Neuer Impfstoff gegen gefährliche Bakterien Meningokokken B für Kinder

Kassel/Baunatal. Seit zwei Wochen ist ein neuer Impfstoff auf dem Markt. Er soll vor Infektionen durch Meningokokken-Bakterien der Gruppe B schützen. Kinderärzte in Stadt und Landkreis informieren derzeit ihre Patienten beziehungsweise deren Eltern über diese neue Schutzimpfung.

Meningokokken-Bakterien können eine tödlich verlaufende Hirnhautentzündung oder Blutvergiftung auslösen.

Bisher gibt es allerdings noch keine offizielle Impfempfehlung für den Impfstoff. „Die meisten Kollegen sind sicherlich noch abwartend“, sagt Gerhard Bleckmann, Kinderarzt in Baunatal. Er hat bereits an einer Studie zu diesem Impfstoff teilgenommen und auch schon das erste Kind mit dem neuen Novartis-Medikament Bexsero geimpft. Weitere Impftermine für einige Kinder seien vereinbart. Bislang hätten die Krankenkassen eine Kostenübernahme zugesagt.

Dabei handele es sich um junge Patienten, die besonders gefährdet sind, weil sie ein geschwächtes Abwehrsystem haben. Kinder und Erwachsene, die einen schweren Immundefekt oder keine Milz haben, sollten sich mit ihrem Arzt in Verbindung setzen, um über die Impfung zu sprechen, rät Bleckmann.

Bei erhöhtem Krankheitsrisiko könne nach individueller Nutzen-Risiko-Abwägung sinnvoll sein, sagt auch die Ständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut in einer vorläufigen Stellungnahme. Derzeit fehlten zur abschließenden Bewertung für eine mögliche Empfehlung als Routineimpfung noch Daten, heißt es.

Diese Daten werden auch in den nächsten Monaten sicher noch nicht zur Verfügung stehen, sagt Bleckmann, denn dazu müssten wesentlich mehr Kinder geimpft werden.

Gerhard Bleckmann

Die Europäische Zulassungsbehörde sehe derzeit kein erhöhtes Risiko für ernste Nebenwirkungen. Nach einer im Fachmagazin „Lancet“ veröffentlichten Studie mit mehr als 2600 Kleinkindern sei der Bexsero-Impfstoff gut verträglich, und der Impfstoff löse eine Antwort des Immunsystems aus, ist nachzulesen.

Wird er parallel zum Sechsfachimpfstoff gegeben, könne am Impftag höheres Fieber auftreten, hat Bleckmann beobachtet, „das ist aber harmlos.“

Auch wenn Menigokokken-Infektionen selten auftreten (siehe Hintergrund), so können sie Säuglinge schon sehr früh treffen. Zudem kann die Infektion innerhalb weniger Stunden einen dramatischen Verlauf nehmen. Bleckmann: „Die Kinder sind kaum noch zu retten.“

Ein denkbares Impfmodell wäre beispielsweise eine Impfung gegen Meningokokken B und Rotaviren in der siebten Woche. Eine offizielle Empfehlung gibt es aber noch nicht. So müssen Eltern gemeinsam mit Kinderärzten die Entscheidung, ob und wann gegen Meningokokken B geimpft wird, selbst abwägen. (hei)

Hintergrund: 2013 kein Meningokokken-Fall in der Region Kassel

Eine lebensbedrohliche Meningokokken-Erkrankung äußert sich meist als Hirnhautentzündung (Meningitis) und/oder Blutvergiftung (Sepsis). Die Sterblichkeitsrate liegt bei acht Prozent. Zehn Prozent (bis zum 30 Prozent) der Überlebenden tragen Folgeschäden wie Hörverlust, neurologische Schäden, Lernschwächen oder Amputationen mit erheblichen Langzeitfolgen davon. Das höchste Erkrankungsrisiko haben Säuglinge und Kleinkinder. Ein weiterer Krankheitsgipfel liegt bei Jugendlichen zwischen 15 und 19 Jahren. Auch Erwachsene können erkranken und sich auch impfen lassen. In Deutschland traten laut dem Robert Koch-Institut in den Jahren 2010 bis 2012 im Schnitt jährlich 370 Meningokokken-Fälle auf.

In Kassel waren es im Jahr 2010 zwei Fälle eine B-Menigokokken-Hirnhautentzündung, 2011 ein Erkrankungsfall durch Meningokokken Y und ein Fall eines nicht ermittelten Menigokokkenerregers. 2012 gab es eine Meningikokken-Hirnhauterkrankung der Gruppe B, in diesem Jahr gab es noch keinen Fall.

Zu 71 Prozent waren Meningokokken-B-Bakterien die Erreger der Meningokokken-Erkrankungen. Gegen Meningokokken der Gruppe C gibt es bereits seit längerem einen Impfstoff, der in den offiziellen Impfkalender Eingang gefunden hat. (hei)

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa

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