Auch Cineplex soll saniert werden

Neues Großkino in Baunatal: Konkurrenz ist gelassen

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Will Kasseler Kino auch umbauen lassen: Wolfgang Schäfer, geschäftsführender Gesellschafter der Filmtheaterbetriebe Schäfer GmbH, vor dem Kassenbereich im Cineplex.

Kassel/Baunatal. Wolfgang Schäfer, geschäftsführender Gesellschafter der Filmtheaterbetriebe Schäfer GmbH, will nicht nur in Baunatal ein neues Großkino bauen, sondern auch das Kasseler Cineplex-Kino an der Wilhelmsstraße sanieren.

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Als das neue Capitol-Filmtheater im November 2000 mit 1500 Plätzen an der Wilhelmsstraße eröffnet wurde, da war die Skepsis groß: Erst im März 2000 hatte der Ufa-Palast an der Trompete mit 3400 Kinosesseln eröffnet. Verträgt eine Stadt wie Kassel so viele Kinositze, war eine Frage, über die oft diskutiert wurde.

Nicht ohne Grund: Bereits im Oktober 2002 hatte das Traditionsunternehmen Ufa einen Insolvenzantrag stellen müssen. Das Großkino wurde von CineStar übernommen.Jetzt will Wolfgang Schäfer, geschäftsführender Gesellschafter der Filmtheaterbetriebe Schäfer GmbH, die seit zehn Jahren das Großkino an der Wilhelmsstraße in Kooperation mit Cineplex Deutschland betreibt, ein weiteres Großkino mit 600 bis 700 Plätzen in Baunatal errichten.Bei der Konkurrenz sorgt das offenbar nicht für Aufregung. CineStar-Geschäftsführer Stephan Lehmann erklärte auf Anfrage: Pläne zur Eröffnung eines Multiplex in der Nähe von Kassel sehe man gelassen. „Die Besucherzahlen unseres Filmtheaters haben sich über die Jahre hinweg solide entwickelt und folgen im Großen und Ganzen immer den Branchentrends.“ Die Kinosäle in Kassel würden teilweise von Unternehmen für Präsentationen gemietet. „Zudem bieten wir in Kassel natürlich auch unsere Live-Übertragungen, wie etwa aus der MET (Metropolitan Opera, New York), an. Diese werden immer sehr gut angenommen.“Burkhard Hofmann (Filmladen, Bali-Kinos, Gloria und Open-Air-Kino) sagt, dass das Kino in Baunatal „keine Konkurrenz“ darstelle, da dort wohl nur „Mainstream-Filme“ laufen würden. Die Programmkinos seien von vier bis fünf Filmen im Jahr abhängig, „die funktionieren“, sagt Hofmann. In den vergangenen fünf Jahren habe man immer zwischen 130 000 und 140 000 Zuschauer gehabt.

Die Entscheidung, in Baunatal ein „Kulturzentrum“ zu errichten, habe man nicht aus dem hohlen Bauch getroffen, sondern nach Marktanalysen, sagt Schäfer. Im Kasseler Cineplex, wo es seit dem Jahr 2008 im Durchschnitt 380 000 Besucher pro Jahr gebe, sei man an die Kapazitätsgrenzen gestoßen. Da es hier nur sieben Säle gebe, könne man etwa 40 bis 60 Filme pro Jahr nicht spielen. Ein erweitertes Angebot soll mit dem neuen Standort möglich werden. Alle Angebote würden zwischen Kassel und Baunatal koordiniert. In Kassel wolle man dem kulturell anspruchsvollen Publikum gerecht werden, indem man das hochwertige kulturelle Programm ausbaue.

Schäfer will aber nicht nur am Europaplatz in Baunatal Neues schaffen, sondern auch den Kasseler Standort umbauen. Im ersten Abschnitt würden Foyer, Kinohalle und sanitäre Anlagen neu gestaltet, danach steht die Umgestaltung der Kinosäle auf dem Plan.

Über die Höhe der Investitionen will Schäfer keine Angaben machen. Er sagt nur: „Seit 14 Jahren gibt es in Kassel diesen Wettbewerb unter den Kinos. Alle haben gesagt, das funktioniert nicht. Wir leben aber immer noch alle drei.“

Von Ulrike Pflüger-Scherb

HNA-Umfrage zum geplanten Großkino in Baunatal

Wie kommt das in Baunatal geplante große Kino- und Kulturzentrum bei unseren Lesern an,wollten wir in einem Voting wissen. Das Ergebnis unserer Umfrage, die nicht repräsentativ ist, aber doch ein Stimmungsbild ergibt: Die Mehrheit von 53,4 Prozent (175 Stimmen) findet, dass es in der Region bereits genügend Kinos gibt. Da sei für ein weiteres Projekt kein Platz. 46,6 Prozent (153 Stimmen) sind davon überzeugt, dass ein Großkino eine Bereicherung für Baunatal sei und sicher gut angenommen werde.

Wie berichtet, will die Filmtheaterbetriebe Schäfer GmbH (FTB) spätestens Anfang des kommenden Jahres mit den Bauarbeiten zu einem modernen Kino- und Kulturzentrum beginnen. Standort wird ein Grundstück am Europaplatz gegenüber dem Rathaus an der Friedrich-Ebert-Allee sein. Die Stadt Baunatal wird das Grundstück an die Filmtheaterbetriebe Schäfer verkaufen, die als Bauherr fungiert.In Baunatal entstehen nach den Plänen des Investors zunächst sechs Kinosäle mit 600 bis 700 Plätzen. Der Kino- und Kulturkomplex an der Friedrich-Ebert-Allee soll im zweiten Halbjahr 2015 eröffnet werden. (swe)

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