Nach dreieinhalb Jahren Umbau und Renovierung

Kasseler Karlskirche wird wiedereröffnet: Neuer Glanz, alter Charme

Das Bild zeigt den Kirchenraum der Karlskirche mit Blick auf die Empore. Sie wurde verlängert und dafür die Treppen versetzt. Darunter ist Platz für einen großzügigen Eingangsbereich samt Nebenräumen entstanden.
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Schlichte Eleganz: Die Empore wurde verlängert und dafür die Treppen versetzt. Darunter ist Platz für einen großzügigen Eingangsbereich samt Nebenräumen entstanden.

Erstmals seit dem Wiederaufbau nach dem Krieg wurde die Karlskirche renoviert und umgebaut: Jetzt wird die ehemalige Hugenottenkirche nach dreieinhalb Jahren Schließung wiedereröffnet.

Kassel – Die letzten Malerarbeiten laufen noch, die Putzkolonne ist bestellt: Am Sonntag wird die evangelische Karlskirche in der Kasseler Innenstadt nach dreieinhalb Jahren Schließung zwecks Umbau und Renovierung feierlich wiedereröffnet. Wir haben vorab einen Blick in das frisch sanierte Gotteshaus geworfen.

Dabei zeigt sich, dass der Charme der 1950er-Jahre, als die kriegszerstörte Karlskirche wiederaufgebaut wurde, erhalten geblieben und mit neuen Glanzpunkten versehen worden ist. Vor allem aber gibt es viele Verbesserungen praktischer und technischer Art. Erste und auffälligste Veränderung ist das Foyer. Der gläserne Vorbau bietet nicht nur Schutz vor Wind und Wetter beim Eintreten, sondern sorgt für einen offenen, einladenden Charakter. Barrierefreiheit ist durch eine Hebebühne gewährleistet, mit der Rollstuhl- oder Rollatorfahrer die zwei Treppenstufen im Innern überwinden können.

Unter der Empore, die in den Kirchenraum hinein verlängert wurde, ist Platz für neue Räume entstanden: Dort sind nun WCs, ein Küsterzimmer sowie ein Abstellraum untergebracht. Durch eine verschiebbare Glaswand kann zudem der Vorraum vom Kirchenschiff abgetrennt werden, der für kleinere Gemeindetreffen oder Veranstaltungen nutzbar ist.

Der Zugang zur Empore erfolgt weiterhin über die geschwungenen 50er-Jahre-Treppen. Sie wurden allerdings versetzt und um zwei Stufen gekürzt – ein baulich anspruchsvolles Unterfangen, das aber dafür gesorgt hat, das der Raumeindruck nur behutsam verändert ist.

Bei der Erneuerung des Fußbodens wartete die größere Überraschung: Dort stießen die Bauarbeiter auf historische Grabstätten, von denen einige aus dem frühen 18. Jahrhundert stammen (wir berichteten). Um die 27 Gräber nicht zu beschädigen, waren für den neuen Betonboden aufwändige Pfahlgründungen nötig. Das trug dazu bei, dass das Bauvorhaben eineinhalb Jahre länger dauerte als geplant und etwa 500 000 Euro teurer wurde.

1,6 Millionen Euro haben Umbau und Sanierung gekostet, den Großteil davon trägt die Kirchengemeinde Mitte selbst. Mit dem Verkauf des ehemaligen Gemeindehauses an der Unteren Karlsstraße wurde der Grundstock gelegt, so Kirchenvorstand Hans Helmut Horn. Dankbar sei man darüber hinaus für Spenden in Höhe von 200 000 Euro, die durch die Stiftung Kirchenerhaltungsfonds verdoppelt wurden.

Nicht nur die Spender dürfen sich nun auf Sternstunden in dem über 300 Jahre alten Gotteshaus freuen: Die neue Deckenbeleuchtung erinnert an einen Sternenhimmel. Auch die Tontechnik wurde erneuert, ebenso wie sämtliche Leitungen, Elektrik, Heizung und Belüftung.

Die langjährige Pfarrerin Inge Böhle, die das Bauprojekt maßgeblich mitgestaltet und auch über ihren Ruhestand hinaus begleitet hat, freut sich über das gelungene Ergebnis. Für alle, die sich davon selbst einen Eindruck verschaffen wollen, ist die Karlskirche kommende Woche geöffnet. Der festliche Gottesdienst am Sonntag mit Bischöfin Beate Hofmann ist aufgrund der begrenzten Platzzahl bereits nahezu ausgebucht. Die Kirche ist geöffnet von Dienstag bis Freitag, 22.-25. Juni, jeweils 16 bis 18 Uhr, sowie Samstag, 26. Juni, 11 bis 13 Uhr. (Katja Rudolph)

1710 für hugenottische Flüchtlinge erbaut

Die Karlskirche wurde für hugenottische Glaubensflüchtlinge aus Frankreich erbaut und im Jahre 1710 fertiggestellt. Landgraf Karl hatte das Gotteshaus im Zentrum der für sie gebauten Oberneustadt errichten lassen. Geplant und erbaut wurde es von dem französischen Architekten und Hofbaumeister Paul du Ry. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Karlskirche in der Bombennacht 1943 stark beschädigt, nur die Außenmauern blieben stehen. Beim Neuaufbau verzichtete man auf die prächtige Kuppel und aufwändige Außenfassade. Außerdem wurde die Ausrichtung der Kirche umgekehrt: Der Altar steht seither im Südosten zur Frankfurter Straße hin gerichtet, der Haupteingang befindet sich im Nordwesten Richtung Karlsplatz. Der Wiederaufbau war 1957 beendet. Damals bekam die Kirche auch ein Glockenspiel. Das Carillon - so der französische Name - erklingt regelmäßig dreimal pro Woche und zum Gottesdienst. 

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