Notaufnahme im Klinikum erweitert Kapazitäten

Neuer Schockraum für Klinikum Kassel - Hier werden Leben gerettet

Das ist der neue Schockraum im Klinikum Kassel. Zusehen sind Florian Mühlbauer, Pflegefachliche Leitung (von links), Chefarzt Klaus Weber und Sigrid Krüger, stellvertretende Stationsleitung.
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Hier werden Leben gerettet: Florian Mühlbauer, Pflegefachliche Leitung (von links), Chefarzt Klaus Weber und Sigrid Krüger, stellvertretende Stationsleitung, geben einen Einblick in den neuen Schockraum.

Das Klinikum Kassel hat einen neuen Schockraum - es ist der dritte in der Notaufnahme. In diesem Raum werden Schwerstverletzte versorgt. Wir haben uns darin umgesehen.

Hier geht es um Leben und Tod – meistens zumindest. Patienten, die mit schwersten Verletzungen in die Notaufnahme des Klinikums Kassel gebracht werden, landen in einem sogenannten Schockraum. Zehn bis zwölf Einsätze pro Tag seien nicht ungewöhnlich, sagt Chefarzt Dr. Klaus Weber. 3300 Behandlungen seien es im Jahr. Wegen der hohen Nachfrage ist nun ein dritter Schockraum hinzugekommen.

Gleichzeitig wurde die Zentrale Notaufnahme des Klinikums in Notfallzentrum Nordhessen umbenannt.

Der neue Begriff soll den interdisziplinären Charakter dokumentieren. Für Patienten soll die Bezeichnung griffiger sein. Interdisziplinär geht es im Schockraum tatsächlich zu. Der neue umfasst eine Fläche von 60 Quadratmetern, und er hat laut Klinikum 410 000 Euro gekostet, 190 000 entfallen auf die technische Ausstattung. Und davon gibt es reichlich. Direkt neben dem Behandlungstisch zum Beispiel befinden sich vier Apparaturen: Ultraschall, Beatmung, Infusionstechnik und Narkose-Gerät – ein Wust aus Kabeln, Schläuchen und Monitoren.

Chefarzt Weber, Sigrid Krüger, stellvertretende Stationsleitung, und Florian Mühlbauer, Pflegefachliche Leitung, präsentieren den Raum nicht ohne Stolz. Er hieße deshalb so, weil die Patienten in der Regel unter Schock stünden, erklärt Krüger, die mehr als 30 Jahre in der Notaufnahme tätig ist.

Mit Kollege Mühlbauer weist sie auf Spezial-Equipment hin, etwa auf ein Video-Laryngoskop, ein Gerät, das zum Intubieren verwendet wird und dabei Kamerabilder aus dem Kehlkopf liefert – Kostenpunkt 18 000 Euro. Krüger gibt zudem einen Einblick in Schränke, in denen über Verbandsmaterial, Instrumente bis hin zu Medikamenten alles vorrätig ist. Es müsse ja schnell gehen, sagt die Fachkrankenschwester für Notfallpflege: „Da muss alles sofort griffbereit sein.“

Für Weber ist vor allem der Platz entscheidend. Je nach Komplexität der Verletzung seien zehn und mehr Kollegen gleichzeitig im Einsatz. Das Schlagwort laute Tempo, um eine Diagnose zu erstellen und lebensrettende Schritte einzuleiten. Alles laufe parallel. Wenn etwa ein Patient wiederbelebt werden müsse, „gibt es ein Team, das sich um die Reanimation kümmert. Ein anderes schließt den Patienten an die Herz-Lungen-Maschine an“, sagt Weber. Neben dem Team der Notaufnahme seien dann Kollegen aus der Anästhesiologie, Intensivmedizin, Kardiologie und Herzchirurgie mit am Tisch. „Jeder hat seinen festen Platz.“

Dass der Schockraum in unmittelbarer Nähe zum Röntgen liegt, beschleunige den Prozess der Rettung zusätzlich, ergänzt Krüger. Zugleich würden Blut abgenommen, Abstriche gemacht, venöse Zugänge gelegt, der Patient werde verkabelt, bei extremer Kreislaufschwäche werde stabilisiert: „Es geht um die Frage: Was ist alles verletzt?“, erklärt Krüger. Deshalb stürze sich eine Meute auf den Patienten. In wenigen Minuten müsse feststehen, ob der Patient direkt operiert oder erst mal in der Notaufnahme behalten wird.

Bei etwa 40 Prozent der Einsätze habe der Patient einen Schlaganfall erlitten, sagt der Chefarzt. Ansonsten handele es sich um schwere Unfälle, Herzinfarkte, Schockzustände und auch Blutvergiftungen.

Und gerade bei den Schlaganfällen sei Eile geboten. „Die Patienten können nicht sprechen und sind gelähmt“, sagt Krüger. Steht die Diagnose, werde sofort eine Lyse-Therapie eingesetzt. Dadurch lösten sich Blutgerinnsel im Gehirn auf. Plötzlich spreche der Patient wieder: „Das ist unmittelbar. Dann haben wir ihn gerettet.“ Krüger bezeichnet solche Situationen im Schockraum als Gänsehaut-Moment ihrer Arbeit. (Von Robin Lipke)

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