Dr. Burkhard Lohr will Gespräche mit Kritikern intensivieren

Neuer K+S-Chef im Interview: Zu Abraumhalden gibt es keine Alternative

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Dr. Burkhard Lohr.

Ein niedriger Kalipreis und Aktienkurs sowie die ungelöste Entsorgung salzhaltigen Abwassers – K+S hat eine Reihe von Problemen. Ein Interview mit  Vorstandschef Dr. Burkhard Lohr. 

Herr Dr. Lohr, Sie haben vor einigen Tagen das Ruder bei K+S übernommen. Ein niedriger Kalipreis und nach wie vor ungelöste Entsorgungsprobleme im Werra-Revier. Freuen Sie sich wirklich auf den neuen Job?

Dr. Lohr: Ich freue mich sehr auf meine neue Aufgabe. Schon als Kind hat mich der Bergbau fasziniert. Mein Vater war Bergmann. Aber es ist nicht nur die Welt untertage. Die Produkte, die wir bei K+S herstellen, werden wirklich gebraucht. Sie sind Teil von vielen Produkten des täglichen Lebens. Es gibt in der Tat auch einige Baustellen, aber ich sehe auch Lösungen, die wir im Vorstandsteam finden und umsetzen werden.

Apropos Team: Ihrem Vorgänger wird ja ein etwas autoritärer Führungsstil nachgesagt. Sind Sie eher der Teamplayer?

Lohr: Ich bin seit je her ein Mannschaftsspieler beruflich wie privat und natürlich auch im Sport. Ich bin davon überzeugt, dass man mit einem starken, motivierten Team, das wie wir gemeinsame Ziele und Visionen hat, enorm viel erreichen kann.

Fangen wir mal mit den Preisen an. Die dümpeln derzeit um 250 Dollar (225 Euro) je Tonne Standardkali. Richtig auskömmlich ist das vor allem mit Blick auf die teuren deutschen Standorte nicht, oder?

Lohr: Ja, das stimmt, ist aber nur die Hälfte der Wahrheit. Denn Standardkali macht nur die Hälfte unseres Geschäfts aus. Im Werra-Revier produzieren wir vor allem Düngemittelspezialitäten, mit denen wir deutlich höhere Preise erzielen. Zusammen betrachtet, haben wir wesentlich höhere Erlöse je Tonne als die genannten 250 Dollar und erzielen auch deutlich höhere Durchschnittspreise als unsere Wettbewerber. Unabhängig davon beobachten wir seit dem 3. Quartal 2016 einen langsamen Preisanstieg.

Wie hoch sind die Produktionskosten für eine Tonne Standardkali in „Bethune“, der neuen Mine in Kanada?

Lohr: Wenn die gesamte Kapazität von rund 2,9 Mio. Jahrestonnen erreicht ist, werden wir bei 75 Dollar je Tonne Standardkali liegen, vielleicht sogar etwas darunter.

An den deutschen Standorten, vor allem an denen in Hessen und Thüringen plagen sie zusätzlich hohe Investitionen in den Umwelt- und Gewässerschutz, und der Druck steigt, die Abwasserlast weiter zu reduzieren. Wie sieht das Entsorgungskonzept von K+S aus?

Lohr: Wir haben in den vergangenen Jahren 400 Millionen Euro in den Umwelt- und Gewässerschutz im Werra-Revier investiert und sind bereit, nochmals dieselbe Summe dafür in die Hand zu nehmen. Aber ich habe das Gefühl, dass viele das nicht honorieren. Daher sehe ich es auch als meine vorrangige Aufgabe an, unsere Kritiker in vielen Gesprächen davon zu überzeugen, dass wir bereit sind, wirklich viel dafür zu tun, Ökologie und Ökonomie unter einen Hut zu bringen. Das ist eine Mammut-Aufgabe. Mein Hauptjob ist und wird die Kommunikation sein, mit Mitarbeitern, Politik, Kunden und auch Kritikern.

Nochmals: Wie sieht ihr Entsorgungskonzept im Werra-Revier aus?

