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Neue Paul-Julius-von-Reuter-Schule erst 2029 bezugsfertig

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Von: Christina Hein

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 An der Paul-Julius-von-Reuter-Schule an der Schillerstraße wird 2024 mit dem Bauen begonnen.
Dringender Sanierungsbedarf: An der Paul-Julius-von-Reuter-Schule an der Schillerstraße wird 2024 mit dem Bauen begonnen. archi © Andreas Fischer

Erst 2029 wird die Paul-Julius-von-Reuter-Schule saniert sein. Seit drei Jahren befindet sich die berufliche Schule an der Schillerstraße in der Bauphase Null. Gebäudetrakt wegen Einsturzgefahr seit vier Jahren gesperrt.

Kassel – Genau da, wo die Paul-Julius-von-Reuter-Schule in Sachen Sanierung jetzt steht, befand sie sich schon vor über drei Jahren: in der Bauphase Null.

Das ist umso verwunderlicher, als der beruflichen Schule an der Schillerstraße spätestens seit der Sperrung eines einsturzgefährdeten Gebäudetrakts im April 2018 vom Bauamt ein „hoher Sanierungsbedarf“ attestiert wurde.

Raumkonzept

Jetzt sind erstmals öffentlich die planerischen Ergebnisse aus der Phase Null in Sachen „Sanierung mit Umbau und gegebenenfalls Teilneubau“ der Reuter-Schule präsentiert worden. Dabei handelte es sich im Großen und Ganzen um ein Raumkonzept, das modernen pädagogischen Ansprüchen gerecht werden soll und Lernorte schaffen will, mit denen sich die zurzeit über 1700 Schülerinnen und Schüler – vorwiegend in Vollzeit – identifizieren können. Später bildet es die Grundlage für die architektonischen Pläne. Erarbeitet haben das Konzept die Schulbauberaterinnen der Firma Confidio aus Nordrhein-Westfalen in enger Kooperation mit den Schulen des Berufsschulzentrums. Auch gemeinsam mit der Martin-Luther-King-Schule genutzte Räume wie ein Beratungszentrum wurden berücksichtigt.

Zeitrahmen

Alles Weitere werde in den kommenden Planungsphasen erarbeitet und ausgeschrieben, erklärten Baudezernent Christof Nolda und Axel Jäger, Leiter des Hochbauamts, in einer Sitzung der städtischen Ausschüsse Schule und Finanzen.

Der von ihnen skizzierte Zeitrahmen schockierte indes den anwesenden Schulleiter Karl-Friedrich Bätz sowie einige Mitglieder des Kollegiums. Wie zu erfahren war, wird der Baubeginn voraussichtlich 2024 sein, und vor 2029 wird es keine fertig sanierte Reuter-Schule geben. „Wir hatten eigentlich damit gerechnet, dass noch in diesem Jahr der Architektenwettbewerb für das zentrale Eingangsgebäude an der Mauerstraße ausgeschrieben wird“, sagte Bätz. Dass jetzt baulich lange Zeit nichts passiere, bedeute, dass ganze fünf Schülergenerationen in äußerst prekären Raumbedingungen unterrichtet werden müssen. Bätz: „Das ist eine Zumutung und von uns überhaupt nicht zu verstehen.“ Hier werde mit unterschiedlichem Maß gemessen, sagt der Schulleiter, der sich in wenigen Monaten in den Ruhestand verabschiedet, ohne einen Fortschritt an seiner Schule gesehen zu haben. Warum die Reuter-Schule nicht in das GWGpro-Sanierungsprogramm aufgenommen wurde, wo alles deutlich schneller vorangehe, sei für ihn nicht nachzuvollziehen.

Millionenbeträge

Als Gründe für die Verzögerung gaben Nolda und Jäger die „Komplexität der Aufgabe“ an. Neben vielen Unwägbarkeiten wie Corona und einem verantwortlichen Mitarbeiter, der nicht mehr zur Verfügung steht, hätten zudem lange Zeit keine wirtschaftlich akzeptablen Angebote vorgelegen. Zu den zu erwartenden Kosten sagte Nolda auf Anfrage von Ausschussmitglied Anke Bergmann nichts: „Das wäre zurzeit unseriös.“ Er erwähnte aber die immense Herausforderung von einer halben Milliarde Euro Sanierungsbedarf an Kasseler Schulen insgesamt. Die für den Start der Sanierung benötigten 9 Millionen Euro seien über den städtischen Haushalt gesichert. Über ein weiteres Budget würde im Haushalt 2024/25 entschieden.

Gegenüber der Schulleitung war vor Jahren von 28 Millionen Euro für die Sanierung der Reuter-Schule die Rede. „Inzwischen dürften die Kosten viel höher liegen“, vermutet Karl-Friedrich Bätz.

Zu den baulichen Veränderungen war zu erfahren, dass es an der Mauerstraße einen zentralen Eingangsbereich geben wird. Neu gebaut wird auch an der Gießbergstraße. Dort sind zwei Gebäudekomplexe stark sanierungsbedürftig, ein Gebäudetrakt ist wegen Einsturzgefahr seit vier Jahren gesperrt, und die Schule muss seitdem ersatzlos auf 1200 Quadratmeter Fläche verzichten. Die Pläne sehen vor, dass ein Gebäudetrakt (D) abgerissen und neu gebaut wird. Der zweite (gesperrte) Flügel (E) bleibt aus Gründe des Denkmalschutzes erhalten und soll ertüchtigt werden. Es ist vorgesehen, dass die Arbeiten vorwiegend bei laufendem Schulbetrieb geschehen.

Das sagt Schulleiter Karl-Friedrich Bätz:

Bei der Bedarfsplanung unter Leitung der Beraterinnen von Confidio nahmen in allen Workshops 25 Lehrkräfte teil. Das Engagement der Lehrkräfte zeigt die große Identifikation mit der Schule. Das Ergebnis der Phase 0 wird einen modernen, differenzierten Unterricht ermöglichen.

Gleichwohl hat die Schülerschaft seit 2018, seit der Sperrung eines Gebäudetrakts, unter großen Einschränkungen zu leiden. Zum Beispiel fehlt ein Aufenthaltsraum. Seit der Schließung der Cafeteria im Mai letzten Jahres fehlen auch ein kulinarisches Angebot und eine wichtige Begegnungsmöglichkeit. Die Schüler nutzen die Toiletten im City Point, weil sich die neuen Toiletten im gesperrten Gebäudetrakt befinden. Die existierenden Toiletten werden nicht mehr akzeptiert und sind seit Jahren sanierungsbedürftig. Klassen von 25 bis 30 Personen sitzen in Räumen mit maximal 65 Quadratmetern, die vielfach Risse aufweisen. Der größte Aufzug im Gebäude wurde stillgelegt. Aufgrund der misslichen räumlichen Bedingungen habe ich die Begegnungen bei unserem aktuellen Erasmus-Programm auf Orte außerhalb der Schule verlegt. Eltern und Schüler spiegeln in Elternabenden und bei Befragungen große Zufriedenheit mit dem Unterricht und mit den außerunterrichtlichen Angeboten wider, drücken aber ihr deutliches Missfallen mit den räumlichen Bedingungen aus.

Die extrem lange Phase von der Schließung des Traktes mit den schönsten Räumen und Toiletten wegen nicht tragfähiger Decken 2018 bis zum Baubeginn voraussichtlich 2024 führt dazu, dass unnötig viele Generationen von jungen Menschen unter zunehmend schwierigen Bedingungen lernen und arbeiten müssen.

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