Jahrhundert-Fund: Tropischer Falter erstmals in Region entdeckt

+

Kassel. In den vergangenen 100 Jahren haben sich etwa fünf Prozent neue Tier- und Pflanzenarten in Nordhessen niedergelassen. Klimawandel, Einschleppung und Landschaftsveränderungen seien für den Zuwachs verantwortlich, sagt Dr. Kai Füldner, Leiter des Kasseler Naturkundemuseums.

Ein neuer und weit gereister Gast ist der tropische Oleanderschwärmer, der nun erstmals in der Region entdeckt wurde. Die Zuwanderung dürfe aber nicht über das Problem des Artensterbens hinwegtäuschen, sagt der Naturwissenschaftler.

Lesen Sie auch

- Der Tropen-Jumbo landete in Calden

- Verbreitung: Falter schwärmt für warme Temperaturen

- Die neuen Bewohner unserer Region: Diese Arten gab es früher hier nicht

Genaue Zahlen, wie viele Arten seit Anfang des 20. Jahrhunderts nach Nordhessen gekommen sind, gibt es nicht. Während Luchs und Wolf nach ihrer Ausrottung in den vergangenen 50 Jahren langsam in ein altes Revier zurückkehren, sind viele absolute Neuankömmlinge: Aus zwei nordamerikanischen Waschbärpaaren, die 1934 am Edersee ausgesetzt wurden, entwickelte sich eine Plage.

Neben den Promi-Einwanderern haben es sich weitere Arten rund um Kassel bequem gemacht: Die Bandbreite reicht von der in Afrika und im Mittelmeerraum verbreiteten Feuerlibelle über den sibirischen Marderhund bis zum australischen Tintenfischpilz. Bei einigen Arten werde vermutet, dass Mutationen dafür sorgten, dass sie etwa kälteresistenter seien, sagt Füldner.

Andere wie die Türkentaube entwickelten einen bislang ungeklärten Wanderwillen. Unabhängig davon setzte sich das Artensterben fort, sagt Füldner. In Nordhessen gebe es etwa 30 Prozent weniger Pflanzen- und Tierarten als im Jahr 1900. Dafür sei weniger der Klimawandel, sondern vor allem die intensivierte landwirtschaftliche Nutzung der Flächen verantwortlich. Eine Untersuchung des hessischen Umweltministeriums führt von 1822 Pflanzenarten 567 auf der Roten Liste für gefährdete Arten auf. Bei den Wirbeltieren gibt es 331 Arten, davon gelten 214 als gefährdet.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.