Stadt muss grünes Licht für Jugendsozialarbeit geben

Neuer Anlauf für KSV-Fanprojekt: Zugang zur Kasseler Fußball-Szene

Treue Fans: Der KSV kann, wie hier beim Pokalspiel gegen Hannover, auf seine Anhänger zählen. Ein Fanprojekt wie in anderen hessischen Fußballstädten gibt es in Kassel bislang aber nicht. Archivfoto: Hedler

Kassel. Von Aachen bis Zwickau sind sie vertreten: Mittlerweile gibt es 54 Fanprojekte in Deutschland, die mit den Fanszenen der unterschiedlichen Fußballvereine arbeiten.

In Hessen gibt es diese Fan-Sozialarbeit, allerdings nur in Frankfurt, Offenbach und Darmstadt.

2012 gab es bereits Bemühungen solch ein Fanprojekt auch für die Anhänger des KSV Hessen Kassel ins Leben zu rufen. Der KSV, der Fanbeauftragte, der DFB, der damalige Innenminister Boris Rhein und die Polizei waren für das Projekt, mit dem vorbeugend gegen Gewalt vorgegangen werden soll. Damals scheiterte das Projekt an der Stadt Kassel, die sich mit 30.000 Euro pro Jahr (davon sollten ein Sozialarbeiter und Räume als Anlaufstelle für Fans bezahlt werden) hätte beteiligen müssen.

Das Thema ist kürzlich wieder bei der Veranstaltung „Fußball und Fankultur in Hessen“ aufgekommen, zu der Innenminister Peter Beuth eingeladen hatte. Der Innenminister befürwortet solch ein Fanprojekt für Kassel, an dem sich das Land mit 25 Prozent der Kosten beteiligen würde (50 Prozent würde der DFB, den Rest müsste die Stadt Kassel tragen). Die Kosten für solch ein Projekt würden zwischen 120.00 und 160.000 Euro liegen.

Kassel verfüge als traditioneller Fußballstandort über eine gewachsene Fankultur mit einem harten Kern in der Fanszene, sagt Marco Krause, Sprecher des Innenministeriums. Damit einhergehend existierten ähnliche Probleme wie an anderen Fußballstandorten.

Zugang zur Szene 

Der bei der Stadt angestellte Sozialarbeiter Dennis Pfeiffer, der in geringem zeitlichen Umfang bereits Fanarbeit leistet, habe einen guten Zugang zur Fanszene, was ausgebaut werden könne, so Krause. „Für die Einrichtung eines Fanprojekts sprechen somit insbesondere die für einen Regionalligisten sehr große Fanszene mit vielen jungen Mitgliedern sowie eine bereits bestehende gute Grundlage in der Fanarbeit. Die Einrichtung eines Fanprojekts würde die Möglichkeiten für präventive Arbeit erweitern.“ Das Land werde erneut bei der Stadt Kassel dafür zu werben, sagt Krause.

Laut Sozialarbeiter Pfeiffer, der derzeit für 25 Stunden pro Monat von der Stadt bezahlt wird, reiche diese Zeit nicht aus, um auch noch präventiv im pädagogischen Bereich arbeiten zu können. Er betreut die Anhänger des KSV zum Beispiel zu Auswärtsspielen und nimmt im Vorfeld Kontakt zu den Fanprojekten der gegnerischen Mannschaften auf. Mit dem Fanprojekt könne auch ein Stück Jugendsozialarbeit in der Kasseler Südstadt angeboten werden. Pfeiffer spricht von 50 bis 100 Anhängern des KSV im Alter zwischen 13 und 23, an die sich das Fanprojekt richten würde. Dabei handele es sich nicht nur um die Ultra-Szene, sondern auch andere junge KSV-Anhänger.

Auch der KSV steht dem Fanprojekt positiv gegenüber. „Es ist gut, wenn man jemanden hat, der neutral an die Sache rangeht“, sagt Geschäftsstellenleiter Torsten Pfennig.

Das sagt die Stadt: 

Nach Angaben von Bürgermeister Jürgen Kaiser (SPD) habe der KSV Hessen Kassel bei Gesprächen im Jahr 2013 zum Ausdruck gebracht, dass man kein Fanprojekt für Kassel haben wolle. Stattdessen habe der Verein um eine direkte Zuwendung des Landes für die Fanarbeit gebeten und diese in Höhe von 10 000 Euro seitdem pro Jahr auch bekommen.

Eine Neuorientierung zum Thema seitens des KSV Hessen sei der Stadt nicht bekannt. „Sollte sich die Situation ändern, werden wir das Gespräch noch mal suchen.“ Laut Kaiser stehen in den Haushalten für 2015 und 2016 aber keine Mittel dafür zur Verfügung. Zudem habe der Städtetag festgelegt, dass es sich bei der Frage nicht um ein Sport-, sondern um ein Jugendthema handele, so der Bürgermeister. Deshalb müsse man über ein Fanprojekt für Kassel übergreifend im Magistrat sprechen.

Das sagt die Polizei: 

Auch die Kasseler Polizei befürwortet das Fanprojekt für die Anhänger des KSV Hessen Kassel. Insbesondere bei Auswärtsspielen wäre es gut, einen festen Ansprechpartner aus der Fanszene zu haben, sagt Andreas Ströh, szenekundiger Beamter im Polizeipräsidium Nordhessen. Die Kommunikation mit der Ultra-Szene sei schwer. Unter den Ultras bestehe eigentlich ein Kontaktverbot zur Polizei. Eins stellt Ströh aber klar: „Nicht jeder Ultra ist gewaltbereit. Viele sorgen auch nur für gute Stimmung im Stadion.“

Weitere Infos zu dem Fanprojekt gibt es hier.

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