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Neuer Tattoo-Laden in Kassel: Hier kann man sich im Schaufenster tätowieren lassen

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Von: Stefanie Lipfert

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Unter Beobachtung: HNA-Volontärin Stefanie Lipfert lässt sich bei Cleopatra Ink von Deniz Üsümüs tätowieren. Betreiber Seyit Ali Demir (links) und Redakteur Matthias Lohr schauen von der Wilhelmsstraße aus zu.
Unter Beobachtung: HNA-Volontärin Stefanie Lipfert lässt sich bei Cleopatra Ink von Deniz Üsümüs tätowieren. Betreiber Seyit Ali Demir (links) und Redakteur Matthias Lohr schauen von der Wilhelmsstraße aus zu. © Andreas Fischer

Im neuen Tattoo-Laden Cleopatra Ink kann man sich im Schaufenster tätowieren lassen. Unsere Volontärin hat es ausprobiert. Aber wie lang hält der Tattoo-Trend noch an?

Kassel – „Today is Tattooday“ steht an der Wand des Ladens Cleopatra Ink an der Wilhelmsstraße. Doch heute ist mein letzter Tattoo-Tag – nach zwölf Jahren. Zugleich wird der Termin an diesem Donnerstag eine Premiere sein. Zum ersten Mal werde ich in einem Schaufenster tätowiert. Ich bin den vielen Blicken fremder Menschen ausgesetzt.

Als ich das Studio betrete, sind die Vorbereitungen für meinen Termin schon im vollen Gang. Sorgfältig überzieht meine Tätowiererin Deniz Üsümüs eine der beiden Liegen im Show-Bereich mit Schutzfolie. Der Arbeitsbereich wird komplett desinfiziert. Verbraucherzentralen warnen, dass mangelnde Hygiene in Studios zu Infektionen wie mit Hepatitis führen kann. Hier achtet man darauf.

Neuer Tattoo-Laden in Kassel: HNA-Volontärin macht den Test

Deniz Üsümüs setzt mit ihrer Tattoo-Maschine den ersten Stich an meiner Wade. Ich bin überrascht, kaum etwas zu spüren. Während sie konzentriert Stich für Stich setzt, schaue ich ihr interessiert zu. Immer wieder blicke ich jedoch aus dem Schaufenster und beobachte Passanten. Es ist ein ungewohntes Gefühl, beim Tätowieren den Blicken Fremder ausgesetzt zu sein, aber es fühlt sich gut an.

Mein allerletztes Tattoo-Motiv wird „Sacred Heart“ sein, ein brennendes Herz, das von einem Dornenkranz umspannt ist. Das Heilige Herz steht für hingebungsvolle Liebe, die Flammen symbolisieren Reinigung und Neubeginn. Das Motiv dokumentiert meine Verbundenheit zum christlichen Glauben. Es steht für meinen brennenden Glauben. Schon als Teenager begann die Faszination für die Körperkunst. Mein erstes Tattoo ließ ich mir mit 18 stechen. Aus einem wurden drei, dann zehn und nach zwölf Jahren waren es 64.

Ich bin 30 Jahre alt und habe für meine Leidenschaft etwa 5000 Euro ausgegeben. Mein Körper erinnert an ein Sticker-Album: Überall entdeckt man Motive. Die meisten Tattoos erinnern an alte Zeiten, gute, aber vor allem schlechte. Die letzten Jahre musste ich schwierige Phasen durchmachen, dabei hat mir mein Glaube geholfen. Mit den Tattoos habe ich versucht, vieles zu verarbeiten. Zuletzt habe ich es mit der Körperkunst übertrieben. Ich bin mir nicht sicher, ob man von Sucht sprechen kann.

Neues Tattoo-Studio in Kassel: Im Schaufenster kann man sich hier tätowieren lassen

Dieses Jahr habe ich mich entschieden, meine Vergangenheit hinter mir zu lassen. Dazu zählt auch die Körperbemalung. Mein letztes Tattoo soll für mich mit dem Ballast von gestern abschließen.

Die Reaktionen der Passanten könnten unterschiedlicher nicht sein: Meistens treffen sich unsere Blicke. Manche schauen verlegen weg, der ein oder andere schmunzelt. Einige zeigen ein schmerzverzerrtes Gesicht, andere strecken die Daumen hoch. Bei vielen ist nicht klar, ob es Unverständnis ist oder Faszination.

Nach zwei Stunden ist das brennende Herz fertig. Die Zeit ist wie im Flug vergangen. Der Termin war ein Erlebnis und ein aufregender Abschluss für das Ende meiner persönlichen Tattoo-Ära. (Stefanie Lipfert)

Michael Moore hat eine bewegte Vergangenheit. Er saß im Gefängnis, machte einen Entzug. Nun eröffnet der 32-Jährige ein Tattoostudio an der Frankfurter Straße in Kassel.

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