Kassel-Platt

Neues Mundart-Wörterbuch mit über 3000 Begriffen ist nun online

Stellten Lexikon vor: Hartmut Müller (links) und Daniel Stein präsentierten das neue Wörterbuch der Kasseler Mundart. Foto: C. Hartung

Kassel. „Mäh hons, mäh kons“, sagt Mundartexperte Hartmut Müller. Wer jetzt nicht weiß, dass das „Wir haben’s, wir können’s“ bedeutet, kann das jetzt im Internet nachschlagen. Am Mittwoch wurde das neue digitale Wörterbuch der Kasseler Mundart im Brüder-Grimm-Museum vorgestellt.

Student Daniel Stein, der derzeit in München promoviert, hat mit Unterstützung von dem Texttechnologen Daniel Jettka aus Bielefeld innerhalb eines guten halben Jahres das einstige Wörterbuch von August Grassow (1825 - 1900) digitalisiert. 1952 wurde das Werk, nach jahrelangem Schriftverkehr mit der Stadt, von Paul Heidelbach (1870 - 1954) zum ersten Mal veröffentlicht. Er hätte sicherlich auch nicht gedacht, dass sein „Schmerzenskind“ 61 Jahre später der ganzen Welt auf einer Internetseite zugänglich gemacht würde.

„Hahnebambel und Hänfderling“ nannte Hartmut Müller bei seiner Ansprache vor den rund 30 Gästen im Magistratssaal als Beispiele für Worte, die man im neuen Mundartlexikon findet. Über die Suchfunktion hat man auch gleich die Erklärungen: Der Hahnebambel ist ein moralisch unselbstständiger Mensch, der Hänfderling ein Hänfling, also eine Person von schwächlicher Statur.

Neben der praktischen Wörtersuche, bei der man selbst ein Wort eintippen und übersetzen lassen kann, gibt es auch eine Einteilung in unterschiedliche Kategorien. Den „Ladderhannes“ (Umhertreiber) findet man bei den Schimpfwörtern, „Owwen“ (Ofen) und „Owest“ (Obst) in der Kategorie Küche. Über 3000 Worte und Ausdrücke stehen im Lexikon.

„Darunter sind aber auch viele historische Begriffe“, betonte Stein. Zudem enthalte es auch Ausdrücke, die Grassow damals nicht aufgenommen habe: „Ahle Worscht konnten wir einfach nicht weglassen“, lachte Stein.

Das Wörterbuch gibt’s im Internet unter www.nordhessisch.de und unter www.dwkm.de

Beispiele aus dem Mundart-Wörterbuch

Allerdchen: Kind oder auch kleine Person, die „allerde“ (munter, flink) ist.

Blauschärzelwasser: durch Wasser verdünnte oder sehr schlechte Milch

Belzhänschen: Pelzhandschuhe.

Von Carolin Hartung

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