Studie zu Gemeinschaftsgärten

Interview: Kasseler Wissenschaftlerin zur Gartenlust der Städter

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Neues Grün zum Stadtjubiläum: Zur 1100-Jahr-Feier der Stadt hatte die Kasseler Initiative „Essbare Stadt“ Bäume gepflanzt.

Kassel. Am heutigen Donnerstag, 29. Januar, findet an der Uni Kassel eine Veranstaltung zum Trend der Gemeinschaftsgärten in Großstädten statt.

Auch in Kassel gibt es mit Projekten wie der „Essbaren Stadt“ solche von der Bevölkerung angelegten und bewirtschaftenen Gärten. Wir sprachen mit der Kasseler Wissenschaftlerin Ella von der Haide über die neue Lust der Städter an Gartenarbeit.

Gemeinschaftsgärten sind als „Urban Gardening“ zum Trend in Großstädten geworden. Was sind die Ursachen? 

Ella von der Haide: Dafür sind verschiedene Gründe verantwortlich. Zum einen hat es mit dem größeren ökologischen Bewusstsein der Menschen zu tun. Vor allem in den Millionenstädten gibt es zudem ein Bedürfnis an wohnortnahen Grün- und Freizeitanlagen. Gemeinschaftsgärten geben den Bürgern die Möglichkeit, sich an der Stadtentwicklung zu beteiligen. Bei aller Politikverdrossenheit haben sie so das Gefühl, direkt etwas verändern zu können – ohne bürokratische Hürden. Wenn man an einer selbst eingesäten Wiese vorbeiläuft, bekommt man ein ganz anderes Verhältnis zu seiner Stadt.

Welche Vorteile haben solche Gärten für die Städte? 

Von der Haide: Es ist eine Win-Win-Situation. Insbesondere bei interkulturellen Gartenprojekten gibt es die Chance auf Inklusion. In Zeiten, in denen sich die gesellschaftlichen Gruppen eher voneinander entfernen, bieten Gärten eine Gelegenheit, sich zu treffen. Denn Gärtnern können alle, egal welche Sprache sie sprechen, wie alt sie sind. Wegen der zunehmend dichter werdenden Bebauung in den Großstädten, ist es wichtig, dass die Qualität der Grünflächen steigt. Gemeinschaftsgärten sprechen viele Nutzergruppen an: Nicht nur Hobbyfußballer und Eltern mit Kinderwagen, sondern auch Kita-Kinder, die dort selbst gärtnern können oder Jugendliche, die Grillen wollen.

Sie haben ein Jahr lang an ihrer Studie gearbeitet. Was hat Sie besonders verblüfft? 

Von der Haide: Die Vielfalt der Projekte, die seit Ende der 90er-Jahre entstanden sind. Ich habe international unterschiedlichste Gärten untersucht. Wobei die Entwicklung vor allem in den USA und Großbritannien wesentlich rasanter verläuft als in Deutschland. Und auch in Paris gibt es schon über 70 Gemeinschaftsgärten, dank eines städtischen Programms.

Spielen auch die Kasseler Gemeinschaftsgärten in Ihrer Studie eine Rolle? 

Von der Haide: Sie werden erwähnt. Das Konzept der „Essbaren Stadt“ ist in Kassel erfunden worden. Inzwischen gibt es das Projekt in zehn Städten.

Was müsste sich ändern, damit sich die Gartenprojekte auch hierzulande so gut entwickeln wie im Ausland? 

Von der Haide: Die Hobby-Gärtner wollen gerne und schnell tätig werden. Die Kommunen sind zwar aufgeschlossen, aber langsam und zögerlich. Bevor etwas ins Rollen kommt, müssen sich oft erst Grünflächen-, Liegenschafts-, Stadtplanungs- und Sozialamt abstimmen. Oft sind Zuständigkeiten unklar. An der Stelle ließe sich ansetzen. Denn im Grunde ist die Motivation für eine Zusammenarbeit groß.

Die Veranstaltung „Urbane Gärten - Neue Herausforderungen für die Stadt- und Freiraumplanung“ beginnt heute, 18 Uhr, im K10, Henschelstraße 2, Hörsaal 1140. Dort stellt unter anderem Ella von der Haide ihre Studie vor.

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