Bei Sanierung wurden Gräber gefunden

Neuer Altar in Kasseler Karlskirche erinnert an Hugenotten

Pfarrerin Inge Böhle steht hinter dem Altarbereich, der aus hellem Ahorn gefertigt ist. Schreiner Karl Schöberl hat den Abendmahlstisch aus französischen Walnussholz herausgezogen.
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Pfarrerin Inge Böhle steht hinter dem Altarbereich, der aus hellem Ahorn gefertigt ist. Schreiner Karl Schöberl hat den Abendmahlstisch aus französischen Walnussholz herausgezogen.

Der neue Altar in der Kasseler Karlskirche knüpft an die hugenottische Tradition des 1710 eingeweihten Gotteshauses an.

Kassel ‒ Als die Kasseler Karlskirche im Jahr 1710 eingeweiht wurde, war das ein starkes Signal an die hugenottischen Glaubensflüchtlinge. Die hatten nach Jahren der Verfolgung in Kassel eine neue Heimat gefunden. Über Jahrzehnte wurde der Gottesdienst im Wechsel in deutscher und französischer Sprache gehalten. An diese Tradition knüpft der neue Altar der Kirche an, der in einem fast fertig sanierten Gotteshaus steht.

„Ich finde den Altar wunderbar gelungen“, sagt Pfarrerin Inge Böhle. Angefertigt hat das außergewöhnliche Stück der Kasseler Schreinermeister Karl Schöberl (62), der sich bei einem Wettbewerb durchgesetzt hat. Das Besondere an dem Altar: Es handelt sich dabei um zwei Elemente, die aus unterschiedlichem Holz hergestellt sind.

Das Oberteil hat der Schreiner aus einem heimischen Bergahorn gefertigt. Das helle Holz sei ein Symbol für die Menschen, die schon immer hier gewohnt haben. Wie ein Dach schütze es den darunter befindlichen Abendmahlstisch, den man auf kleinen Rollen herausziehen und in den Raum stellen kann. So wie beim Gottesdienst wie ihn die Hugenotten feierten. Dieser Tisch ist aus französischem Walnussholz gefertigt.

Am Sonntag hatte der neue Altar mit dem aus den gleichen Materialien angefertigten und höhenverstellbaren Rednerpult (Ambo) seine Premiere. In einer Kirche, die auch fast drei Jahre nach dem Beginn der Sanierungsarbeiten noch einige Baustellen hat. Es gibt gute Gründe, warum das alles so lange dauert. Zur Erinnerung: Als im Frühjahr 2018 der Fußboden der Kirche geöffnet wurde, entdeckten die Handwerker darunter eine ganze Reihe von Gräbern. Deren Existenz war nach den schweren Beschädigungen des Gotteshauses im Krieg und dem Wiederaufbau in den 1950er-Jahren in Vergessenheit geraten.

An der Empore der Karlskirche und dem gläsernen Vorbau wird weiterhin gearbeitet.

Neben gut betuchten Adligen und Bürgern der Stadt wurde hier unter anderem auch die Tochter des Herkules-Baumeisters Giovanni Francesco Guerniero begraben, die im Kindesalter starb. Die archäologischen Untersuchungen dauerten mehrere Monate, der Baustopp warf den Zeitplan über den Haufen. Von der Baugenehmigung für den neuen, gläsernen Vorbau im Eingangsbereich bis zu Einschränkungen im Ablauf durch Corona gab es weitere Verzögerungen bei den Arbeiten, die 1,4 Millionen Euro kosten.

Doch schon jetzt sieht man, dass die Karlskirche zu einem Schmuckstück in der Kasseler Innenstadt wird. Gottesdienste mit eingeschränkter Besucherzahl finden hier wieder statt. Einen Termin für den Abschluss der Sanierung gibt es aber noch nicht. „Eigentlich hatten wir die Bischöfin für den 6. Dezember eingeladen, aber das wird nichts“, sagt Pfarrerin Inge Böhle. Sie freut sich schon auf die Weihnachtsgottesdienste unter freiem Himmel auf dem Karlsplatz. Und darauf, dass irgendwann auch die sanierte Karlskirche mal wieder komplett mit Menschen gefüllt sein wird. (Thomas Siemon)

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