Zentrale Bußgeldstelle Kassel stellt Jahres-Bilanz für 2017 vor

Kampf gegen Raser: Hessen bekommt fünf neue Super-Blitzer

Kassel. Im Kampf gegen Raser sollen in Hessen mehr mobile, gepanzerte Geschwindigkeitsmessanlagen eingesetzt werden. Probleme auf hessischen Straßen gab es 2017 neben Rasern vor allem mit Handynutzern und wegen nicht gebildeter Rettungsgassen.

Die hessische Polizei sagt Rasern den Kampf an. Im Laufe des Jahres sollen zusätzlich zu den zwei bereits getesteten, gepanzerten Geschwindigkeitsmessanlagen fünf weitere sogenannte Enforcement Trailer angeschafft werden. Das berichtete die Zentrale Bußgeldstelle bei der Vorstellung ihrer Jahresbilanz in Kassel. In welchen Regionen die Trailer zum Einsatz kommen, steht noch nicht fest.

Geschwindigkeit

Enforcement Trailer sind mobile Messgeräte, die langfristig an Unfallschwerpunkten aufgestellt werden, aber auch leicht den Standort wechseln und bis zu einer Woche autonom messen können. Dadurch würde die Polizei personell deutlich entlastet, sagte Peter Koch, Chef der Bußgeldstelle. Allerdings würden pro Trailer auch zehn bis 15 Neueinstellungen in der Bußgeldstelle nötig, da der Verwaltungsaufwand steige.

Bei den bisherigen Tests an der A7 und A4 bei Bad Hersfeld und der A66 bei Offenbach hatten die gepanzerten Super-Blitzer bis zu 7000 Geschwindigkeitsüberschreitungen gemessen – pro Woche.

Damit könnten sie schnell zur Haupteinnahmequelle in Sachen Ordnungswidrigkeiten für den Landeshaushalt werden. Noch waren im vergangenen Jahr die Blitzer am Elzer Berg an der A3 bei Limburg mit rund 60.000 Anzeigen hessenweiter „Spitzenreiter“. Mit etwas mehr als 59 Millionen Euro stiegen die Einnahmen durch Ordnungswidrigkeiten im Vergleich zum Vorjahr um knapp 1,5 Millionen Euro.

Die Zahl der Anzeigen ist 2017 im Vergleich zum Vorjahr um 80 168 auf rund 1,16 Millionen gestiegen – 60 Prozent davon waren Anzeigen wegen Geschwindigkeitsüberschreitungen, gefolgt von 22,7 Prozent Halt- und Parkverstößen. Zurückzuführen sei der erstmalige Anstieg seit 2013 vor allem auf die Wiederinbetriebnahme mehrerer großer Messanlagen, die 2016 wegen Bauarbeiten außer Betrieb waren.

Handy

Die Polizei wies bei der Bußgeld-Bilanz auch auf die Gefahr des Handygebrauchs am Steuer hin. „Smartphones sind zwar für viele Menschen ein wichtiger Bestandteil ihres Alltags, aber bei der Fahrt sollte man die Finger davon lassen“, sagte Polizeisprecher Torsten Werner. Die Zahl der Autofahrer, die mit Handy am Steuer erwischt wurden, stieg weiter. 2017 waren es 17 808 Fälle.

Seit Mitte Oktober 2017 sind 100 Euro (vorher: 60 Euro) fällig und ein Punkt in Flensburg wird notiert, wenn man mit dem Smartphone am Steuer erwischt wird. Fahrradfahrer müssen 55 Euro berappen. „Wir haben trotz stärkerer Sanktionen noch keine Verhaltensänderung festgestellt“, sagte Werner.

Rettungsgasse

Ein großes Thema ist auch nach wie vor, dass die Rettungsgasse für Einsatzfahrzeuge nicht immer korrekt gebildet wird. „Wir stellen fest, dass mehr Verkehrsteilnehmer eine Rettungsgasse bilden wollen, aber wenige reichen aus, um sie wieder dichtzumachen“, sagte Werner. Wie beim Handy wurde auch für das Nichtbilden einer Rettungsgasse im vergangenen Oktober das Bußgeld erhöht – von 20 auf 240 Euro. Kommt es zu einem Sachschaden oder der Gefährdung Dritter, kommt ein einmonatiges Fahrverbot hinzu. Derzeit sind laut Bußgeldstelle 24 Fälle wegen Rettungsgassen-Vergehen in Bearbeitung.

In der hessenweiten Statistik sind auch die Kasseler Zahlen enthalten, die von der Bußgeldstelle aber nicht gesondert aufgeführt werden. Nicht enthalten sind die Zahlen für den Großraum Frankfurt, dort gibt es eine eigene Bußgeldstelle. 

(mit dpa)

Von Dichtern und Mährern: Kuriose Reaktionen auf Bußgeldbescheide

Manchmal erleben Polizisten auf Streife die kuriosesten Dinge. Wie an einem Abend im Februar, als Beamte auf der Frankfurter Straße einen 21-Jährigen anhielten, der während der Fahrt auf seinem Handy Netflix schaute – bei ausgeschaltetem Licht. 

Was der junge Mann zu seiner Verteidigung zu sagen hatte, ist nicht überliefert, aber viele Verkehrssünder sind um keine Ausrede verlegen. Eine Art Best-of der Dreistigkeiten, aber auch der Einsicht, stellt die Bußgeldstelle auf der Homepage des Regierungspräsidiums vor. Unsere Top Drei.

  1. Hier hat jemand den Schuldigen gefunden: „Ich erhebe Einspruch gegen diesen Bußgeldbescheid. Begründung: Es war mitten in der Nacht – 0.54 Uhr. Die Verkehrsschilder waren unbeleuchtet. Sie tauchen aus dem Dunkel auf, um sofort wieder zu verschwinden! Wie lange sind die erkennbar? Eine oder zwei Sekunden. Diese Zeitspanne ist viel zu kurz, um 1. sie zu erkennen, 2. sie zu verarbeiten, 3. zu reagieren.“ 
  2. Aber es gibt auch Einsicht: „Tut mir leid. Ich war zu spät und zu blöd (und blond bin ich auch noch).“
  3. Sogar lyrische Ergüsse gehen bei der Bußgeldstelle ein: „Ich fuhr zu schnell, welch ein Schlamassel! Mein Führerschein muss jetzt nach Kassel. Für einen Monat, welche Pein, werd’ ich jetzt ohne ihn hier sein. Die Folgen, das kann jeder sehen, ich muss auf Schusters Rappen gehen. Ich bitte Sie, lieber Herr Schröter: Passen Sie gut auf, damit ich später, das heißt, nach einem Monat dann, wieder Auto fahren kann. Beizeiten schicken ihn zurück. Perfekt ist dann mein Autofahrerglück. Viele Grüße jetzt nach Kassel. Nie wieder will ich solch’ Schlamassel.“

Rubriklistenbild: © dpa

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