Grüne für Wilhelmshöher Allee, Experte gegen Prestigebau

Neue Ideen für doc-Institut in Kassel

Boris Mijatovic
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Boris Mijatovic

Fast drei Monate nach dem Aus für das documenta-Institut auf dem Karlsplatz bringen die Kasseler Grünen einen neuen Standort für den prestigeträchtigen Bau ins Gespräch. In einem Brief an die hessischen Finanz- und Kunstministerien werben sie für das Grundstück Wilhelmshöher Allee 2-4.

Kassel - Dies war schon bislang einer von 17 untersuchten Standorten, gehört aber dem Land. Nun fragen die Grünen, ob ein Grundstückstausch möglich sei. Dann könnte dort „in naher Zukunft eine Umsetzung des Gebäudes möglich sein“, heißt es in dem vom Kasseler Fraktionschef Boris Mijatovic sowie den Landtagsabgeordneten Vanessa Gronemann und Karin Müller verfassten Brief, der der HNA vorliegt.

„Wir wollen Bewegung in die Debatte bringen“, sagt Mijatovic. Der Vorteil des unbebauten Grundstücks in der Wilhelmshöher Allee ist seine innenstadtnahe Lage neben der Torwache. In Wiesbaden will man die Anfrage der Grünen prüfen, wie Volker Schmidt, Sprecher des Kunstministeriums, mitteilt. Er hält es für „bedauerlich, dass es aufgrund der bislang ungeklärten Standortfragen zu Verzögerungen beim documenta-Institut kommt“.

Die Stadtverordneten hatten am 31. August ihren Beschluss für den Karlsplatz zurückgenommen, weil der Ausgang eines Bürgerentscheids über den Standort offen war. Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD) hatte zuvor einen möglichen Plan B ins Spiel gebracht. Vorgestellt hat er ihn bis heute nicht.

Darum hat die CDU den Rathaus-Chef nun schriftlich aufgefordert, den Stadtverordneten „zeitnah einen Vorschlag für einen Standort zu unterbreiten“, wie Fraktionschef Michael von Rüden sagt. Die Stadt habe bereits „zu viel wertvolle Zeit vergeudet“.

Gegenüber der HNA wollte sich Geselle nicht äußern. Er ließ lediglich mitteilen, dass „Alternativstandorte intensiv geprüft werden“. Auch documenta-Generaldirektorin Sabine Schormann will zum aktuellen Stand nichts sagen.

Unterdessen sorgt der documenta-Experte Harald Kimpel mit einem ungewöhnlichen Vorschlag für Aufsehen. Der Kunsthistoriker hält ein neues Gebäude für überflüssig: „Der beste Standort für das documenta-Institut ist nicht ein Platz, sondern in der Cloud.“ Geforscht werden könne virtuell. Kimpel glaubt nicht, dass es zu einem Neubau kommt: „Die über die Standortdebatte zerstrittenen Interessengruppen sind beschädigt.“ (Matthias Lohr)

Möglicher Standort.

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