Der „Sonderwagen 4“ von Thyssen soll abgelöst werden

Neues Polizeifahrzeug aus Kassel: Eine Festung auf Rädern

Survivor R in Polizei-Ausführung: So sieht die fahrende Festung aus, die Rheinmetall-Spezialisten aus Kassel mit entwickelt haben. Fotos: nh

Kassel. Die deutsche Polizei rüstet auf. Der Survivor R von Rheinmetall könnte der Nachfolger für die bisherige Generation gepanzerter Einsatzfahrzeuge werden.

Zunehmende Terrorgefahr und Radikalisierung von Rechten sowie wachsende Gewaltbereitschaft extremistischer Gruppen: Die deutsche Polizei muss aufrüsten. Dazu gehört auch eine neue Generation von gepanzerten Fahrzeugen. Diese Generation soll den Mitte der 1980er-Jahre eingeführten „Sonderwagen 4“ von Thyssen (TM 170) ablösen. 

Der Survivor R (Überlebender) von Rheinmetall könnte der Nachfolger für die Flotte gepanzerter Einsatzfahrzeuge der Bundespolizei, aber auch der Sondereinsatzkommandos (SEK) der Länderpolizeien werden.

Das Zeug jedenfalls hat das am Rheinmetall-Standort Kassel mit entwickelte Fahrzeug mit permanentem Allradantrieb und einem zulässigen Gesamtgewicht von 15  Tonnen. An der speziellen Stahlpanzerung und den zehn Zentimeter dicken Panzerglasscheiben prallen Pistolenkugeln wie Regentropfen ab, Maschinengewehrsalven hinterlassen allenfalls ein paar hässliche Kratzer im Lack, und selbst Handgranaten können dem Survivor nach Herstellerangaben nichts anhaben.

Die Festung auf Rädern basiert auf dem mittelgroßen Baustellen-Laster der Baureihe TGM 18.330 des Münchner Lkw-Bauers MAN, der das Chassis samt Antrieb liefert. Der österreichische Spezialfahrzeugbauer Achleitner versieht den Lkw mit einer Sicherheitszelle aus Panzerstahl, gepanzertem Unterboden und Motor.

Extreme Steigungen: Überhaupt kein Problem für den Survivor.

Die Kasseler Militärtechnik-Profis steuern das Innen- und Außendesign des Survivors bei, der bis zu zehn Passagiere aufnehmen kann. In Kassel wird das Fahrzeug erprobt, und von hier aus soll es auch vertrieben werden. Denn bislang gibt es lediglich einen Prototyp, der sich meist auf Werbefeldzug bei Bundes- und Landespolizei befindet.

Derzeit werden in mehreren Bundesländern sowie bei der Bundespolizei Ausschreibungen vorbereitet. Sollte Rheinmetall den Zuschlag für eine kleine Serie – etwa einige Dutzend Fahrzeuge für die Bundespolizei – erhalten, würden diese nach Angaben von Rheinmetall-Vertriebsleiter Klaas Krause in Kassel gebaut. Bei Einzelbestellungen – etwa für Landespolizeien – würde Achleitner liefern. Denn die beiden Kasseler Rheinmetall-Werke sind für größere Stückzahlen ausgelegt. Aber soweit ist es noch nicht. Denn mit einem ähnlichen Fahrzeug namens Dingo auf Basis des Unimogs des Daimler-Konzerns ist mit dem Kasseler Panzerbauer Krauss-Maffei Wegmann (KMW) ein starker Wettbewerber am Start.

500.000 Euro kostet ein Polizei-Survivor in der Basisausstattung. Mit einer Reihe von Extras wie einer hermetischen Abriegelung gegen atomare, biologische und chemische Kampfstoffe, Nebelanlage, High-Tech-Kommunikations-Schnittstellen, Sensoren, Räumschild gegen Barrikaden und vielen anderen Besonderheiten können schnell auch zwei Mio. Euro je Exemplar zusammenkommen.

Der Survivor ist kaum einnehmbar und schwer zu stoppen. Auf der Straße schafft der rollende Bunker 100 km/h und ist zudem voll geländetauglich. Auch Wassergräben und Bachläufe bis zu 1,20 Metern Tiefe sind kein Hindernis für den modernen Kraftprotz und Alleskönner.

Kräftig und geländegängig

Der Survivor beeindruckt nicht nur durch sein martialisches Aussehen, sondern auch durch seine Leistungsdaten. Nachfolgend eine Auswahl:

Motor:

MAN, 6,9 Liter,

Sechszylinder

Leistung:

330 PS

Drehmoment:

1250 Nm

Tempo:

max. 100 km/h

Treibstoff:

Diesel

Verbrauch:

23 Liter, im

Gelände bis zu 50 Liter

Reichweite:

bis zu 800 km

Emissionsklasse:

Euro 3 bis Euro 6

Leergewicht:

10,9 Tonnen

Zuladung:

4,1 Tonnen

Gesamtgew.:

15 Tonnen

Wendekreis:

18 Meter

Steigfähigkeit:

gut 60 %

Querneigung:

gut 30 %

Watfähigkeit:

1,2 Meter

Getriebe:

ZF/MAN, Automatik, 12

vorwärts-, 2 rückwärts

Reifen:

Michelin 365/85 R20

Länge:

6,50 Meter

Breite:

2,50 Meter

Höhe:

2,70 Meter

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