Kritik: Gewohnte Medikamente nur gegen Aufpreis

Neues Arzneigesetz irritiert die Patienten

Kassel. Viele gesetzlich Krankenversicherte sind irritiert. Seit Jahresbeginn erhalten sie in Apotheken oft andere Medikamente als die gewohnten Pillen - eine Folge des neuen Gesetzes zur Regelung des Arzneimittelmarktes, mit dem Kosten gesenkt werden sollen.

Zwar sind Patienten den Kummer mit dem Austausch ihrer Pillen gewohnt. Doch nun müssen Apotheker noch häufiger zu anderen Präparaten greifen. Besonders ältere Menschen seien regelrecht verzweifelt, berichtet Dr. Edmar Seebach, Sprecher der Apotheker in Stadt und Kreis Kassel. Oft bekämen Ältere, die viele Medikamente einnehmen müssen, alles in neuen Packungen mit neuen Namen. Deshalb steigt in den Apotheken der Aufwand für Aufklärung und Beratung. „Viele Kollegen sind schier überfordert“, sagt Pharmazeut Seebach, der in Lohfelden die Söhre-Apotheke führt. Auf Beipackzetteln der Austauschpräparate steht manchmal nicht mal mehr die Krankheit des Patienten. „Das sorgt für totale Verunsicherung“, hat Seebach beobachtet.

Ärzte haben nur in begründeten Fällen die Möglichkeit, ihren Patienten ein Wunschmedikament zu verschreiben, das dann nicht gegen ein preiswerteres ausgetauscht werden darf. Dem Kasseler Allgemeinarzt Dr. Stefan Pollmächer bereitet es „schlaflose Nächte“, dass er gar nicht mehr weiß, welche Medikamente seine Patienten einnehmen.

Versicherte können nur gegen Aufpreis bei ihrem alten Medikament bleiben. „Davon raten wir aber ab. Die Patienten bezahlen deutlich mehr Geld für ein Medikament, das exakt den gleichen Wirkstoff enthält“, sagt Dr. Wilfried Boroch von der AOK Hessen.

Der Austausch sei keinesfalls immer unbedenklich, erklärt Apotheker Seebach. Medikamente mit gleichem Wirkstoff könnten durch unterschiedliche Hilfsstoffe auch anders wirken.

HINTERGRUND, ZUM TAGE

Von Julia Hohagen und Jörg Steinbach

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