Stadtreiniger-Betriebsleiter spricht im Interview über die Verteiliung

Neue Gelbe Tonnen ersetzen Gelben Sack: Das sollten Kasseler wissen

Neue Gelbe Tonnen werden nun nach und nach ausgeliefert: Betriebsleiter Dirk Lange (von links), Fahrer Fritz Rehbein und Abfalldezernent Dirk Stochla.
+
Neue Gelbe Tonnen werden nun nach und nach ausgeliefert: Betriebsleiter Dirk Lange (von links), Fahrer Fritz Rehbein und Abfalldezernent Dirk Stochla.

Nach fast 30 Jahren verschwindet der Gelbe Sack aus dem Kasseler Stadtbild. In diesen Tagen beginnen die Stadtreiniger mit der Verteilung der neuen Gelben Tonnen, in denen künftig der Verpackungsmüll landen soll. Zu der Umstellung haben die Redaktion viele Fragen von Lesern erreicht. Hier werden sie beantwortet

Kassel - Wir haben über die Fragen aus der Leserschaft mit Dirk Lange gesprochen, dem Betriebsleiter der Stadtreiniger.

Wie viele Tonnen verteilen die Stadtreiniger in den nächsten Wochen?

Insgesamt werden wir bis zu 50 000 Tonnen verteilen. Wobei sich die Zahl auf alle drei angebotenen Größen, 240-Liter, 770-Liter und 1100-Liter-Tonnen, bezieht. Weil wir uns nicht so viele Tonnen auf den Hof stellen können, werden sie nach und nach angeliefert. Die letzte Lieferung erwarten wir in der dritten Januarwoche, sodass wir die Verteilung voraussichtlich Ende Januar abschließen können.

Gibt es ein bestimmtes Schema, nachdem Sie die Tonnen im Stadtgebiet verteilen?

Wir beginnen jetzt im Wesertor und Wolfsanger und setzen die Verteilung in den angrenzenden Stadtteilen fort. Ganz zum Schluss kommen voraussichtlich Harleshausen und Jungfernkopf dran.

Schon bislang konnten Kasseler eine Gelbe Tonne bestellen, die sie dann allerdings bezahlen mussten. Wie viele haben dieses Angebot genutzt und welche Erfahrungen haben Sie gemacht?

Ungefähr 3500 Haushalte haben die sogenannte Bereitstellungstonne bereits und können diese auch weiter nutzen. Weil sie die Tonne freiwillig bestellt haben, sind diese Menschen natürlich zufrieden damit. Jetzt steht uns eine etwas andere Situation bevor. Nach fast 30 Jahren wird der Gelbe Sack für alle Haushalte abgeschafft. Ich halte das für sehr sinnvoll, insbesondere weil der Verpackungsabfall durch Verwehungen und Waschbären, die die Säcke aufreißen, nicht länger das Stadtbild beschädigt. Aber obwohl für die Tonne keinerlei zusätzlichen Gebühren anfallen, wird es auch ein paar Verweigerer geben. Natürlich zwingen wir niemanden, die Tonne zu behalten.

Sie wird aber erst mal an alle verteilt?

Ja, weil es anders nicht möglich gewesen wäre. Wir haben erst Ende September den Zuschlag von den Dualen Systemen für die Einsammlung bekommen. Ab 1. Januar 2021 müssen wir die Leistung erledigen. Da blieb keine Zeit, zunächst alle Haushalte zu befragen, ob sie eine Tonne wünschen oder nicht. Dafür braucht man ein halbes Jahr Vorlauf. Also verteilen wir erst alle Tonnen und nehmen dann Änderungswünsche entgegen.

Was machen Haushalte, die keinen Platz für eine weitere Tonne auf ihrem Grundstück haben?

