Denkmalgeschütztes Gebäude an der Leipziger Straße

Neue Nutzungsidee: „Erfinder-Haus“ im Hallenbad Ost

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Blick ins Innere: Aus dem Schwimmbecken des Hallenbads Ost ist das Wasser längst abgelassen. Im Mai 2007 war das denkmalgeschützte Bad aus dem Jahr 1930 wegen Baufälligkeit stillgelegt worden.

Bettenhausen. Im ehemaligen Hallenbad Ost könnte eine Schaustelle der Wirtschaft und der Universität Kassel entstehen. Mit dieser Nutzungsidee wartet Diplom-Ingenieur Christian Kopetzki auf.

Der emeritierte Professor der Uni, der die Stadtentwicklung fast 30 Jahre lang mitgeprägt hat, schlägt vor, im denkmalgeschützten Hallenbad ein „Haus der Innovationen und Erfindungen“ einzurichten.

„Es gibt in Kassel bisher keinen Ort, an dem man sich konzentriert über aktuelle Innovationen industrieller Forschung, Entwicklung und Produktion informieren kann“, sagt Kopetzki.

Firmen und Einrichtungen könnten in einer Ausstellung Grundinformationen zu Arbeit und Produkten liefern, Netzwerke aufzeigen und Aktualität vermitteln. Eine solche Ausstellung müsse ständig in Bewegung und möglichst attraktiv aufbereitet sein, besondere Veranstaltungen anbieten und eine qualifizierte Betreuung für Besucher bereitstellen. Vorbild könnte das städtische Naturkundemuseum sein, erklärt Kopetzki.

Infos zum Hallenbad Ost gibt es hier.

Wenn die Ausstellung um eine Multifunktionsfläche im Bereich des Schwimmbeckens herum organisiert würde, die wechselweise als Auditorium, für Sonderausstellungen oder als anmietbare Fläche für Firmen- und andere Veranstaltungen genutzt werden könnte, ließe sich das Bad weitgehend erhalten. Das Gebäude zähle zu den herausragenden Beispielen moderner Bäderarchitektur der späten Weimarer Republik in Deutschland und zu einem der ganz wenigen architektonischen Zeugnisse der internationalen Moderne in Kassel, begründet der Stadtplaner, warum das Baudenkmal unbedingt erhalten werden müsse.

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Hallenbad Ost ist verkauft - Neuer Eigentümer will Büros schaffen

Die Städtischen Werke haben das Grundstück samt Hallenbad bereits im September 2013 an einen Investor verkauft, der aber ein Rücktrittsrecht vom Vertrag hat. Wie viel Geld erlöst wurde und wer der Käufer ist, möchte Norbert Witte, Geschäftsführer des städtischen KVV-Konzerns, zu dem auch die Stadtwerke gehören, auch jetzt noch nicht sagen.

Eine weitere Idee für das Gelände an der Leipziger Straße ist der Neubau von Büros für ein gemeinsames Jobcenter der Stadt Kassel und der Agentur für Arbeit. Bisher sind die Mitarbeiter im Rathaus und im Hochhaus der Arbeitsagentur am Grünen Weg tätig.

Um genügend Bürofläche schaffen zu können, müsste das Hallenbad teilweise abgerissen und ein Erweiterungsbau errichtet werden. Nur die historische Fassade des Baudenkmals würde dann ein Stück weit erhalten bleiben. Die Denkmalschutzbehörde soll dem Vorhaben im Grundsatz bereits zugestimmt haben. Dass vom Hallenbad nur eine Schaufassade bleiben soll, sei skandalös, findet Kopetzki, der darin eine Bankrotterklärung der Kasseler Denkmalpflege sieht.

Von Jörg Steinbach

Das Hallenbad Ost in Bildern

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