Kassels Behindertenbeirat kritisiert: Das ist nicht barrierefrei

Kassels neues Rathaus ohne Türöffner

So soll es aussehen: das Rathaus, vom Karlsplatz aus betrachtet, nach den Entwürfen des Berliner Architekturbüros Bolwin Wulf.
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So soll es später einmal aussehen: das Kasseler Rathaus, vom Karlsplatz aus betrachtet, nach den Entwürfen des Berliner Architekturbüros Bolwin Wulf.

Die Barrierefreiheit des Rathausflügels an der Karlsstraße, der zurzeit für 36 Millionen Euro saniert wird, könnte einen gravierenden Mangel aufweisen: Im Gebäude sind nach der bisherigen Planung keine vollautomatischen Türöffner vorgesehen.

Kassel ‒ „Das ist nicht barrierefrei“, sagt der Vorsitzende des Behindertenbeirats, Helmut Ernst, zu den Rathaus-Umbauplänen. Ziel von Barrierefreiheit sei, dass sich jeder ohne fremde Hilfe bewegen könne. Geschlossene Türen stellten für viele unüberwindbare Hindernisse dar.

Da in dem Gebäudetrakt unter anderem das Sozialamt untergebracht sein wird, befürchten die Mitglieder des Behindertenbeirats eine Beeinträchtigung und damit Diskriminierung von Rollstuhlfahrern und anderen Menschen, die in ihrer Bewegung eingeschränkt sind.

Das Gremium, das sich soeben konstituiert hat, hatte das Thema „Sanierung des Rathauses“ auf die Tagesordnung seiner ersten Sitzung gesetzt und damit unterstrichen, welche Bedeutung es ihm beimisst. Axel Jäger, der Leiter des Amts für Hochbau und Gebäudewirtschaft, stellte nun dem Beirat das umfangreiche Konzept für die Barrierefreiheit im neuen Rathaus vor: von barrierefreien Toiletten, die es in jeder zweiten Etage geben wird, über taktile Kennzeichnungen bis zu doppelten Handläufen bei Treppen.

Für manche eine Barriere: eine „Leichtlauftür“ im Rathaus.

Türen, die sich automatisch öffnen, wenn man sich ihnen nähert, zählte er nicht auf. Es werde sie lediglich im Eingangsbereich geben, so wie jetzt bereits. „Es darf nicht sein, dass ein Rollstuhlfahrer nicht unmittelbar ins Rathaus gelangen kann, wenn er dies wünscht, und unter Umständen draußen im Regen steht“, sagte er.

Innerhalb des neuen Gebäudes an der Karlsstraße werde es jedoch keine automatischen Türöffner geben. Als Argument gab Jäger hohe Kosten, große Wartungsanfälligkeit und damit hohe Unterhaltungskosten an. „Vollautomatische Türen müssen einfach sein“, sagte dazu der stellvertretende Vorsitzende des Behindertenbeirats, Klaus Hansmann. Ernst kritisiert: „Es wäre gut gewesen, man hätte uns bei der Planung mehr eingebunden.“

Bei den Türen, die für den öffentlichen Bereich im neuen Rathaus vorgesehen sind, handele es sich um vom Brandschutz vorgeschriebene „Leichtlauftüren“. Diese waren zuletzt auch im Rathaus im Bereich der Fahr-stühle eingebaut worden.

Bürgermeisterin und Sozialdezernentin Ilona Friedrich, die an der Sitzung teilgenommen hat, gab zu bedenken, dass bei einem Gebäude, in das das Sozialamt einzieht, ein besonderes Augenmerk darauf gelegt werden muss, dass es von viel mehr Menschen mit Beeinträchtigung besucht wird, als andere Ämter. Sie appellierte an das Hochbauamt, hier noch einmal abzuwägen: „Wie können wir eine Barrierefreiheit für alle bewerkstelligen?“

„Automatische Türöffner sind zu 100 Prozent wichtig für Menschen, die in ihrer Bewegung eingeschränkt sind“, sagt Gisela Degenhardt von der Wohnberatung der Caritas. Ob mit Rollator, an Stützen oder anders unterwegs, für viele Menschen stellten geschlossene Türen ein Hindernis dar. „Es ist aber unbedingt notwendig, dass sich Menschen in öffentlichen Gebäuden bewegen können.“ (Christina Hein)

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