Lohr: Bis 2021 können wir die flüssigen Rückstände in bestimmten Mengen versenken und in die Werra einleiten. Derzeit prüfen wir, wie es danach weitergeht. Da gibt es hauptsächlich zwei Alternativen: die Einleitung über eine zu bauende Fernleitung an die Oberweser oder die Einstapelung in still gelegte Bergwerke. Ende 2018 wissen wir, welche Variante oder Kombination tragfähig und die technisch bessere ist.

Wir prüfen zudem, wo es weiteres Verbesserungspotenzial gibt. Wir haben viel Know-how im Unternehmen, aber wir arbeiten auch mit externen Fachleuten und Universitäten zusammen. Es ist eine große Herausforderung, Ökonomie und Ökologie in Einklang zu bringen, aber das ist auch unser Wunsch.

Und was ist mit den festen Rückständen, also dem Abraum, der bislang auf riesigen Halden landet?

Lohr: Zur Aufhaldung gibt es weltweit keine Alternative. Um die Umwelteinflüsse so gering wie möglich zu halten, wollen wir die Halden langfristig abdecken.

Wann sehen wir die rückstandsfreie Produktion?

Lohr: Die Verarbeitung von Rohstoffen ist nirgendwo auf der Welt rückstandsfrei möglich. Wie gesagt, wir arbeiten und forschen konsequent daran, zum Wohl der Umwelt Prozesse zu verbessern und neue Wege zu finden.

K+S verändert sich, wo wird das Unternehmen in zehn Jahren stehen?

Lohr: Die Welt ist in Bewegung. Die Märkte werden dynamischer, die Anforderungen unserer Kunden und der Wettbewerb verändern sich. Wir haben ein Projekt aufgesetzt namens „Shaping 2030 – unsere Zukunft gestalten“. Das startet jetzt und soll aufzeigen, wo wir uns in jenem Jahr sehen. Es gibt viele Fragen, aber ich bin überzeugt, dass wir sehr gute Antworten finden werden.

Als erste Lagerstätte wird das Kaliwerk Sigmundshall unweit von Hannover erschöpft sein, wahrscheinlich in zwei bis drei Jahren. Was passiert dort mit den 750 Mitarbeitern?

Lohr: Den Mitarbeitern möchten wir nach Möglichkeit Stellenangebote an anderen Standorten machen. Gute Bergleute sind knapp. Wir werden übrigens auch nach der Schließung noch Mitarbeiter vor Ort brauchen. Und wir prüfen Alternativen. Am stillgelegten Standort Salzdetfurth etwa produzieren wir ein Tierhygieneprodukt für einen US-Konzern.

K+S war bis 2016 im Dax der 30 deutschen Börsenschwergewichte gelistet und ist dann wegen mangelnder Kapitalisierung in den MDax abgestiegen. Wie wichtig ist die Wiederaufnahme in den Dax?

Lohr: Viel wichtiger ist, den Aktienkurs zu steigern. Wenn das dazu führt, dass wir wieder in den Dax aufsteigen, ist das in Ordnung, aber kein Wert an sich. Die Listung im MDax hat keine wirtschaftlichen und sonstigen Nachteile für K+S.

Aber sie haben weniger Aufmerksamkeit an den Finanzmärkten.

Lohr: Der Unterschied ist eher gering.

Zur Person

Dr. Burkhard Lohr wurde in Essen geboren und wohnt heute in Kassel und Haltern am See unweit von Recklinghausen. Er studierte in Köln Betriebswirtschaftslehre und promovierte 2001 in Braunschweig in Staatskunde. 1991 trat der 54-jährige in die damalige Mannesmann AG, zwei Jahre später ging er zum Hochtief-Konzern, wo er bis zu seinem Wechsel nach Kassel vor fünf Jahren blieb. Bei K+S war Lohr zunächst für das Finanzressort sowie Umwelt, Sicherheit, Technik und Entwicklung zuständig. Lohr, ein Borussia-Dortmund-Fan, ist verheiratet und hat zwei Kinder. Der Manager hält sich durch Sport fit.

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