Ausbildung statt Hörsaal

Neue Perspektive: Theresa Brede brach Studium ab und wird Hörgeräte-Akustikerin

Richtige Wahl im zweiten Anlauf: Theresa Brede macht nach einem abgebrochenen Studium eine Ausbildung als Hörgeräte-Akustikerin im Geschäft der Firma Kind am Ständeplatz. Foto: Rudolph

Kassel. Vier Semester hat es gedauert, bis Theresa Brede sich schließlich dazu durchgerungen hat, einen Schlussstrich zu ziehen. Die junge Frau hatte 2010 ein Bauingenieur-Studium in Kassel aufgenommen und merkte schnell, dass es nicht das Richtige für sie war.

„Die Vorlesungen waren überfüllt und uns wurde von Anfang an gesagt, dass ausgesiebt werden soll“, erzählt sie. Die Klausuren seien hammerhart gewesen. Außerdem habe es neben viel Theorie für ihren Geschmack zu wenig Praxisanteil gegeben. Doch aus Sorge, dass sich ein abgebrochenes Studium schlecht im Lebenslauf machen könnte, versuchte Theresa Brede lange, sich durchzubeißen.

Heute ist die 24-Jährige, die aus Hess. Lichtenau stammt, froh, dass sie doch noch die Reißleine gezogen hat. Sie macht inzwischen eine Ausbildung zur Hörgeräte-Akustikerin im Fachgeschäft der Firma Kind am Ständeplatz. „Ich bin hier total zufrieden, und der Beruf ist einer der vielseitigsten, den ich mir vorstellen kann“, sagt die aufgeschlossene, junge Frau.

Direkt nach dem Studienabbruch fiel Theresa Brede aber erst mal in ein Loch. „Ich wusste ein halbes Jahr lang nicht, wie es weitergehen soll.“ Sie machte mehrere Praktika, um in verschiedene Berufe hineinzuschnuppern. „Dabei habe ich auch gemerkt, dass Büroarbeit nichts für mich ist“, erzählt die junge Frau. Sie wollte einfach etwas Praktisches machen.

Zweite Wahl gut bedacht

Über Bekannte bekam sie schließlich Kontakt zu ihrer jetzigen Chefin, die das Kind-Fachgeschäft für Hörgeräte am Ständeplatz leitet. Nach einer Woche Probearbeiten merkte Theresa Brede, dass sie Spaß an dem Beruf hat. Inzwischen ist sie im zweiten Lehrjahr. Ihr gefällt, dass die Arbeit einerseits mit Technik, andererseits mit Menschen zu tun hat. Das Fräsen der Ohrstücke der Hörgeräte und Löten von Platinen liegt ihr ebenso wie der Kontakt mit den Kunden. „Mir gefällt besonders, dass man mit dem Beruf Menschen helfen kann“, sagt die 24-Jährige.

Nach der Ausbildung will sie entweder ihren Meister als Hörgeräte-Akustiker machen oder doch noch ein Studium der Hörakustik dranhängen. Klar ist: Berufliche Entscheidungen überdenkt Brede jetzt sehr genau. „Auch vor der Ausbildung habe ich sehr lange geprüft, ob es wirklich das Richtige für mich ist: Man will es dann ja auch wirklich durchziehen.“

Persönlichkeit zählt

Dorothee Winter, Leiterin des Kind-Fachgeschäfts am Ständeplatz, ist mit ihrer Auszubildenden zufrieden. Der Studienabbruch sei für sie kein Hinderungsgrund für eine Einstellung gewesen. „Ich gucke vor allem auf die Person, ob sie gut ins Team passt, motiviert ist und die nötige Leistung bringt“, sagt die Meisterin. Mit Theresa Brede hat sie die richtige Wahl getroffen, wie sich schnell zeigte.

Von Katja Rudolph

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