Telekom will Telefonzelle abbauen – Kostenloses Angebot soll im Stadtteil bleiben

Neues Kapitel für Bücher

Findet die Bücherzelle an der Querallee gut: Marius Pape freut sich über das Angebot. Foto: Herzog

vorderer westen. Die Tage der Bücherzelle an der Querallee sind gezählt: Die Telekom will das Telefonhäuschen abbauen lassen, das als Leihbücherei dient. Das Angebot erfreut sich im Vorderen Westen großer Beliebtheit.

„Wir freuen uns darüber, dass es so gut angenommen wird“, sagt Dorothea Kröll. Sie sei erstaunt, wie viele Bücher dort entnommen und abgegeben würden. Gemeinsam mit Lisa Hochmuth hat sie die Bücherzelle im Frühjahr ins Leben gerufen. Die beiden Frauen aus dem Stadtteil haben das Angebot unter das Motto „Geben und nehmen“ gestellt.

Doch die Zeit der ungewöhnlichen Leihbücherei, die als Tauschgeschäft funktioniert, läuft ab. Die Telekom will alle Telefonzellen abbauen, die nicht mehr in Betrieb sind. „Das trifft in Kassel wie andernorts zu“, sagt der für die Region zuständige Telekom-Pressesprecher George-Stephen McKinney. „Das hat haftungsrechtliche Gründe. Wenn jemand die Scheibe eintritt und ein anderer verletzt sich, sind wir haftbar.“ Die Telekom könne sich dem auch nicht durch Schenkung oder Verkauf entziehen, sagt der Pressesprecher. „Deshalb bauen wir solche Zellen ab.“ Für die Bücherzelle gebe es auch genügend Alternativen, wie Beispiele andernorts zeigten.

Im Vorderen Westen sucht man nun nach einer Lösung. „Wir sind in der Zwickmühle“, sagt Wolfgang Rudolph, Ortsvorsteher und Mitglied des Vereins Kassel-West. „Eigentlich bräuchten wir eine neue Zelle.“

Vorbild könnte das Bücherhäuschen in Frankenberg sein. Dort hat der Lions-Club in Absprache mit der Stadt in der Fußgängerzone eine mit Büchern bestückte alte Telefonzelle aufgestellt, die er übers Internet erworben und neu lackiert hatte. „Wir haben mit der Telekom gar nichts zu tun gehabt“, sagt Jörg Braun, Vorsitzender des Fördervereins. Haftungsrechtliche Probleme habe es nicht gegeben.

Die Initiatorinnen der kostenlosen Leihbibliothek im Vorderen Westen wollen das Angebot auf jeden Fall beibehalten. Gemeinsam mit dem Ortsbeirat und dem Verein Kassel-West denken sie nun über Alternativen und andere Standort nach. Man wolle handeln, bevor die Zelle von der Telekom ausgeräumt wird, sagt Dorothea Kröll.

In der ersten Hälfte des neues Jahres soll eine Lösung gefunden sein. Die Bücherzelle sei „ein Renner“, sagt Kröll. Alle drei Tage sei der Bestand komplett umgesetzt. „Das ist ein Selbstläufer.“

Von Ellen Schwaab

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