Hans Joachim Noll gibt den Posten ab

Kasseler Tafel: Waldemar Gries ist neuer Vorsitzender

Hans Joachim Noll (links) übergibt den Vorsitz der Kasseler Tafel an Waldemar Gries. Beide waren in ihrem früheren Berufsleben lange Jahre Schulleiter in Kassel.
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Der Alte geht, der Neue ist schon da: Hans Joachim Noll (links) übergibt den Vorsitz der Kasseler Tafel an Waldemar Gries. Beide waren in ihrem früheren Berufsleben lange Jahre Schulleiter.

Staffelübergabe bei der Kasseler Tafel: Hans Joachim Noll übergibt den Vereinsvorsitz an seinen Nachfolger Waldemar Gries. Beide waren vor ihrer Pensionierung Schulleiter.

Kassel. Die Verdienste von Hans Joachim Noll als Vorsitzender der Kasseler Tafel sind unbestritten. Mit großem Engagement, Klugheit und einem Gespür für Diplomatie hat der langjährige Leiter der Herderschule und Mitbegründer des Oberstufengymnasiums Oberzwehren (heute Lichtenberg-Schule) in den vergangenen 13 Jahren als Pensionär erfolgreich die Geschicke der Kasseler Tafel geleitet.

Dabei hatte der höfliche Grandseigneur mit seiner verbindlichen Art eine positive Wirkung nach innen, in den Verein hinein, und nach außen in die Stadtgesellschaft und damit auch in die Gruppe der Unterstützer.

Jetzt, mit 79 Jahren, zieht er sich aus dem Vorstand zurück – auch wenn er der ehrenamtlichen Tafel-Arbeit vor Ort weiter treu bleiben wird und vor Kurzem zum Ehrenvorsitzenden gewählt wurde – und übergibt die Staffel an einen adäquaten jüngeren Nachfolger, Waldemar Gries. Dass der ebenfalls ein ehemaliger Schulleiter ist, open minded, also aufgeschlossen, und mit vielen Kontakten und Verbindungen, ist kein Zufall. „Wir kennen uns aus dem Kreis der ehemaligen Schulleiter, die sich regelmäßig treffen“, erklärt Noll.

Irgendwann sprach er Waldemar Gries an, ob er sich vorstellen könne, sich für die Wahl zum Vorsitzenden der Kasseler Tafel zur Verfügung zu stellen. „Ich habe kurz überlegt“, sagt Gries, „und dann festgestellt, dass die Kombination von ökologischem und sozialem Ansatz der Tafel-Arbeit genau das ist, wofür ich mich in einem Ehrenamt starkmachen möchte.“

Seit einem Jahr hat sich Waldemar Gries (68) in die Tätigkeit der Tafel eingefuchst, indem er als Fahrer unterwegs war und ist. Und erlangte für sich die Bestätigung: Ja, das ist genau mein Ding. Auch wenn ihm am Abend, nachdem er Zentner von Lebensmitteln auf den Lieferwagen und wieder runter gewuchtet hat, der Rücken schmerze, stelle sich Zufriedenheit ein. „Überzeugend war für mich auch das Betriebsklima, die gute und positive Stimmung der Tafel-Mitarbeiter – ob nun haupt- oder ehrenamtlich – untereinander.“

Da mache die Arbeit Freude, unabhängig von der Sinnhaftigkeit, Bedürftige mit einem guten, vielseitigen Lebensmittelangebot ausstatten zu können. „Die Arbeit der Tafeln ist wertvoll und unverzichtbar geworden.“ Waldemar Gries, der jetzt zum Vorsitzenden gewählt wurde, übernimmt ein gut bestelltes Feld, einen Verein mit komplexen, professionellen Strukturen („Das ist mehr als einen Apfel von A nach B fahren“) und ein tolles Team. Sein Wunsch wäre es, mehr jüngere Leute zu gewinnen. Dafür könne er sich auch eine Kooperation mit der Uni vorstellen. Auch die Digitalisierung der Tafel möchte Gries voranbringen.

Am 11. November feiert die Kasseler Tafel ihr 25-jähriges Bestehen. Unter dem Motto „Verteilen statt wegwerfen“ hat sie es sich zur Aufgabe gemacht, wie Tafeln in der ganzen Republik, Lebensmittel, die in Geschäften aussortiert werden, die aber noch gut und essbar sind, einzusammeln und an Bedürftige zu verteilen.

Nach verschiedenen Adressen ist die Kasseler Tafel an die Holländische Straße 141 gezogen, wo den Mitarbeitern und Kunden 300 Quadratmeter Fläche zur Verfügung stehen und es gute Bedingungen für die Anlieferung der Lebensmittel über einen Hof gibt. „Das hier ist der ideale Standort“, sagt Hans Joachim Noll.

Seit der Pandemie kommen die Kunden nicht mehr in das Ladengeschäft, sondern bekommen ihre Tüten gepackt und holen diese ab. Die Kasseler Tafel war in der Pandemie nur eine Woche lang geschlossen. Sie hat ein strenges Hygienekonzept entwickelt und weitergearbeitet. Finanzielle Unterstützung bekam sie vom hessischen Sozialministerium. Zehn Prozent der Kunden sind in der Pandemie dennoch abhandengekommen. Es sind jetzt 1050 Berechtigte mit Karte, die regelmäßig kommen.

Damit werden in Kassel 2800 Menschen mit Lebensmitteln der Tafel versorgt, davon 1100 Kinder. Die Kunden bekommen alle 14 Tage ein Zeitfenster zugewiesen, in dem sie zur Tafel kommen können; zwei Euro müssen sie für ihren Einkauf beitragen. Es gibt auch Nottüten. Noll: „Keiner muss bei uns wieder hungrig weggehen, weil er keinen Termin hat.“

Für die Tafel arbeiten zurzeit 120 Ehrenamtliche (vor Corona 140) und vier Hauptamtliche (eine Sekretärin und drei Lageristen). Es gibt 80 Fördermitglieder. Zu den Sponsoren gehören Mercedes, die Fieseler-Stiftung, Rewe, Lidl, Aldi sowie einzelne Geschäfte. Im Jahr 2011 hat die Kasseler Tafel das Bundestafeltreffen ausgerichtet. (Christina Hein)

Infos: kasselertafel.de

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