Stadt will gemeinnützige GmbH für Grimm-Welt gründen

Eine Burg für die Grimms: So soll das Grimm-Museum auf dem Weinberg aussehen. Ab 2013 wird gebaut. Illustration: Kadawittfeldarchitektur/nh

Kassel. Die Stadt will bei der Grimm-Welt auf dem Weinberg auch organisatorisch neue Wege gehen: Eine gemeinnützige Gesellschaft (GmbH) mit der Stadt Kassel als alleinigem Gesellschafter soll das Museum pachten und betreiben.

Die Geschäftsführung soll die Museumsfachfrau Susanne Völker übernehmen, die seit November als Projektmanagerin für die Grimm-Welt im Kasseler Kulturamt tätig ist (siehe Artikel links). Sie wird die Eröffnung vorbereiten und Marketingaufgaben übernehmen.

Die Gesellschaft soll im nächsten Jahr ins Leben gerufen und durch einen Beirat ergänzt werden. Der Magistrat hat die Gründung der gGmbH bereits beschlossen, für die ein Stammkapital von 25 000 Euro nötig ist. Die Stadtverordneten werden am 10. Dezember darüber entscheiden.

Die neue Organisationsform ermöglicht der Stadt den seit Längerem angestrebten personellen Neuanfang. Der langjährige Leiter des Brüder-Grimm-Museums, Dr. Bernhard Lauer, wird künftig als wissenschaftlicher Mitarbeiter der Stadt tätig sein. Auch wenn das Verhältnis zu ihm heute entspannter ist: In der Vergangenheit hatte Lauer mit Alleingängen für Unmut gesorgt. Zuletzt war es der Umgang mit den kostbaren Handexemplaren der Brüder Grimm. Lauer hatte sie im Antrag zum Weltdokumentenerbe der Unesco als Eigentum der Grimm-Gesellschaft bezeichnet und damit Stadt und Land brüskiert. Sie erheben Anspruch auf die Bücher, deren Wert auf 30 Millionen Euro geschätzt wird. Weder die Stadt noch die Grimm-Gesellschaft halten den reinen Grimm-Spezialisten für geeignet, die neue Grimm-Welt zu führen und zu vermarkten.

Auch finanzielle Vorteile

Die Gründung der gemeinnützigen Gesellschaft hat nach Angaben von Oberbürgermeister und Kulturdezernent Bertram Hilgen (SPD) auch finanzielle Vorteile: Der Stadt könne die Umsatzsteuer in Höhe von 19 Prozent für den Bau der 21 Millionen. Euro teuren Grimm-Welt erstattet werden. Diesen Weg seien auch Bremen und Bad Hersfeld mit ihren Ausstellungsbauten „Universum“ und „Wortreich“ gegangen.

Allerdings darf es sich bei dem Neubau nicht um ein klassisches Museum handeln, das sammelt und bewahrt. Der Schwerpunkt muss laut Kulturamtschefin Dorothée Rhiemeier auf wechselnden Ausstellungen liegen. Da die Sammlungen zu den Grimms weiterhin bei der Stadt bleiben und nicht in die neue Gesellschaft übergehen, könnten die Voraussetzungen erfüllt sein. Entscheiden werde sich dies erst nach der Eröffnung.

Die Bauarbeiten für die Grimm-Welt auf dem Weinberg sollen im Frühjahr beginnen. Die Fäden für die Feinplanung laufen bei der neuen Projektleiterin zusammen. Ihr Vertrag ist zunächst auf zwei Jahre begrenzt, eine spätere Übernahme aber angestrebt. Foto: Schwaab

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Von Ellen Schwaab

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