Neues Info-System schafft kurzen Draht zwischen Rettern und Kliniken

Krankenhauskapazitäten immer im Blick: Christoph Seifert schaut auf dem Bildschirm die Klinikliste durch. Verfügbare Behandlungsmöglichkeiten werden mit grünen Balken angezeigt. Foto: Dilling

Kassel. Schwerer Verkehrsunfall, der Notfallpatient hat mehrere Brüche: Da reicht die Info über ein freies Bett im Krankenhaus nicht. Ein neues System soll jetzt vieles besser machen - und den Notärzten Informationen darüber geben, ob ärztliche Spezialisten und Behandlungsgerät in der Klinik zur Verfügung stehen.

Bisher hat das den Rettungsdiensten wegen dieser fehlenden Informationen Probleme bereitet und oft viele Telefonate mit den Kliniken gekostet. „Wir haben manchmal Notfälle bis zu einer Stunde auf der Straße stehen gehabt“, sagt Jürgen Barchfeld, Sachgebietsleiter bei der Kasseler Berufsfeuerwehr.

Dank eines internetgestützten Informationssystems namens Ivena (Interdisziplinärer Versorgungsnachweis) sollen Notfallpatienten künftig wesentlich schneller zur richtigen Klinik mit maßgeschneiderter medizinischer Versorgung gebracht werden. Möglich macht das ein ständig aktualisierter Datenaustausch zwischen der Kasseler Rettungsleitstelle und den Kliniken über verfügbare Behandlungskapazitäten. Das System wird momentan in der Rettungsleitstelle eingeführt. Irrfahrten eines Rettungswagens auf der Suche nach einem geeigneten Krankenhaus sollen damit bald der Vergangenheit angehören.

„Es war am Anfang allerdings nicht leicht, die Krankenhäuser zu überzeugen, etwas mehr Transparenz zu zeigen.“

Nach einem 2010 gestarteten, erfolgreichen Pilotprojekt im Frankfurter Raum werde Hessen als erstes Bundesland überhaupt das Informationssystem flächendeckend einführen, sagte Sozialminister Stefan Grüttner (CDU) während der Präsentation von Ivena in der gemeinsamen Rettungsleitstelle der Stadt und des Landkreises Kassel. In Nordhessen sei Kassel dabei Vorreiter. Kreis und Stadt koste das neue System keinen Euro, sagte der Minister. Die Krankenkassen trügen die Anschaffungskosten von 18 500 Euro und die monatlich anfallenden Entgelte von 750 Euro durch eine marginal erhöhte Rettungsdienstgebühr.

Schließlich könne eine bessere Notfallversorgung später weitere Behandlungskosten ersparen. „Es war am Anfang allerdings nicht leicht, die Krankenhäuser zu überzeugen, etwas mehr Transparenz zu zeigen“, sagte Grüttner. Bisher haben sich neun Kliniken, darunter das Klinikum Kassel, das Rot-Kreuz-Krankenhaus und fünf Häuser im Landkreis, dem System angeschlossen. Die Retter haben aber auch landesweit Zugriff auf weitere Kliniken.

Hintergrund: Neun Kliniken beteiligen sich

Die Teilnahme der Krankenhäuser am neuen Informationssystem Ivena ist freiwillig. Bislang beteiligen sich neun Kliniken daran. In der Stadt und dem Landkreis gibt es insgesamt 18 Kliniken und zwei Reha-Einrichtungen.

Laut Jürgen Barchfeld von der Kasseler Berufsfeuerwehr sind die Rettungsdienste vergangenes Jahr 81 000 Einsätze gefahren, 50 000 davon waren Notfall-Fahrten. Die 47 Rettungswagen und Notarzteinsatzfahrzeuge sind auf 18 Rettungswachen in der Stadt und im Landkreis Kassel verteilt.

Noch dieses Jahr sollen 13 der 25 Rettungsleitstellen in Hessen mit dem Krankenhaus-Informationssystem ausgerüstet sein. (pdi)

Von Peter Dilling

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.