Sie haben ja schon heute eine Restabfalltonne, eine Biotonne und vielleicht eine Papiertonne. Und irgendwo musste der Gelbe Sack ja auch bislang hin. Das heißt, den Platz für eine Gelbe Tonne sollte man sich schaffen. Auch wenn man diese natürlich nicht – anders als beim Gelben Sack – im Haus aufbewahren kann. Letztlich nimmt die Tonne einen halben Quadratmeter Platz weg. Zur Not kann man die Tonne hinter das Haus stellen und alle zwei Wochen nach vorne ziehen. Es muss der Wille dafür da sein. Wenn die innere Einstellung nicht stimmt, dann werde ich mich immer verweigern.

Es gibt doch aber die Möglichkeit, sich eine Gelbe Tonne mit seinem Nachbarn zu teilen – oder?

Wenn jemand beispielsweise alleinstehend ist oder wirklich sehr wenig Platz hat, kann er sich die Tonne mit dem Nachbarn teilen. Dafür ist ein entsprechender Antrag nötig. Wir müssen dann nur wissen, wo die Tonne steht. Derjenige, auf dessen Grundstück sie steht, muss dann aber dafür sorgen, sie alle zwei Wochen an die Straße zu stellen.

Insbesondere hochbetagten Menschen fällt es schwer, die Tonnen rauszustellen. Warum wird die Gelbe Tonne nicht – wie bei den anderen Müllarten auch – von den Stadtreinigern an die Straße geholt?

Kurz gesagt: Weil die Dualen Systeme für diesen Service nicht bezahlen. Wir erledigen die Leistung ja nur im Auftrag der Dualen Systeme. Wir hätten uns einen entsprechenden Service für alle Tonnengrößen gewünscht, dies wurde aber leider abgelehnt. Um älteren und bewegungseingeschränkten Menschen entgegenzukommen, überlegen wir aber, ob wir für ein zusätzliches Entgelt einen solchen Service anbieten. Dies muss aber erst noch mit den Gremien abgestimmt werden. Bei den großen Tonnen ab 770 Litern holen wir die Behälter übrigens weiter vom Standplatz ab. Dies zumindest wird von den Dualen Systemen bezahlt.

Einige HNA-Leser haben sich gefragt, warum man den Gelben Sack nicht als Alternative zur Tonne weiter anbietet? So gäbe es eine Lösung für Haushalte mit wenig Platz.

Die Dualen Systeme wollen keine parallelen Strukturen. In dem Fall müssten wir ja weiter die Gelben Säcke produzieren lassen und verteilen. Dafür will der Auftraggeber nicht zahlen. Göttingen hatte das versucht, ist damit aber nicht durchgekommen.

Warum gibt es keine kleineren Tonnengrößen?

Kleinere Größen als 240 Liter sind nicht vorgesehen. Man will das System so einfach wie möglich halten. Ich kenne auch keine Region, wo es individuelle Größen gibt. Wem die 240 Liter alleine zu viel sind, für den gibt es die Nachbarschaftstonne.

Wie soll der Verpackungsmüll in der Wohnung gesammelt werden?

Ich rate dazu, den Abfall in einer Kunststofftüte zu sammeln, die man vielleicht ohnehin vom letzten Einkauf noch hat. Dann sollte man die Tüte unverschlossen in die Tonne werfen, damit sich der Müll dort besser verteilt. Auf keinen Fall ist es nötig, Verpackungen vorher auszuspülen.

Und wo können Tonnen-Verweigerer ihren Verpackungsmüll entsorgen?

Sie haben die Möglichkeit, den Abfall direkt beim Verkäufer zu lassen. Dieses Recht gibt ihnen das Verpackungsgesetz. In den Lidl-Filialen und anderen Supermarktketten gibt es am Ausgang große Abfallsammelbehälter. Eine weitere Alternative ist es, möglichst unverpackte Lebensmittel zu kaufen. (Bastian Ludwig)

Zur Person: Dirk Lange

Zur Person: Dirk Lange (56) ist seit 2018 Betriebsleiter der Stadtreiniger Kassel. Lange lebt in Vellmar, ist verheiratet und hat einen Sohn. 

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.