ermitteln, sagt Staatsanwältin Frauke Köhler, stellvertretende Pressesprecherin der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe.

Kontaktpersonen

Im Zuge der Ermittlungen seien mittlerweile weit über 100 mögliche Kontaktpersonen des NSU überprüft worden. Vier werden jetzt vor dem Oberlandesgericht München angeklagt. Bei neun weiteren Personen gebe es Anhaltspunkte dafür, dass sie den NSU bei dessen terroristischen Straftaten unterstützt haben könnten, sagt Köhler. Darüber hinaus könne man derzeit keine weiteren Auskünfte geben.

Von Ulrike Pflüger-Scherb

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