Documenta-Archiv freut sich über Ankauf eines Harry-Kramer-Objekts

Dieses Kunstwerk fällt nie um: Dorothée Rhiemeier, Leiterin des Kulturamts (von links), Dr. Gerd Mörsch, Leiter des documenta-Archivs, und Oberbürgermeister Bertram Hilgen mit dem Objekt „Lolli“ von Harry Kramer. Foto: von Busse

Kassel. Das documenta-Archiv freut sich über eine Neuerwerbung: Ein Stehaufmännchen aus Polyester, das der documenta-Teilnehmer und Kasseler Professor Harry Kramer 1968 geschaffen hat, ist bei einer Auktion in Köln ersteigert worden - dank der Unterstützung von documenta-Forum und HNA-Verleger Dr. Dirk Ippen, wie Oberbürgermeister Bertram Hilgen bei der Präsentation des Kunstwerks betonte.

Kramers Figur heißt „Lolli“, aber mit den gleichnamigen Verkehrshindernissen, die 1993 zur Wahl von Georg Lewandowski zum Kasseler OB beitrugen, hat sie natürlich nichts zu tun.

Eigentlich sei es undenkbar, dass das documenta-Archiv Arbeiten einzelner Künstler erwirbt, betonte Dirk Schwarze (documenta-Forum). In Kramers Fall sei die Ausnahme gerechtfertigt - weil das Archiv den Nachlass des Künstlers beherbergt, der auch durch seine Initiative für eine Künstler-Nekropole im Habichtswald Bekanntheit erlangt hat. Das Objekt „Lolli“, das eine wichtige, aber in Kassel bislang wenig bekannte Phase seines Schaffens repräsentiere, passe wunderbar in diese Sammlung von Kunst, Archivalien und persönlichen Gegenständen. Kramers Witwe hatte zwei Räume im Aschrotthaus in Anlehnung an das Atelier ihres Mannes eingerichtet.

„Dort gibt es bislang keine vergleichbare Arbeit“, sagte Dr. Gerd Mörsch, Leiter des documenta-Archivs. Der für 4000 Euro ersteigerte Lolli hieß zuletzt „Lola“, erzählte Mörsch. So jedenfalls nannte die Eigentümerin aus dem Rheinland, die mit der ein Meter hohen Figur aufgewachsen ist, das Objekt. Als sie es verkaufen wollte, fragte sie im Archiv um Rat. So konnten Kramer-Schüler die Echtheit zertifizieren, auch eine alte Inventar-Karte fand sich, die die Datierung ermöglichte. Die Idee des Ankaufs für Kassel wurde geboren.

Im Inneren der Figur sorgt Blei dafür, dass sie nie umkippen kann, sondern wie eine Boje hin und her wippt, bis sie ihr Gleichgewicht wiedergefunden hat. Mörsch will „Lolli“ mit anderen Kramer-Kunstwerken bei der Museumsnacht im Dock 4 präsentieren.

Das Harry-Kramer-Archiv, Oberste Gasse 24, ist nach Absprache einsehbar: Tel. 0561/4022, documentaarchiv@kassel.de

Von Mark-Christian von Busse

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