Onlinehandel verändert Einkaufsgewohnheiten

Neues Konzept soll bei der Markthalle für Schwung sorgen

Ideen gesucht: Die Kasseler Markthalle soll für die Zukunft fit gemacht werden. Dazu gehört ein Konzept, mit dessen Hilfe der Schwund bei den Marktbeschickern gestoppt und neue Stände gewonnen werden sollen. Foto: Schachtschneider

Kassel. Für die Kasseler Markthalle an der Tränkepforte wurde eine Lenkungsgruppe gegründet, die den Marktbetrieb im denkmalgeschützten Marstall  fit für die Zukunft machen soll.

Das Betreiberkonzept für die Markthalle steht im Jahr 2017 zur Neuverhandlung an. Sie wird von den etwa 70 Marktbeschickern selbst geführt, die sich in einer Betriebs-GmbH zusammengeschlossen und das Gebäude von der Stadt gepachtet haben.

Auf Initiative von Markthallen-Geschäftsführer Andreas Mannsbarth haben sich Vertreter der Stadt, der Industrie- und Handelskammer, der Handwerkskammer, der Universität Kassel sowie der Marktbeschicker in der Lenkungsgruppe zusammengeschlossen. Bei dem Gründungstreffen im Rathaus umriss Mannsbarth die Problematik: Der Onlinehandel und die fast 24 Stunden geöffneten Supermärkte würden die Einkaufsgewohnheiten verändern.

Zugleich gebe es Sorgen, in Zukunft noch Interessenten für frei werdende Marktstände gewinnen zu können. Das spiegelt sich derzeit in einigen Lücken in den Marktstandzeilen wider. Andererseits sagte Mannsbarth, er glaube, dass die Kasseler Markthalle mit ihrem frischen und vielfältigen Sortiment, das alle Sinne anspreche, „besonders gute Chancen am Markt“ habe.

Auf dem Weg zu einem zukunftsweisenden Betriebskonzept soll es am 24. März nächsten Jahres eine Tagung von Markthallenbetreibern aus ganz Deutschland in Kassel geben, kündigten die Partner an.

Andreas Mannsbarth

Impulse für neue Markthallenaktivitäten sollen außerdem aus Kassels Städtepartnerschaftsprogramm kommen. Für das Frühjahr kündigte Stadträtin Brigitte Bergholter eine Aktion „So schmeckt Florenz“ im Marstallgebäude an. Dabei solle es typische Produkte der italienischen Partner, Unterhaltung und besondere Gastronomie für die Markthalle geben; im Gegenzug würden die Florentiner mit Spargel aus Nordhessen beliefert. Für den Herbst 2014 sei eine weitere kulinarische Austauschaktion mit den Freunden in Rovaniemi geplant.

Handwerks-Geschäftsführer Eberhard Bierschenk kündigte eine Initiative an, bei der Nachwuchskräfte aus dem Fleischer-, Bäcker- und Konditorenhandwerk ihr Herz fürs Markthallengeschäft entdecken sollen: Ab Sommer 2014 sollen Azubis aus diesen Bereichen einen Marktstand eigenverantwortlich betreiben und kreativ gestalten. „Wir überlegen, den Auszubildenden Zusatzqualifikationen in Marketing und Vertrieb mit Extra-Zertifizierungen in der Markthalle anzubieten“, sagte Bierschenk.

Die Universität Kassel will mit ihren Fachbereichen Agrar- und Lebensmittelmarketing sowie Architektur und Stadtplanung weitere Impulse für eine Attraktivitätssteigerung der Markthalle geben.

Landgräflicher Marstall ist seit 1965 Sitz der Markthändler

Der landgräfliche Marstall, Sitz der Kasseler Markthalle, wurde im Zweiten Weltkrieg total zerstört. 1955 überließ das Land Hessen die Ruine kostenlos der Stadt Kassel, die das Gebäude nach historischem Vorbild wieder aufbaute. Ab 1965 zogen dort die Marktbeschicker ein, die ihre Waren zuvor eineinhalb Jahrhunderte lang auf dem Königsplatz feilgeboten hatten. Im Jahr 1994 wurde die Markthalle umfassend umgebaut: Die beiden Stockwerke wurden durch eine zentrale Treppe miteinander verbunden. Über diesem Bereich erhielt das Gebäude eine teilweise Dachverglasung, sodass nun auch Tageslicht in das Untergeschoss fällt.

Auch die Verkaufsstände wurden modernisiert. Damit der teure Umbau finanziert werden konnte, übertrug die Stadt das Gebäude in den Besitz der Baugrund Hessen-Thüringen GmbH - eine Tochter der Hessischen Landesbank - und least es seither langfristig zurück. Die Leasingraten refinanziert die Stadt über Pachteinnahmen von der Markthalle Kassel Betriebs-GmbH. Deren Gesellschafter sind der größte Teil der derzeitigen Markthallenbeschicker sowie einige ältere Berufskollegen, die sich bereits aus dem Geschäft zurückgezogen haben. Der aktuelle Pachtvertrag läuft bis zum Jahr 2017. (asz)

Von Axel Schwarz

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.