Extremismusvorwürfe

Neue Vorwürfe gegen die angebliche Linksextremistin Lina E. aus Kassel

Am 6. November wurde die Linksextremistin Lina E. von Elitepolizisten zum Generalbundesanwalt nach Karlsruhe gebracht.
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Auf dem Weg zum Generalbundesanwalt: Am 6. November wurde Lina E. von Elitepolizisten nach Karlsruhe gebracht. Der aus Kassel stammenden 25-Jährigen werden schwere Gewaltdelikte vorgeworfen. Sie ist nach wie vor in Untersuchungshaft.

Seit einem halben Jahr sitzt die angebliche Linksextremistin Lina E. aus Kassel in Haft. Nun gibt es neue Vorwürfe gegen die Studentin.

Leipzig/Kassel – Ein halbes Jahr nach der Verhaftung der angeblichen Linksextremistin Lina E. gibt es neue Vorwürfe gegen die aus Kassel stammende Studentin. So hatte die Welt am Sonntag berichtet, der Generalbundesanwalt habe einen neuen Haftbefehl gegen die 26-Jährige erwirkt, die an ihrem Studienort Leipzig der Kopf einer gefährlichen linksextremistischen Gruppe sein soll.

Gegenüber der HNA erklärte ein Sprecher lediglich, dass „gegen Lina E. dringender Tatverdacht wegen mehrerer Delikte besteht, unter anderen Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung“. Weil sie damit gegen Paragraf 129 verstoßen haben soll, ermittelt der Generalbundesanwalt zum ersten Mal seit 20 Jahren wieder gegen eine angebliche Linksextremistin.

Der Hauptvorwurf bislang lautete: Mit ihrer mindestens neunköpfigen Gruppe soll Lina E. aus Kassel Anschläge auf eine Kneipe bei Eisenach verübt haben, die von dem mutmaßlichen Neonazi Leon R. betrieben wird und ein Treffpunkt der rechten Szene sein soll.

Laut Welt am Sonntag wird Lina E. aus Kassel vorgeworfen, an diesen weiteren Straftaten beteiligt gewesen zu sein:

  • Im Januar 2019 soll eine fünfköpfige Gruppe im Leipziger Stadtteil Connewitz einen angeblich rechtsradikalen Kanalarbeiter verprügelt haben. Neben Platzwunden erlitt der Mann einen Bruch des Jochbeins und anderer Knochen im Gesicht. Passanten, die eingreifen wollten, soll Lina E. mit einem Pfefferspray abgehalten haben.
  • Im Februar 2020 sollen bis zu 20 linke Personen am Bahnhof im sächsischen Wurzen eine Gruppe Rechtsextremer aus dem Hinterhalt mit Schlagstöcken und Bierflaschen angegriffen haben.
  • Ebenfalls in Wurzen wurde 2018 ein Neonazi und Mitglied der NPD-Jugendorganisation JN auf dem Weg zum Fußballtraining überfallen und schwer verletzt. Der damals 23-Jährige soll zuvor bei einem Angriff von Rechtsradikalen und Hooligans im linken Connewitz beteiligt gewesen sein.

Die beiden Rechtsanwälte von Lina E. aus Kassel wollen sich zu den neuen Vorwürfen vorerst nicht äußern, wie Björn Elberling der HNA sagte. Zuletzt hatte sein Kollege Erkan Zünbül gegenüber unserer Zeitung das „illegale Durchstechen einzelner Aktenteile an ausgewählte Medien“ beklagt. Deswegen hatten die Anwälte Anzeige gegen Unbekannt erstattet. Auch nun landeten Ermittlungsergebnisse in den Medien.

Die beiden Juristen sind zudem der Ansicht, dass die Bundesanwaltschaft für den Fall ihrer Mandantin gar nicht zuständig sei. Ihrer Ansicht nach liegt die dafür notwendige „Gefährlichkeit und Organisiertheit einer mutmaßlichen Vereinigung“ nicht vor. Laut dem Sprecher des Generalbundesanwalts gibt es jedoch eine „besondere Bedeutung des Falles“, daher sei die Karlsruher Behörde zuständig.

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Mutmaßliche Linksextremistin Lina E. aus Kassel: Sie sitzt in der gleichen JVA wie Beate Zschäpe

Wie die NSU-Terroristin Beate Zschäpe sitzt Lina E. aus Kassel in der JVA Chemnitz ein. Ihr Anwalt Elberling sagt: „Die Untersuchungshaft ist schon unter normalen Bedingungen eine große Belastung. Das gilt umso mehr unter Corona-Bedingungen, die die mangelhafte Gesundheitsversorgung hinter Gittern noch verschärfen und die Möglichkeit von Besuchen weiter einschränken.“

Wann die Anklage erhoben werden könnte, ist weiter unklar. Die „Solidaritätsgruppe für Lina“ fordert indes weiterhin die Freilassung der jungen Frau. Bei Twitter macht nach wie vor der Hashtag #FreeLina die Runde. (Matthias Lohr)

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