Neues Buch

Wie die Kasseler Widerstand gegen die Nazis leisteten

Ohne ihn hätte es das Kinderkrankenhaus Park Schönfeld nicht gegeben: Die Nazis trieben den jüdischen Arzt Dr. Felix Blumenfeld in den Selbstmord. Foto:  Stadtmuseum / nh

Kassel. Seit Jahr und Tag setzt sich Rolf Wekeck dafür ein, dass diejenigen, die Widerstand gegen die Nationalsozialisten geleistet haben, nicht in Vergessenheit geraten. Jetzt hat der Bauingenieur und ehemalige Mitarbeiter des Kasseler Rathauses ein Buch zu diesem Thema herausgebracht.

Es geht um Plätze, Straßen und Stolpersteine im Kasseler Stadtgebiet, mit denen an Menschen erinnert wird, die Widerstand geleistet haben.

Bei zahlreichen Ostermärschen in Kassel hat der in der Friedensbewegung aktive 68-Jährige schon über Menschen wie Wilhelm Marker, Felix Blumenfeld, Nora Platiel und Hans Sautter informiert.

„Ich habe festgestellt, dass deren Lebensgeschichten viel zu wenig bekannt sind“, sagt Wekeck. Das sei ihm schon vor Jahren in der Jugendarbeit mit den Falken aufgefallen. „Auf meine Frage, wer denn Wilhelm Marker sei, wusste keiner eine Antwort“, sagt der mehrfache Großvater.

RolfWekeck

Deshalb hat er recherchiert und herausgefunden, dass Wilhelm Marker in Niederzwehren wohnte, sich für die Arbeiter bei Credé engagierte, eine Stadtteilzeitung herausbrachte und in der Kommunistischen Partei aktiv war. Die Nazis steckten ihn zunächst ins Gefängnis, später wurde er in das Konzentrationslager Sachsenhausen gebracht. Dort sei er brutal ermordet worden, schreibt Wekeck in seinem Buch. Seiner Frau habe man mitgeteilt, ihr Mann habe Selbstmord verübt. In Niederzwehren gibt es in der Nähe der Lukaskirche eine Straße, die nach Wilhelm Marker benannt ist. Als SPD-Bürgermeister in Harleshausen wurde Wilhelm Lukan ebenfalls von den Nazis verfolgt. „Im Stadtarchiv gibt es keine Zeile über ihn“, sagt Rolf Wekeck. Wilhelm Lukan überlebte unter anderem das Konzentrationslager Breitenau. Nach ihm ist eine Straße in Harleshausen in der Nähe der Regiotram-Trasse benannt.

Mehr Informationen gibt es unter anderem über Felix Blumenfeld. Der war leitender Arzt am Kinderkrankenhaus Park Schönfeld. Die Nazis zwangen ihn, als Lumpen- und Schrottsammler zu arbeiten. Die Schikanen und die Drohung, ihn ins Konzentrationslager zu schicken, zermürbten ihn. Felix Blumenfeld war so verzweifelt, dass er Selbstmord beging. Die nach ihm benannte Straße in Harleshausen liegt zwischen Ahnatalstraße und Eschebergstraße.

An die Juristin und Politikerin Nora Platiel wird auf dem Gelände der Kasseler Universität mit einer Straße erinnert. Über sie hat Rolf Wekeck ebenso Informationen zusammengetragen wie zum Beispiel über Carlo Mierendorff (Straße) und Paula Lohagen (Stolperstein).

Rolf Wekeck: Widerstand gegen die Nationalsozialisten, Erinnern in Kassel, Verlag Winfried Jenior, 96 Seiten, 9 Euro. Lesung am Sonntag, 1. September, 11 Uhr, Café Buch-Oase, Germaniastr. 14.

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