Testphase von Start-up Rezzeat läuft an

Runde Sache für die Umwelt: Mehrwegsystem für Pizzabringdienste aus Kassel

Sie bieten wiederverwertbare Pizzaverpackungen als Alternative an: (von links) Gianluca Luciano (Pizzeria Solo), Maximilian Goricki (Rezzeat), Alica Goedecke (Rezzeat) und Wolfram Deppe (Dinos).
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Sie bieten wiederverwertbare Pizzaverpackungen als Alternative an: (von links) Gianluca Luciano (Pizzeria Solo), Maximilian Goricki (Rezzeat), Alica Goedecke (Rezzeat) und Wolfram Deppe (Dinos).

Eine Kasseler Firma hat eine Mehrverpackung für Pizzas entwickelt. Diese wird nun vor Ort getestet. Später soll das System deutschlandweit eingeführt werden.

Kassel – Der Corona-Lockdown war die Stunde der Lieferdienste. Gleichzeitig sorgte dies für eine riesige Menge Verpackungsmüll. Darüber machte sich auch Maximilian Goricki seine Gedanken, der beim Kasseler Recycling-Unternehmen General-Industries arbeitet. 435 Millionen Pizzakartons landeten jährlich in Deutschland im Müll, so Goricki. Mit dem Start-up Rezzeat und einem Mehrwegsystem für Pizzabehälter will er nun eine Alternative bieten. In der Kasseler Pizzeria Solo und bei Dinos Pizzataxi läuft ab Mitte November die Testphase.

Am Anfang stand die Entwicklung einer mehrfach verwendbaren Pizzabox, die darüber hinaus die runde Ware auch länger warm halten soll als übliche Kartons. Luftlöcher sorgen dafür, dass die Pizza nicht watschelig wird. Weil das in Waldau ansässige Unternehmen General-Industries viel Erfahrung mit EPP-Kunststoffen hat, setzte man auf dieses sogenannte expandierte Polypropylen. Das Material sei leicht recycelbar und deshalb umweltfreundlich, so Goricki. Schließlich wurde Rezzeat gegründet – eine Tochter der General-Industries, die die neuen Pizzaboxen deutschlandweit vertreiben wird.

Das Prinzip unterscheidet sich von vielen Pfandsystemen, die bislang auf dem Markt sind. Es läuft alles digital und bargeldlos. Der Kunde kann bei seiner Bestellung auswählen, ob er eine Einweg- oder Mehrwegverpackung wünscht. Wählt er die mit einem QR-Code versehene Mehrwegbox, zahlt er dafür zunächst keine Pfandgebühr. Erst wenn er die Box nach 14 Tagen nicht in einem der angeschlossenen Partnerbetriebe zurückgibt, werden zehn Euro von seinem Konto abgebucht. Zuvor gibt es aber eine Erinnerungs-Email an den Kunden, sagt Maximilian Goricki.

Rezzeat stellt den Filialen, die sich beteiligen, entsprechende Industriespülmaschinen zur Verfügung. So können die Boxen bis zu 100 Mal genutzt werden. Anschließend werden sie recycelt. Die Pizzerien zahlen für die Nutzung der Boxen eine Miete. „Aber für Einwegboxen haben wir schließlich auch Ausgaben“, sagt Wolfram Deppe von Dinos Pizzataxi.

Neben der Bio-Pizzeria Solo sind die vier Kasseler Dinos-Filialen zunächst die einzigen Anbieter des Systems. Bis Januar soll die Testphase laufen. „Wenn es gut läuft, wollen wir das Produkt anschließend deutschlandweit ausrollen“, sagt Goricki.

Für Gianluca Luciano von der Pizzeria Solo war neben dem Umweltgedanken auch eine rechtliche Neuregelung entscheidend für die Einführung der Mehrwegbox. Denn ab Januar 2023 gilt die Mehrwegpflicht. Das heißt, fast alle Gastronomen – außer kleine Betriebe – müssen wiederverwertbare Behälter alternativ anbieten.

Die Rezzeat-App für die Ausleihe der Boxen steht Mitte November für Apple- und Android-Geräte bereit. (Bastian Ludwig)

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