Spielcomputer und Konsolen aus vier Jahrzehnten

Neuer Laden in der Nordstadt: Julia May pflegt Super Mario & Co.

In ihrem Element: Julia May hat Nordhessens erstes Retro-Spiele-Geschäft eröffnet. Auf unserem Foto spielt sie mit der Vectrex-Konsole aus dem Jahr 1982. Foto: Ludwig

Kassel. Noch bevor mit Super Mario in den 1980er-Jahren die wohl berühmteste Videospielfigur das Licht der Pixel-Welt erblickte, hatten Spielcomputer und Spielkonsolen den Siegeszug in Kinderzimmern angetreten. In Nordhessens erstem Retro-Spiele-Geschäft, das am kommenden Samstag in der Nordstadt eröffnet, gibt es Geräte und Spiele aus vier Jahrzehnten.

Darunter Spiele von Atari, Commodore, Schneider, Nintendo, Sega, Sony und vielen weiteren Herstellern

„Flashback“ heißt dieser neue Laden. Die Inhaberin Julia May (29) bedient mit ihrem Angebot den „Retro-Gaming“-Trend. In Zeiten, in denen die Grafiken immer ausgefeilter und die Computerspiele immer komplexer werden, verspüren viele eine große Sehnsucht nach grober Pixel-Optik und knarzenden Tönen.

Als die gelernte Verkäuferin nach dem Abbruch ihres Soziologie- und Geschichtsstudiums an der Uni Kassel ratlos war, sprang sie auf diesen Zug auf. „Julia, du wirst bald 30, du musst dir jetzt mal was überlegen, hab ich mir da gesagt“, erzählt die junge Frau, die im Harz geboren ist.

Sammelt seit ihrer Jugend 

Weil May seit ihrer Jugend begeisterte Sammlerin von Videospielen ist, eröffnete sie vor einem Jahr zunächst einen Onlinehandel. Weil das Geschäft so gut lief und sie inzwischen europaweit Kunden hat, kam die Idee eines eigenen Geschäfts auf. Eine leer stehende Ladenfläche fand sie am Westring 68.

Julia May bezeichnet sich selbst als „Nintendo-Kind“, das von Figuren wie Super Mario, Yoshi, Kirby & Co. nicht genug kriegen kann. Aber in ihrem Laden bietet sie auch geradezu Prähistorisches aus der Spielewelt an. Darunter etliche Exoten wie Telespiele oder die Konsole Vectrex, die 1982 auf den Markt kam. Aber auch aus der jüngeren Vergangenheit gebe es Geräte mit Seltenheitswert, erzählt May. Beispielsweise den Amiga CD32 oder den Virtual Boy von Nintendo aus den 1990er-Jahren, die sich beide nicht am Markt behaupten konnten und von denen deshalb nur noch sehr wenige existieren. Dafür würden zum Teil mehrere Hundert Euro geboten.

Die 29-Jährige kauft die alten Geräte und Spiele vor allem bei Ebay oder auf Flohmärkten. Dass viele Geräte defekt sind, ist für sie kein Problem. Sie hat sich den Umgang mit dem Lötkolben selbst beigebracht und ersetzt kaputte Kondensatoren und Widerstände auf der Platine.

„Man glaubt gar nicht, was einem da alles entgegenkommt, wenn man ein 25 Jahre altes Gerät aufschraubt“, sagt May. Dann mache sie sich daran, die Technik von Staubflusen, klebrigen Kakaoresten und sonstigem Schmodder zu befreien. Solche Restaurierungen und auch der Verkauf von Ersatzteilen, den sie auch anbiete, gebe es anderswo kaum.

Flashback, Westring 68,  Eröffnung am Samstag, 30. August, 14-18 Uhr. Sonstige Öffnung: Mo-Fr 10-12 u. 13- 18 Uhr, Sa 10-14 Uhr. Weitere Informationen gibt es hier.

Von Bastian Ludwig

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