Zielgerichtet und schlau

Dr. Sabine Schmatloch über neue Therapien bei der Behandlung von Brustkrebs

Das Team der Ärztinnen und Ärzte des Brustzentrums des Elisabeth-Krankenhauses Kassel
+
Das Team der Ärztinnen und Ärzte des Brustzentrums des Elisabeth-Krankenhauses Kassel mit Chefärztin Dr. Sabine Schmatloch.

Noch zielgerichteter und schlauer“ – so bringt Dr. Sabine Schmatloch die Behandlung von Brustkrebs nach den neuen Leitlinien und Empfehlungen der AGO (Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie) auf den Punkt.

„Es werden in der Therapie des Mammakarzinoms vermehrt neue Substanz-Klassen, sogenannte Antibody-drug Conjungates (ADC), eingesetzt“, erklärt die Chefärztin des Brustzentrums im Elisabeth-Krankenhaus Kassel.

Doch wie funktionieren diese? „Meistens bestehen sie aus einem Antikörper, der wenige Moleküle einer Chemotherapie trägt. Der Antikörper spürt die Tumorzelle auf, dockt an und bringt damit den Chemotherapie-Wirkstoff zur Tumorzelle“, erklärt Dr. Schmatloch. Im Gegensatz zur herkömmlichen Chemotherapie, bei der auch gesunde Zellen betroffen sind, werden hier gezielt Krebszellen angegriffen. Viele Nebenwirkungen können so vermieden werden.

„Diese neuen Medikamente sind die Zukunft der Brustkrebsbehandlung, teilweise sind sie in den neuen Leitlinien in der Metastasierung schon aufgenommen oder werden in Studienkonzepten überprüft“, sagt Dr. Schmatloch. So wird in der Sascia-Studie Sacituzumab-Govitecan und in der „Destiny 05“-Studie Herceptin Deruxtecan eingesetzt. Beide Studienkonzepte sind vorgesehen für Patientinnen nach neoadjuvanter Chemotherapie (Chemotherapie zur Verkleinerung des Tumors vor einem operativen Eingriff), wenn keine pathologische Komplettremission, also kein vollständiger Rückgang des Tumors, erreicht werden konnte und eine weitere Systemtherapie notwendig ist. Das EKH bietet beide Studien an. Eine Teilnahme ist möglich.

Operative Therapie weniger radikal

Dr. Sabine Schmatloch

Auch im operativen Bereich wird nach neuen Wegen für eine schonendere Brustkrebstherapie geforscht. Bei bestimmten Tumorarten folgt auf die Chemotherapie eine brusterhaltende Operation, bei der auch der Wächterlymphknoten in der Achselhöhle entfernt wird. Das Brustzentrum des Elisabeth-Krankenhauses nimmt an einer Studie teil (EUBREAST-01), die untersucht, ob bei klinischer Komplettremission, also wenn der Tumor in der Brust nach der Chemotherapie völlig verschwunden ist, auf eine Entfernung des Wächterlymphknotens verzichtet werden kann. „Die Therapie würde damit schonender. Beschwerden wie Lymphödeme, Schmerzen oder Bewegungseinschränkungen im betroffenen Arm würden verringert“, erklärt Dr. Schmatloch.

Das gesamte Team rund um die Chefärztin arbeitet nach geprüften Leitlinien und dem neuesten wissenschaftlichen Kenntnisstand. „Unser Anspruch ist es, unseren Patientinnen eine bestmögliche Behandlung und Zuwendung zu bieten“, erklärt Dr. Schmatloch. Das zertifizierte Brustzentrum im Elisabeth-Krankenhaus Kassel ist das größte Brustzentrum in Hessen und unter den Top 10 deutschlandweit. (veg)

Zur Person

Dr. Sabine Schmatloch

Dr. Sabine Schmatloch ist Chefärztin des Brustzentrums im Kasseler Elisabeth-Krankenhaus. Sie studierte Medizin in Regensburg und Würzburg. Nach zwölf Jahren am Klinikum Kassel wechselte sie 2012 an das Elisabeth-Krankenhaus. Dort ist sie seit 2015 Chefärztin des Brustzentrums, das größte in Hessen. Dr. Schmatloch ist Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe mit Schwerpunkt Gynäkologische Onkologie und Spezialisierung auf Brustkrebserkrankungen.

Covid-Impfung bei Brustkrebs

Da Patientinnen mit Brustkrebs ein erhöhtes Risiko besitzen, bei einer Corona-Infektion einen schweren Krankheitsverlauf zu entwickeln, empfiehlt Dr. Sabine Schmatloch eine Impfung unabhängig von anderen Risikofaktoren. Liegt die Erkrankung innerhalb der ersten fünf Jahre, erhalten Betroffene ein Attest vom zuständigen Arzt und sind somit impfberechtigt. Die Impfung sollte nicht während einer Chemotherapie erfolgen, sondern davor oder danach. Zudem appelliert die Chefärztin, dass erkrankte Frauen ihre Tumortherapie keinesfalls aus Angst vor einer möglichen Infektion unter-brechen sollten. (veg)

Brustzentrum im Elisabeth-Krankenhaus Kassel GmbH
Weinbergstraße 7
34117 Kassel

Tel. 05 61 / 7 20 11 47

E-Mail: brustzentrum@elisabeth-krankenhaus-kassel.de

elisabeth-krankenhaus-kassel.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

der Inhalt dieses Artikels entstand in Zusammenarbeit mit unserem Partner. Da eine faire Betreuung der Kommentare nicht sichergestellt werden kann, ist der Text nicht kommentierbar.

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.