Neue Kunststeine für alten Turm der Löwenburg

Kassel. Die Restauratoren an der Löwenburg stehen vor einem Problem. Der beim Bau verwendete Basalttuff aus dem Habichtswald ist zum einen anfällig für Verwitterung und zum anderen mangelt es an Nachschub. Doch eine Lösung ist in Sicht.

Peter Machner, Geschäftsführer der Materialprüfanstalt der Universität Kassel, entwickelte einen künstlichen Tuffstein. „Der kann auch bei der Sanierung der Löwenburg verwendet werden“, sagt Machner.

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Genau dies ist auch geplant, wie Axel Marbach vom Hessischen Baumanagement erklärt: „Der im Zweiten Weltkrieg zerstörte Hauptturm wird mithilfe des Kunsttuffs wieder aufgebaut.“ Die Arbeiten an der Löwenburg sollen im April 2013 beginnen. 2016 soll der erste Bauabschnitt abgeschlossen sein. Für insgesamt 28 Millionen Euro soll die Löwenburg im Bergpark Wilhelmshöhe saniert und erweitert werden.

Das Besondere am künstlichen Tuffstein, der dazu verwendet wird: Die Festigkeit kann bei der Herstellung gesteuert werden. Auch eine gewünschte Farbe kann durch Zusetzen von Farbpigmenten erzeugt werden. „Optisch können wir nach Wunsch den Kunsttuff herstellen“, sagt der Diplomingenieur. Zudem sei die Herstellung billiger, als neuen Basalttuff im Habichtswald abzubauen. Auf die Idee, den künstlichen Tuffstein zu entwickeln, kam Peter Machner im Jahr 2009 bei der Arbeit mit natürlichem Tuff. „Bei der Gewinnung von Tuff wird viel Abfall produziert, den ich wiederverwenden wollte“, sagt Machner. Er mischte klein gebrochenen Tuffstein zu Beton und versuchte so, künstlichen Tuffstein zu entwickeln. „Es waren einige Versuchsreihen notwendig, bis ich ein zufriedenstellendes Ergebnis hatte“, sagt Peter Machner.

Impressionen von der Löwenburg

Impressionen von der Löwenburg

Im Anschluss habe er die Bauleitung am Herkules über die geglückte Entwicklung informiert, die sofort Interesse am Kunsttuff zeigte. An der Entwicklung für den Tuffstein, der für die Löwenburg verwendet wird, waren auch die Museumslandschaft Hessen-Kassel und das Hessische Baumanagement beteiligt, sagt Axel Marbach.

Bei der Sanierung des Herkules kam der künstliche Tuffstein bereits zum Einsatz. „Im Gebäude auf der Besucherplattform wurde er verbaut“, sagt Machner. Der nun für die Löwenburg entwickelte Tuffstein unterscheide sich von ihm nur wenig. Das Grundmuster sei sehr ähnlich, nur die Farbigkeit sei anders. Drei verschiedene Farbvarianten hat Peter Machner hergestellt, sodass beim Wiederaufbau des Hauptturmes die Fassade nicht einheitlich aussieht, so wie vor der Zerstörung.

Von Florian Quanz

Rubriklistenbild: © Archiv HBM Kassel

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